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Macher der Woche: Hans-Jörg Vetter

Seit knapp einem Monat ist der Sanierer von Bankgesellschaft Berlin und LBBW Aufsichtsratschef bei der Commerzbank. Schon jetzt müssen sich Vorstände an einen neuen Ton gewöhnen.

Ganz so hatte sich die Vorstandsriege der Commerzbank die ersten Wochen mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden nicht vorgestellt: Wenn ein neuer Aufsichtsrat kommt, lädt man ihn ein und erzählt, was läuft und möglicherweise auch ein bisschen, wo der Schuh drückt. Mit Hans-Jörg Vetter lief es aber nicht so. Der Aufsichtsratschef, der vor knapp einem Monat von den Vertretern des Bundes im Commerzbank-Kontrollgremium auf den Thron gehievt wurde, fackelte nicht lange. Als geduldigen Zuhörer jedenfalls bezeichnen ihn die wenigsten Vorstände, die ihren Termin beim Chef inzwischen hinter sich haben. Stattdessen habe ihnen Vetter freundlich, aber bestimmt seine Sicht der Dinge erklärt.

Mit 68 Jahren weiß einer wie Vetter, wie es läuft im Bankgeschäft. Er selbst hat es von der Pike auf gelernt, angefangen hat er als Bankkaufmann bei der Deutschen Bank, Filiale Göppingen. Das ist ein halbes Jahrhundert her - Jahrzehnte, in denen Vetter mindestens zweimal an der Spitze einer vom Untergang bedrohten Bank das Schlimmste abwenden konnte. Klar also, dass so einer seine eigenen Ansichten pflegt, wenn es um die Zukunft des nächsten Bankenriesen geht, den er auf ein neues Fundament stellen soll.

Zweimal ein Meisterstück abgeliefert

Seine Begleiter beschreiben den Mann, mit dem ein wenig aus der Mode gekommenen Schnauzbart, als gradlinig und zuverlässig. Nach seiner „Gesellenzeit“ und Karrierestationen wie der Privatbank M.M Warburg sowie der Landesbank Hessen-Thüringen war es für Vetter im Jahr 2001 Zeit, sich an sein erstes Meisterwerk zu begeben. Die Bankgesellschaft Berlin hatte mit ihrem Zusammenbruch einen Skandal ausgelöst, über den letztlich auch der damalige Regierende Bürgermeister der Hauptstadt, Eberhard Diepgen, gestürzt war. Im Auftrag des neugewählten Bürgermeisters Klaus Wowereit erarbeitete Vetter bis Ende Januar 2002 einen Sanierungsplan und schaffte tatsächlich die Trendwende aus den tiefroten Zahlen. Das einst marode Geldhaus schrieb 2004 wieder Gewinne und Vetter gelang es, einen Verkauf für mehr als fünf Milliarden Euro an die Sparkassen einzufädeln. Berlin hätte ihm dafür einen Verdienstorden verleihen können, doch der kam erst 2016 aus Baden-Württemberg.

Dort übernahm Vetter 2009 die Landesbank, die in Folge der Finanzkrise ins Straucheln gekommen war. Aus der Anfangszeit in Stuttgart wird eine Szene kolportiert, die Vetter als sympathisch-stur charakterisieren soll. Es ging um ein beträchtliches Sponsoring, das die Stuttgarter Bank an eine Institution des Landes zahlen sollte. Als Vetter sich sperrte, erhielt er einen Anruf vom zuständigen Minister, der den Bankchef süffisant daran erinnerte, wer eigentlich der Eigentümer der Bank sei. Vetter soll daraufhin gebeten haben, eine schriftliche Anweisung fürs gewünschte Sponsoring zu bekommen, zu der sich der Minister natürlich nicht hinreißen ließ. Vetters Bemerkung dazu: „Sehen Sie und ich mache nur Dinge, die sich auch schriftlich machen lassen.“ Das Sponsoring fiel damals aus, die Bilanz der Landesbank hatte sich aber nach Vetters Abgang 2016 deutlich erholt.

Chefsache: Chefsuche

Auch bei der Commerzbank wird nun einiges ausfallen: Arbeitsplätze, Filialen – all das steht auf der Kippe. Und weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darum wissen, ist die Stimmung derzeit kein Zuckerschlecken. Ein Ausfall für Vetter ist auch Vorstand Martin Zielke. Der Manager hat eingeräumt, dass die im vergangenen Herbst beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um die Commerzbank im Zinstief profitabler zu machen. Gleichzeitig hat auch er seinen Posten zur Verfügung gestellt. Vetters Aufgabe ist es also, einen Nachfolger zu finden, entweder innerhalb des aktuellen Vorstandsteams, das ihn nun kennengerlernt hat, oder eben von außen.

Namen zirkulieren: Commerzbank Firmenkundenchef Roland Boekhout ist einer davon. Er war Deutschland-Chef der ING und hat sie hierzulande zur führenden Direktbank umgebaut. Boekhout bringt mit, was Vetter nicht nachgesagt wird: einen geschmeidigen Umgang mit digitalen Geschäftsmodellen. Zeit hätte auch ein alter Bekannter: Martin Blessing verließ 2016 als Vorstandschef die Commerzbank, wechselte zur Schweizer UBS, wo die Karriere allerdings nach drei Jahren vorüber war. Bei gutem Wetter kann der Ex-CEO unweit von seinem Wohnort in Königstein bis zu den Türmen der Commerzbank in Frankfurt schauen. Ob Blessing dabei wehmütige Erinnerungen überkommen und ob Vetter ihn getroffen hat, ist bislang nicht überliefert.               

oli

28.08.2020 | 12:41

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