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Macher der Woche: Kilian Kaminski

Es ist die fantastische Wiedergeburt des Gebrauchtwarenhandels: Refurbed heißt der elektronische Marktplatz, den Kilian Kaminski und sein Team für Produkte betreiben, die gebraucht, aber wie neu verkauft werden. Darunter verstehen die Macher von Refurbed, dass Handys, Laptops und andere Geräte in bis zu 40 Schritten zerlegt und mit Neuteilen wieder zusammengesetzt werden. Investoren reißen sich um das Start-up. Möglicherweise schlummert hier das nächste „Einhorn“.

Diesen Monat ist es wieder passiert: Champagnerkorken ploppten, Menschen wurden Millionäre. Das Start-up Flaschenpost, an sich ein simpler Getränkelieferdienst, der einiges richtig gemacht hat, wurde für die sagenhafte Summe von einer Milliarde Euro an den Dr. Oetker-Konzern verkauft. Einer, der das ziemlich genau verfolgt hat, ist Kilian Kaminski. Der 30jährige ist einer von drei Gründungspartnern bei Refurbed. Und das ist möglicherweise das nächste „Einhorn“ im deutschsprachigen Raum. „Einhorn“ - so werden jene Jungunternehmen genannt, die die Eine-Milliarde-Euro Bewertungsgrenze knacken. Und Refurbed heißt Kaminskis Unternehmen mit Hauptsitz in Wien, das derzeit zwar noch weit von dieser Grenze entfernt ist, ihr aber rasant entgegenwächst. Refurbed ist ein simpler Gebrauchthandel für Elektrogeräte. Aber nur fast.

Smartphones für die Hälfte

Bei Kaminski und seinem Team stapelt niemand Elektrogeräte, putzt sie, schraubt sie auf und lötet sie wieder zusammen. Nein, Kaminski, ein ehemaliger Amazon-Jünger aus München hat einen Marktplatz für Smartphones, Laptops, Staubsauger E-Bikes und andere Geräte gegründet, die vom Erstbesitzer nicht mehr gebraucht, mit Neuteilen akribisch aufgearbeitet und dann mit Garantie und Rückgaberecht verkauft werden. Smartphones für die Hälfte vom Neupreis sind so schon mal zu haben. Bis zu 40 Schritte, sagt Kaminski, seien nötig, um ein Gerät wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen. Im Durchschnitt allerdings müssten nur zwei Teile ausgetauscht werden. Für jeden Verkauf über seinen elektronischen Marktplatz erhält Refurbed ein paar Prozente Provision. Seit Gründung 2017 sind so rund 100 Millionen Euro an Umsatz zusammengekommen. Gewinn? Kaminski lächelt das Lächeln aller Gründer: Nein. Es gehe um Wachstum. Alles und noch mehr wird investiert.

Der gebürtige Hamburger verbindet sein Geschäftsmodel clever mit den Anforderungen an Nachhaltigkeit. Schließlich gehört zum nachhaltigen Konsumverhalten das Second-Hand-Shopping bei Elektronikartikeln. Aus Befragungen wisse man, dass 40 Prozent der Käufer vorwiegend aus Nachhaltigkeitsgründen zuschlagen, sagt Kaminski. Smartphones werden dennoch häufig nach zwei Jahren ausgemustert. Damit wird aus seltenen Erden massenweise Elektroschrott.

Als Marktplatz will Refurbed dem entgegenwirken. So wie andere. Rebuy zum Beispiel ist groß geworden mit dem An- und Verkauf von ausgelesenen Büchern und durchgeschauten DVDs und handelt nun selbst mit aufgearbeiteten Elektronikprodukten. Auch Amazon hat so eine Plattform. Kaminski sollte sie einst für den US-Handelsriesen in Deutschland aufbauen und stellte aber nach eigenem Bekunden fest, dass es Amazon dabei an der nötigen Zielstrebigkeit mangelte. Das Unternehmen verdiene mehr am Verkauf von Neuware, die gebrauchten und wieder aufgearbeiteten Artikel habe man nur ins Programm genommen, damit Kunden auf der Suche danach nicht bei Ebay oder sonstwo landeten.

Alle Zeichen stehen auf Wachstum

Refurbed will jetzt seinen Wachstumskurs beschleunigen, denn „wir kratzen den Markt erst an“, sagt Kaminski. Dabei hilft eine kürzlich abgeschlossene Finanzierungsrunde. Risikokapitalgeber aus Finnland, Spanien und den USA steckten etwa 16 Millionen Euro in Refurbed. Damit soll es beispielsweise möglich sein, im nächsten Jahr nicht nur Smartphones und Co. zu verkaufen, sondern auch gebrauchte Artikel zur Wiederaufbereitung anzunehmen. In Deutschland wollen die Österreicher 2021 zum Marktführer werden. Corona hat dem Geschäft nochmal einen Turbo verliehen, bis zu 40 000 Produkte bringt Refurbed im Monat an den Mann oder die Frau. Und irgendwann kommt der Verkauf und das süße Leben nach dem Vorbild von Flaschenpost? Kaminski schüttelt den Kopf und dementiert, wie ein Gründer eben dementieren muss: „Wir wollen“, stellt er mit Nachdruck fest, „nicht Geld verdienen und aussteigen, sondern unsere Firma selbst erfolgreich machen.“   

oli

06.11.2020 | 09:43

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