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Die Coronakrise führt dort vor allem zu Kostenreduzierungen und Mitarbeiterabbau (Quelle: Commerzbank).


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Jeder vierte Mittelständler kämpft um seine Existenz

Die Commerzbank legt eine Umfrage unter Selbständigen und kleineren Unternehmen vor. Die Coronakrise führt dort vor allem zu Kostenreduzierungen und Mitarbeiterabbau. Eine Änderung des Geschäftsmodells ist seltener in Sicht. Immerhin verursacht die Krise einen Digitalisierungsschub.

Die Schicksale, die Corona auslöst, können tragisch sein. Zahlen geben nicht annährend wieder, welche Spuren die Krankheit und die durch sie ausgelöste Wirtschaftskrise hinterlässt. Die Commerzbank hat dennoch in einer bundesweiten Umfrage unter 3500 Unternehmern versucht, ein Bild der Lage in Zahlen darzustellen.

Zu den Befragten gehören die, die es möglicherweise besonders schwer haben:  Freiberufler, Handwerker, Gewerbetreibende und kleinere Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu 15 Millionen Euro. Die Ergebnisse zeigen denn auch eine schwierige Lage, die einhergeht mit einer nur wenig verbreiteten Veränderungsbereitschaft. Positives können die allermeisten der Krise nicht abgewinnen.

Mehr als ein Viertel setzt auf Kurzarbeit

Die Statistiker der Bank wollten zunächst wissen, wie viele Unternehmen von der Krise überhaupt stark betroffen sind und erhielten von 44 Prozent der Unternehmer ein deutliches „Ja“. Mehr als die Hälfte davon gab an, dass sie ums wirtschaftliche Überleben kämpfen – womit sich unterm Strich knapp ein Viertel der befragten Unternehmen in Existenznot sieht. Entsprechend düster sind die Auswirkungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 35 Prozent der Unternehmen sparen beim Personal. Mehr als ein Viertel hat Kurzarbeit angemeldet. Acht Prozent müssen Kündigungen aussprechen. Sieben Prozent habe ihr Produktangebot reduziert.

Völlig andere Wege zu gehen, gar das Geschäftsmodell anzutasten, ist für knapp die Hälfte (44 Prozent) der befragten Unternehmen allerdings kein Thema. Etwa so hoch ist auch die Anzahl der Firmen, bei denen Home-Office nicht zur Diskussion steht. Die verhältnismäßig hohe Ablehnung dieser Arbeitsform hatte sich schon in den vergangenen Wochen gezeigt, als Arbeitsminister Hubertus Heil mit einem Gesetzentwurf die Diskussion um das Recht auf die Arbeit zu Hause ausgelöst hatte. Zahlreiche Firmenchefs sträuben sich dagegen unter anderem, weil sie Investitionen in Heimarbeitsplätze scheuen.

Zeit für Entschleunigung

Immerhin stellt aber mit 64 Prozent der Befragten eine deutliche Mehrheit fest, dass es Zeit wird die Digitalisierung im eigenen Laden zu beschleunigen. Die meisten wollen das bereits in den nächsten Monaten vorantreiben und dafür auch entsprechende Summen investieren. Die Digitalausrüster dürften damit vor einem guten Geschäftsjahr stehen.

Auf der Habenseite in der Krise stehen eher die weichen Werte: Rund ein Drittel der Unternehmer stellt eine Erhöhung der Solidarität und Stärkung des Teamgeistes fest.  Ebenfalls rund jeder Dritte nutzt die Krise zu einer Art der Entschleunigung, hat die Arbeitszeiten flexibilisiert.  

oli



22.10.2020 | 14:37

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