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Macher der Woche: Jan-Hendrik Goldbeck baut Teslas Fabrik in Deutschland

Ein Familienunternehmen aus Bielefeld ist maßgeblich am Bau der Tesla-Fabrik beteiligt. Der deutsche Unternehmer Jan-Hendrik Goldbeck und Tesla-Gründer Elon Musk haben überraschend viele Ähnlichkeiten.

Wer ihm zuhört, wenn er über das Thema Nachhaltigkeit spricht, wird nachdenklich: Nicht die Zahnbürste aus Bambus werde Deutschland retten, sagt Jan-Hendrik Goldbeck, sondern die Herausforderungen des Klimaschutzes müssten international beantwortet werden. Er fügt dann hinzu, dass Nachhaltigkeit deutlich mehr als Klimaschutz bedeute: Wenn es etwa um nachhaltige Unternehmensführung gehe, überhaupt um Nachhaltigkeit in Führungsfragen - und um Nachhaltigkeit auf dem Bau, seinem eigentlichen Element. Goldbeck leitet gemeinsam mit seinem Bruder Jörg-Uwe Goldbeck in zweiter Generation das Bielefelder Familienunternehmen.

Seine Einstellung zur Nachhaltigkeit und sein innovativer Ansatz, wie die Baustelle der Zukunft aussehen wird, hat ihn offensichtlich für einen andere Mann als Geschäftspartner interessant gemacht. Gut 10 000 Kilometer entfernt in Palo Alto, Kalifornien, hat Tesla-Gründer Elon Musk sein Hauptquartier. Tesla, so will es Musk, stehe für eine Mission: Die Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energie. Mit dieser Strategie treibt Musk den Autobauer voran, verkündete gerade den vierten Quartalsgewinn in Folge und hat Tesla inzwischen zum an der Börse wertvollsten Autobauer der Welt gemacht. Der Aktienkurs hat sich im vergangenen Jahr versechsfacht. Um die Vision einer nachhaltigen Produktion Wirklichkeit werden zu lassen, stelle die Fertigung vor Ort einen entscheidenden Faktor dar, meint Musk. Und weil sich die Kunden in Deutschland um seine E-Auto-Modelle reißen, lässt er nun eine Fabrik in Brandenburg bauen - wobei Musk nicht Musk wäre, wenn die Fabrik nicht gleich eine „Gigafactory“ werden sollte.

Goldbeck und Musk – dass sind damit zwei Unternehmer, die zumindest dann eine Schnittmenge haben, wenn es ums Groß-Denken und ums Nachhaltig-Entwickeln geht. Ganz fern lag es also nicht, dass der Visionär aus Palo Alto und der Tech-Baumeister aus Bielefeld einander begegnen und geschäftlichen Gefallen aneinander finden. Die Folge: Goldbeck baut jetzt wesentliche Teile von Teslas Fabrik in Brandenburg.

Die Bagger sind dazu bereits angerückt, einen ersten kurzen Rodungsstopp der Bäume  [ES1] hatte es im Frühjahr auch schon gegeben. Auf dem 300 Hektar großen Grundstück soll die Produktion dennoch bereits im nächsten Jahr aufgenommen werden. In einer ersten Phase, so heißt es von Tesla, entsteht hier das „Modell Y“. 12000 Ingenieure, Produktionsleiter, Mitarbeiter, Techniker und anderes operatives Personal werden derzeit in ganz Europa gesucht. „Wir möchten, dass hier die besten Talente zusammenkommen und zusammenarbeiten, um unsere Mission voranzutreiben“, lautet Musks Ansage.

Was Tesla damit vorhat, müsste ganz in Goldbecks Sinne sein. Nicht nur, dass der Autobauer einen ganzen Wald anpflanzen lässt, um die gerodeten Bäume zu ersetzen. Die neue Fabrik soll auch über ein Solardach verfügen, um Deutschland und Brandenburg dabei zu unterstützen, die ehrgeizigen Ziele der Energiewende zu realisieren – ein Projekt, dass dem Amerikaner offenbar Respekt abverlangt.

Das ganze allerdings muss schnell gehen, womit Goldbeck wiederum seine Trümpfe ausspielen kann. Bei den Bielefeldern erzielen derzeit 7500 Mitarbeiter einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro, weil sie zu den schnellsten in der Branche gehören. Hatte das Errichten großer Gebäude seit den Zeiten des Kölner Dombaus etwas Archaisches, so hat die Branche inzwischen einige Unternehmen hervorgebracht, die das Bauen neu denken. Digitalisierte Planungsverfahren und eine weitgehende Vorfertigung ganzer Bauteile erlauben es den Bielefeldern schneller als die meisten Wettbewerber Projekte fertigzustellen. Eine funkelnagelneue Goldbeck-Niederlassung am Frankfurter Flughafen zeigt das eindrucksvoll: Während benachbarte Bürotürme, deren Fundament zur gleichen Zeit gegossen wurden, noch im Rohbau dastehen, ist Goldbeck in seine neue Niederlassung bereits eingezogen.

Baumeister Jan-Hendrik Goldbeck selbst ist hier in Frankfurt und  in Bielefeld, aber manchmal auch in der Nachbarschaft seines derzeit prominentesten Kunden anzutreffen. Goldbeck hat einen kleinen Campus, eine Art Forschungslabor im Silicon Valley eingerichtet. Hier werden Trends ausgekundschaftet und erste Anwendungen erprobt. Aktuelles Beispiel: Ein Algorithmus, der erkennt, wenn irgendwo Unternehmen beginnen müssen, über Erweiterungen und Neubauten nachzudenken. Möglicherweise hätte eine solche Software das Familienunternehmen aus Bielefeld und den Gründer aus Palo Alto schon Monate zuvor zueinander geführt.

oli

24.07.2020 | 15:34

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