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Gute Zahlen: Bayer für Expansion gerüstet

Fast 40 Prozent mehr Gewinn im ersten Quartal! Bei Bayer läuft es derzeit so gut, dass die Umsatzerwartung fürs Gesamtjahr auf das Rekordniveau von 51 Milliarden Euro angehoben wurde. Vergoldet werden soll 2017 durch den historischen Monsanto-Deal. Dieser ist nicht unumstritten und ruft vermehrt Kritiker auf den Plan, doch Bayer steht grundsolide da und ist für anstehende Herausforderungen augenscheinlich bestens präpariert.

„Stop Bayer/Monsanto“. So lautet das Motto der von ökologisch orientierten Landwirtschaftsverbänden, der Gewerkschaft Verdi und dem Netzwerk „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ ausgerufenen Demonstration vor Bayers Hauptversammlungsgebäude in Bonn. Der Leverkusener Pharma- und Chemieriese macht sich durch die geplante Monsanto-Übernahme nicht nur Freunde. Im Gegenteil: Der Druck der Fusionsgegner wird immer größer. Das aggressive Geschäftsverhalten des US-Saatgutkonzerns gegenüber Bauern, dessen Industrialisierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft und die starke Fokussierung auf Gentechnik sorgen für reichlich Zündstoff unterm Bayerkreuz. Doch wo die Kritiker einen ungebremsten Vormarsch gentechnisch veaänderter Pflanzen befürchten, entwickelt Konzernchef Werner Baumann die Vision einer Welt, in der genug Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung wächst: dank Gentechnik.

Doch nicht nur aus ökologischer Sicht ist der Deal umstritten. Auch ökonomische Bedenken kommen bei Kritikern auf. Wird sich die extrem kostspielige Übernahme in Höhe von 66 Milliarden Dollar exklusive schwer kalkulierbarer Kosten für die vermutlich langwierige Integration in den Bayer-Konzern finanziell tatsächlich lohnen? Zwar ist das in St. Louis gelegene Unternehmen in der Forschung besonders stark. Doch inwieweit sich beispielsweise mit Satelliten, die Landwirtschaftsfelder überwachen und Sensoren im Boden, die über eine passende Saatzeit informieren, tatsächlich das große Geld verdienen lässt, muss sich erst zeigen. Reichlich Geduld und ein Schuss Phantasie sind dabei wohl gefragt.

Wie der Starinvestor handelt

Über diese Phantasie verfügt Warren Buffett offenbar zur Genüge. Aus seiner Sicht birgt der mögliche Zusammenschluss über ein derart großes Potential, dass der Starinvestor sein Geld in satte acht Millionen Monsanto-Aktien investiert hat. Eine stolze Zahl! Und ein weiterer großer Freund der geplanten Übernahme ist kein geringerer als US-Präsident Donald Trump. Bayer kündigte ein Investment in den USA in Höhe von acht Milliarden Dollar plus die Schaffung von 3000 neuen „High-Tech-Jobs“ an. Dies veranlasste den vermutlich mächtigsten Mann der Welt prompt dazu, über die Leverkusener zu twittern, womit sich schließlich das große Rätsel, welches deutsche Unternehmen es wohl als erstes in die ominösen Tweets des neuen US-Präsidenten schaffen würde, löste. Ob der Chemie-und Pharmariese marketingtechnisch mit dieser historischen Begebenheit allerdings hausieren gehen sollte, bleibt angesichts der internationalen Beliebtheit des „Hasspredigers“, wie Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hochachtungsvoll nennt, fraglich.

Dennoch soll Trump für Bayer zum Trumpf werden. Schließlich ist der geplante Megadeal, der noch dieses Jahr über die Bühne gehen soll, noch nicht in trockenen Tüchern. In den USA kommt es derzeit noch zu einer kartellrechtlichen Prüfung - die Frage, ob durch den Zusammenschluss die Marktmacht von Bayer/Monsanto zu groß werden könnte und eine monopolähnlichen Stellung der beiden Konzerne damit einherginge, muss noch abschließend geklärt werden. Dabei ist es für Bayer sicherlich nicht von Nachteil, sich der Unterstützung des einflussreichen US-Präsidenten gewiss sein zu dürfen.

Organisches Wachstum: Anleger können zufrieden sein

Gewissheit herrscht inzwischen auch über die Zahlen des ersten Quartals. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nahmen die Leverkusener im Dreimonatszeitraum mit 3,89 Milliarden Euro 14,9 Prozent mehr ein. Unterm Strich verzeichnete Bayer mit 2,08 Milliarden Euro einen Zuwachs von 38 Prozent. Der Umsatz stieg dabei um knapp zwölf Prozent auf 13,24 Milliarden Euro. Organisch – also ohne Wechselkurseinflüsse und Zukäufe - wuchs der Erlös um fast zehn Prozent. Zu verdanken hat Bayer diese erfreulichen Ergebnisse allen voran der Pharma- und Kunststoffsparte. „Besonders erfolgreich waren wir erneut mit unseren Hauptwachstumsprodukten, die insgesamt um währungsbereinigt 20 Prozent zulegen konnten“, erklärte Konzernchef Werner Baumann in Hinblick auf das glänzende Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten.

Nach dem fulminanten Start ins neue Jahr hat Bayer nun selbst die Messlatte nach oben geschraubt. Der Konzern peilt nicht mehr nur einen Umsatz in Höhe von 49 Milliarden Euro fürs Gesamtjahr an, sondern ist gewillt, die 50-Milliarden-Euro-Marke zu knacken und sogar um eine Milliarde Euro zu überspringen. Dabei soll das Ebitda vor Sondereffekten um über zehn Prozent wachsen – bislang war Bayer von einem Anstieg im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ ausgegangen. Entsprechend positiv entwickelt sich auch die Bayer-Aktie, die sich seit Jahresbeginn von 86 Euro auf über 110 Euro steigern konnte. Analyst Alistair Campbell von der Privatbank Berenberg sieht ein Ende des Aufwärtstrends derzeit nicht in Sicht und traut dem Papier den Sprung auf 118 Euro zu. Analysten der Equinet Bank Aktiengesellschaft bestätigen sein Kursziel. Unterm Bayerkreuz träumt man inzwischen heimlich sogar schon vom Allzeithoch aus dem Jahr 2015 jenseits der 140-Euro-Marke. Wenngleich es bis dahin noch ein weiter Weg ist, scheint nicht nur die Aktie von Bayer aktuell „unstopable“ zu sein. WIM

03.05.2017 | 13:44

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