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Holding wird zum Modetrend

Bei Großkonzernen wie Siemens, Daimler oder Bayer ist das Holdingmodell seit Langem ein Erfolgsmodell: Statt Steuerung aus der Zentrale sind selbstständige Einheiten angesagt. Nun entdecken immer mehr Mittelständler die Vorteile dieser Struktur für sich.

Konzernlenker nutzen die Vorteile von Holdingstrukturen seit Langem. In jüngster Zeit vor allem, um Kapital zu mobilisieren, wendiger zu werden und Ausgründungen zu erleichtern. So hat es Bayer mit seinem Kunststoffgeschäft Covestro gemacht und Siemens mit dem Medizintechnik­ableger Health­ineers. ThyssenKrupp nutzt die Holdingfreiheit und spaltet sich ebenso auf wie E.ON und RWE. Und der Autozulieferer Continental etabliert unter dem Dach einer Holding die drei Sparten Reifen, Antriebstechnik und autonomes Fahren als selbstständige Einheiten – Börsengänge nicht ausgeschlossen.

Eine der Holdinglogiken ist es, dass die Einzelteile eines Unternehmens addiert mehr wert sein können als das Ganze. Eine andere lautet: Mobilisiere Kapital für dein Hauptgeschäft. Das gilt zusehends auch für den deutschen Mittelstand. „Derzeit nutzen Unternehmen vor allem den Verkauf von Randaktivitäten, um die Erlöse daraus in ihr Kerngeschäft zu investieren oder mit der so gewonnenen Liquidität ihre Finanzierungsstruktur zu verbessern“, sagt Rechtsanwalt Patrick Nordhues, Experte für Corporate/M & A bei PwC. Häufig ist auch die Nachfolgeregelung ein Anlass. „Wenn mehrere Familienstämme eigenständig unternehmerisch tätig werden wollen, können die getrennten Geschäftsbereiche je nach Wünschen und Ausrichtung der Gesellschafter zugeordnet werden“, so Nordhues

Welche Vorteile hat die Holdingmode für Mittelständler konkret?

1. Sie macht flexibler und ermöglicht es, schneller auf externe und interne Einflüsse zu reagieren. Eine strategische Holding konzentriert ihren Einfluss auf die langfristige Steuerung (etwa bei Auswahl der Führungspositionen und strategischen Geschäftsfelder) in ihren Tochtergesellschaften. Operativ erhalten die Töchter mehr Freiheit, das kann ihre Markt- und Kundennähe erhöhen.

2. Die Holding kann wie eine Brandmauer vor Insolvenz schützen. Gerade mit Blick auf eine eventuelle Rezession wird es bei vielen Mittelständlern dazu kommen, dass verschiedene Bereiche unter einem Firmendach unterschiedlich stark von der Krise betroffen werden. Bricht in einer Sparte das Geschäft weg, können Liquiditätsengpässe entstehen, die aufgrund der firmenrechtlichen Konstruktion schnell auf das Gesamtunternehmen übergreifen. Schlimmstenfalls droht dann dem gesamten Unternehmen die Insolvenz, obwohl nur ein Geschäftsbereich tatsächlich betroffen ist. Ein Gegenkonzept ist die Aufspaltung und Integration in eine Holding.

3. Auch Haftungsrisiken werden durch die Holding reduziert. Das kann für Unternehmen sinnvoll sein, bei denen ein operativer Teil ein deutlich haftungsrelevanteres Produkt herstellt als die übrigen Unternehmensbereiche.

4. Eine Holdingstruktur erleichtert die Anbindung neuer Geschäftsbereiche, zum Beispiel von Start-ups. Durch die klare Trennung der Gesellschaften ist es in sehr dynamischen Märkten leichter, Geschäftsbereiche einzugliedern oder abzustoßen. Beispielsweise können Venture-Management-Einheiten ausgegliedert werden, um außerhalb starrer Unternehmensstrukturen disruptiven Märkten zu begegnen. Bestehende Start-ups wiederum können leichter angedockt werden, um dann von Kapital oder stabilen, erfahrenen Strukturen zu profitieren.

5. Holdingstrukturen erleichtern zuweilen die Kapitalausstattung. Durch die finanzielle Gestaltungsfähigkeit der strategischen Holdings (Einwerbung von Eigenkapital, Fremdkapital oder auch M & A) wird es häufig leichter, Investoren zu gewinnen.

6. Auch die Führungskultur kann durch eine Holding aufgelockert werden. Der alles entscheidende Inhaber, der sowohl strategisch als auch operativ mit allen Details vertraut ist, ist ab einer bestimmten Unternehmensgröße und Komplexität der Rahmenbedingungen ein Nachteil. Die strategische oder Finanzholding ist ein möglicher Hebel, um Unternehmen wieder führbarer zu machen und neue Führungskräfte – dank größerer Handlungsspielräume – leichter zu gewinnen.

7. Über die bereits aufgezählten Pluspunkte hinaus gibt es auch Steuervorteile durch die Holding. Anstatt die ­Gewinne des Unternehmens jährlich an den Aktionär auszuschütten, kann es vorteilhaft sein, sie in einer Holding zwischenzulagern. Das Ausschütten zugunsten der Holding löst keine Steuern aus, hält die operative Gesellschaft schlank und macht die Holding zur privaten, persönlichen Bank. Die Holding kann nun bei Bedarf das Geld – unter bestimmten ­Voraussetzungen – an ihre Tochter oder an die Aktionäre verleihen und erhält dafür Zinsen, ebenfalls steuerfrei. Eine andere Möglichkeit ist, das auf Aktionärsstufe noch unversteuerte Geld für den Erwerb einer neuen Gesellschaft zu verwenden. Das bedeutet, dass derjenige Teil des Geldes, der zur Zahlung der privaten Steuerlast abgeflossen wäre, nun dem Inhaber anstelle des Staates als Investition zur Verfügung steht.

8. Die Holding kann dem Mittelständler auch als eine Art eigene Bank und Rentengefäß dienen. Mit zunehmendem Alter wird das Entgelt aus Arbeit kleiner und kann durch Dividendenausschüttungen so ergänzt werden, wie es der private Bedarf verlangt. So versteuert der Unternehmer privat über die Zeit des gesamten Unternehmerlebens nur das Einkommen, das er für den privaten Lebensunterhalt benötigt. Man profitiert zudem zusätzlich, weil private Einkünfte aus Dividenden privilegiert besteuert werden.  


WK

15.02.2019 | 10:49

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