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Wer hat hier alles spioniert? Produktionshalle bei Aixtron (Bild: Aixtron)

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Gleich drei spektakuläre Übernahmen kippen

Aixtron, SLM Solutions und nun auch Osram. Bundeswirtschaftsminister Gabriel möchte den Fall des Leuchtenhesteller genau prüfen. Kommt der Deal nun überhaupt noch zustande? Für den Spezialmaschinenbauer Aixtron hatte der Minister die zuvor die bereits erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung zurückgezogen. Auch SLM-Solutions, der 3D-Drucker-Spezialist aus Lübeck, wird nun doch nicht von General Electric übernommen. Was steckt dahinter? Zumindest bei Aixtron steht eine spektakuläre Möglichkeit im Raum.

Den Verkauf der Glühbirnensparte des Lampenherstellers Osram nach China steht auf der Kippe. Ein Antrag auf genaue Untersuchtung liege vor, teilt das Bundeswirtschaftministerium mit. Ein Verkauf in der bis dato geplanten Form ist damit de facto mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, das Ministerium habe den Antrag der Bieter auf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung abgelehnt und eine vertiefte Prüfung eingeleitet. Das Ergebnis könnte Monate auf sich warten lassen.

Ursprünglich wollte Osram-Chef Olaf Berlien das wenig zukunftsträchtige Lampengeschäft unter dem Namen Ledvance zügig an die Chinesen verkaufen. Der LED-Spezialist MLS hatte gemeinsam mit den Finanzinvestoren IDG und Yiwu die Übernahme für mehr als 400 Millionen Euro eingefädelt. Damit will sich Osram nicht nur von seiner größten Sparte mit zuletzt rund zwei Milliarden Euro Umsatz und 12.500 Mitarbeitern trennen, sondern auch das Geschäft mit Endkunden aufgeben, wie das Handelsblatt berichtet.

Eigentlich war bei SLM-Solutions alles klar

General Electric (GE) sollte den Lübecker Spezialisten für die Schlüsseltechnologie des 3-D-Drucks, SLM Solutions, komplett übernehmen. Doch nun kam die kalte Dusche, die diesmal nicht aus dem Bundewirtschaftsministerium kam. Nach Ablauf der offiziellen Annahmefrist habe man nicht die erforderliche Stimmenzahl erhalten, teilte GE am Mittwochabend mit. Und erklärte die Offerte gescheitert. Man werde auch nicht mehr nachbessern, sondern man habe Alternativen. Die kämen jetzt zum Zuge.

683 Millionen Euro wollte sich GE die Lübecker kosten lassen. Die Voraussetzung wäre allerdings gewesen, dass dem US-Riesen mindestens 75 Prozent der Aktien angedient worden wären; die Amerikaner wollten das Unternehmen vollständig, also ohne Sperrminotität gegen sich, kontrollieren. Die Annahmefrist war am 24. Oktober ausgelaufen. Und offenbar wurden nicht Stimmrechte offeriert.

Finanzen.net berichtet über einen weißen Ritter für SLM-Solutions, der aber offenbar nicht nur das im Sinne hatte, was einen solchen Retter ausmacht: „Störfeuer hatte bis zuletzt der umtriebige Finanzinvestor Paul Singer gesendet, der mit seinem Hedgefonds Elliott gut 20 Prozent der Anteile erworben hatte. Singer klinkt sich gerne bei Unternehmen ein, die vor einer Übernahme stehen und pokert auf einen höheren Preis." Noch vor wenigen Tagen hatte Singer mitgeteilen lassen, er werde das Angebot von GE nicht annehmen. Es sieht ein wenig so aus, als sei hier eine Spekulation nicht aufgegangen. Aber vielleicht waren es, wie im Falle Aixtron, auch Kommunikationsstränge aus dem nicht-wirtschaftlichen Umfeld, die genutzt wurde.

