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Macher der Woche: Frank-Jürgen Weise

Er stand als Chef der Bundesagentur für Arbeit und als Leiter des Bundesamts für Flüchtlinge oft in der Kritik. Doch er hinterließ seinen Arbeitsplatz stets in besserem Zustand, als er ihn vorgefunden hatte. Jetzt will es Weise noch einmal wissen: Er leitet einen Gewerkschaftsfond, der Autozulieferer mit Gewinn abwickeln soll.

Einer wie er, verschwindet nicht einfach aus dem öffentlichen Leben. Es wäre auch merkwürdig gewesen, wenn der Soldat und Manager Frank-Jürgen Weise sich mit 68 Jahren - also dann, wenn andere ihre Rente verzehren – wirklich zurückgezogen hätte. Nach all dem: Nach den Jahren bei der Bundeswehr, nach der Zeit im Vorstand von Unternehmen wie der Braunschweiger Hüttenwerk Gesellschaft oder dem Automobilzulieferer FAG Kugelfischer. Nach seinem großen Aufschlag, den er an der Spitze der Bundeswehr Struktur-Kommission übernommen hatte und der tatsächlich mit Veränderungen in der Truppe endete. Und nach der Leitung der Bundesanstalt für Arbeit, aus der er eine Bundesagentur machte, die schon durch den Namenswechsel deutlich werden ließ, dass sie nicht Bittsteller, sondern Kunden betreut. Und nach dem möglicherweise nervenaufreibendsten Job, den er 2015 nebenbei und zusätzlich antrat, als er der Bitte der Kanzlerin entsprach und Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BaMF) wurde.

Nein, Weise ist noch da. Seit 2017 als Präsident der Johanniter-Unfallhilfe und nun ganz frisch dort, wo es wieder darum geht, etwas mal grundsätzlich anders zu machen als vorher: Weise ist das Aushängeschild der Best-Owner-Group (BOG). Und diese Gruppe könnte möglicherweise das Modell „Hier-Gewerkschaften-und-dort-Arbeitgeber“ grundsätzlich ins Wanken bringen.

Bad Bank für Zulieferer

Die BOG ist so etwas wie eine Bad Bank für die Automobilzulieferer. Sie soll gezielt in die Firmen der Branche investieren, die langfristig dem Untergang geweiht sind, weil sie zu lange auf den Verbrennungsmotor gesetzt haben. Das neue Modell sieht so aus: Auf der einen Seite haben Zulieferbetriebe für Hersteller von Verbrennungsmotoren zwar noch zu tun, weil auch die nächsten Jahre noch Autos mit dieser Technik fahren werden, aber auf der anderen Seite sinken ihre Auftragseingänge stetig. Das Ende ist in Sichtweite. Die BOG sammelt nun Geld von Investoren ein, um kränkelnde Zulieferbetriebe mehrheitlich zu übernehmen und bis zum endgültigen Auslaufen ihrer Produkte sozialverträglich abzuwickeln – ganz wie bei einer Bad Bank. Der Betrieb kann Gewinn bringen, denn Entwicklungskosten sowie Ausgaben für Neuinvestitionen fallen in den Betrieben weg. Der fällige Personalabbau könnte durch die noch lange Laufzeit entsprechend der Altersstruktur der Beschäftigten sozialverträglich geplant werden. Die Idee zu dieser Konstruktion stammt von der IG-Metall, die bereits Geld in die Kasse der BOG eingezahlt hat. Eine Gewerkschaft, die einen Risikokapitalfond gründet, um bei der Abwicklung von Betrieben Geld zu verdienen – das ist ein Spagat, der ganz nach dem Geschmack von Weise sein dürfte.

Im Büro übernachtet

Der drahtige Manager, der schon beim Auftritt seine Fallschirmjäger-Ausbildung nicht verhehlen kann, setzt auf das, was er auch bei der Truppe gelernt hat: Als Arbeitsagentur-Chef stärkte er das Wir-Gefühl, in dem er sich an der Basis sehen ließ: bei der Beratung von arbeitssuchenden Kunden in der Agentur. Als Manager übernachtete er mit dem Führungsteam im Büro auf Feldbetten, als die Arbeit sonst nicht zu schaffen war. Und als Chef des BaMF behielt er einen kühlen Kopf, als die Kanzlerin erst die Grenzen öffnete und sich anschließend das ganze Land wunderte und dann stöhnte, dass so viele kommen.

Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber hat er einmal zugeraunt, was er am meisten hasst: Wenn ihm nicht erklärt wird, warum er etwas machen soll. Er selbst nimmt sich deswegen Zeit für diejenigen, die er mit Aufgaben betraut, und er erklärt sie offenbar gut. Den Moloch Bundesanstalt für Arbeit, krempelte er jedenfalls um. Als er beschreiben sollte, wie er das geschafft habe, erklärt er, dass er schlicht die mit einer Aufgabe betreut habe, die den Job am besten konnten und nicht die, die die Hierarchie dafür vorsah. Geholfen hat ihm auch eine andere soldatische Fähigkeit: In Systeme gliedert er sich ein, er ist kein Querkopf, sondern einer, der darauf vertraut, dass mit guten Argumenten etwas zu verändern sei. „Wer es zu etwas bringen will, muss es wirklich wollen“, sagt er und fügt hinzu: „Und können.“

Bei der Best Owner Group steht Weise erst am Anfang. Seine Erfahrung bei FAG-Kugelfischer könnte ihm helfen, die Nöte der Autozulieferer zu verstehen. Wirklich zu wollen, eine Schlüsselindustrie in Deutschland nicht untergehen zu lassen – das unterstellen ihm alle. Wie er, welche Investoren für die Abwicklung der Nachzügler in der Branche gewinnen will, darüber schweigt er noch. Das Projekt befindet sich in der Startphase. Und Weise hat in seiner langen Karriere gelernt, das Fell nicht zu verteilen, ehe der Bär erlegt ist.

oli



25.09.2020 | 10:41

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