US-Geheimdienst stoppt Aixtron-Übernahme

Das Herzogenrather Maschinenbauunternehmen Aixtron hat in 33 Jahren einen exzellenten Ruf erworben. Das Unternehmen produziert Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitern und anderer Multikomponenten-Materialien. Der chinesische Konzern FGC wollte Aixtron eigentlich für 670 Millionen Euro kaufen. Doch Wirtschaftsminister Gabriel, hier wie beim Osram-Deal durchaus zentral beteiligt, hatte zuvor nun die bereits erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung zurückgezogen. Warum?

Immer wieder ist davon die Rede, dass amerikanische Geheimdienste das Bundeswirtschaftsministerium eindringlich vor einem Verkauf von Aixtron an einen chinesischen Finanzinvestor gewarnt hätten. Produkte von Aixtron könnten im chinesischen Nuklearprogramm eingesetzt werden. Bei einem Treffen in der Berliner US-Botschaft wurden nun offenbar Beweise vorgelegt.

Einmal mehr macht der Bundeswirtschaftsminister und mitmaßliche SPD-Kanzlerkandidat eine eher schlechte Figur, auch wenn er in dieser Situation kaum gewinnnen konnte. So sehr Aixtron einen zahlungskräftigen Investor benötigt: US-Dienste sind Institutionen, an denen in der Welt von heute kaum ein Weg vorbeiführt. Die Frage muss nicht lauten, warum die Amerikaner den Verkauf zu Fall gebracht haben, sondern eher, warum überhaupt erst eine Genehmigung erteilt worden ist. Falls es einen rot-röter-gendergrünen Bundeskanzler Gabriel gibt, wird Deutschland die US-Dienste wirklich dringend brauchen, um nicht in schwerste Krisen zu geraten, so scheint es.

Doch werfen wir noch einen Blick auf Aixtron: Das Unternehmen hat Schwierigkeiten bei der Rentabilität, zuletzt musste Aixtron-Chef Martin Goetzeler über Verluste berichten. Schon geraume Zeit hatte er daher nach einem Investor gesucht, der frisches Kapital zu bekommen. Da kam die geplante Übernahme durch den Investor Fujian Grand Chip Investment (FGC) wie gerufen, alles schien zu geklärt. Nach einer Senkung der Mindestannahmeschwelle auf 50,1 Prozent hatten sogar die zögerlichen Aktionäre, von denen es durchaus einige gab, der FCG gut 60 Prozent der Aixtron-Anteile zum Kauf angedient.

Zahlreiche Aixtron-Aktionäre lehnten noch im Frühjahr, da fand die jüngste Hauptversammlung statt, die Übernahmepläne rundweg ab. Der Abfluss von Know-How, den die Mehrheit der Aktionäre damals fürchtete, war damals ein großes Thema. Das Angebot von sechs Euro pro Aktie schmeckte den Aktionären ebenfalls nicht. Goetzeler hatte jedoch massiv für die Übernahme durch FCG geworben. Er verspreche sich, so das Handelsblatt, einen besseren Zugang zum chinesischen Markt und das nötige Kapital für Forschung und Entwicklung. Die Chinesen hätten zudem versichert, Aixtron operativ unangetastet zu lassen.

FGC bietet 676 Millionen Euro für das 1983 aus der Aachener Hochschule RWTH hervorgegangene Unternehmen mit seinen rund 750 Mitarbeitern. Wenn nun der Bundeswirtschaftsminister Bedenken hegt, droht der Deal zu scheitern. Allein die Befürchtung, das Gabriel-Ministerium könne massiv auf den Plan treten, schreckt dabei die Aktionäre, denn der Eiertanz um Tengelmann und Edeka ist nirgendwo unbemerkt geblieben. Das Maß an Kompetenz, das Gabriel zugetraut wird, hält sich in sehr überschaubarem Rahmen, und Aixtron könnte sein nächstes Waterloo werden. sig

31.10.2016 | 18:39

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