Soll den Ruf der BaFin wiederherstellen: Mark Branson.



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Macher der Woche: Mark Branson

Ein Brite mit Schweizer Pass soll die Finanzaufsicht in Deutschland leiten. Die Besetzung signalisiert: Hier gibt es einen Neuanfang. Dem Finanzplatz Deutschland kann das nur helfen.

In der Schweiz, wo es an der Spitze der großen Unternehmen des Landes nichts Ungewöhnliches ist, wenn ein Nicht-Schweizer dort steht, kam er Quartal für Quartal nicht drumherum: Als Kommunikationschef der Großbank UBS organisierte Mark Branson die Presse- und Analystenkonferenzen. Er setzte seine Chefs ins rechte Licht. Das wurde zunehmend kompliziert, denn erste kippte das Schweizer Bankgeheimnis, was dem größten Schweizer Vermögensverwalter, eben der UBS, Kopfzerbrechen bereitete, und dann brach die Finanzkrise los und schwemmte die gesamte Führungsspitze der Großbank fort. Da war Branson allerdings schon nicht mehr in Zürich, sondern beobachtete die Misere von einiger Entfernung aus Japan, wo er die dortige Einheit der Großbank leitete. 2010 dann, die von Banken wie der UBS ausgelöste Finanzkrise kochte noch immer, kam der Rollentausch: Branson nahm auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz. Der heute 53jährige wechselte aus der Bankenwelt ins Reich der Aufseher. Und von der Schweizer Swiss Financial Market Supervisory (Finma) kommend, landet der gebürtige Brite und Weltenbürger jetzt bei einer der deutschesten Behörden, die dieses Land zu bieten hat: der Bundesanstalt für Finanzaufsicht. Im Sommer soll er dort anfangen.

Neuanfang gewünscht

Die Behörde ist vom Ungemach verfolgt, das allerdings ihre früheren Chefs selbst angerichtet haben. Sie hat im Februar 2019 nach ersten kritischen Berichten der „Financial Times“ über Wirecard Leerverkäufe auf Wirecard-Aktien untersagt, was letztlich der Schwindelfirma und ihren Managern noch länger erlaubte, ihr Machwerk zu betreiben. Die schöne Geschichte des modernen Zahlungsdienstleisters, der international erfolgreich in den Dax aufgestiegen war – das Personal der BaFin um deren Chef Felix Hufeld wollte sie nicht kaputtmachen. Damit allerdings nicht genug: Während die BaFin sich schützend vor Wirecard stellte, handelten die Mitarbeiter der Behörde munter mit Aktien des Skandalunternehmens, das sie gerade beaufsichtigten. Hufeld und seine Stellvertreterin Elisabeth Roegele schoben diesen Aktionen auch dann keinen Riegel vor, als die gesamte Wirecard-Misere längst für alle sichtbar aufgeflogen war. Ihrem obersten Dienstherren, Finanzminister Olaf Scholz, blieb am Ende nichts anderes übrig, als das Spitzenpersonal der BaFin zu feuern. Anderenfalls wäre sein eigener Stuhl wackelig geworden. Er wolle international suchen und die besten Nachfolger finden, ließ Scholz nach dem Rauswurf verlauten.

Vor diesem Hintergrund, so schrieb es diese Woche die Neue Zürcher Zeitung (NZZ)  symbolisiere die Berufung eines Bafin-Präsidenten, der mit Tätigkeiten in Zürich, London und Tokio internationale Erfahrung gesammelt hat, aber weder aus Deutschland stammt noch mit der hiesigen Finanz- oder Politikszene verbandelt sei, den nötigen Neuanfang besser als jede Nominierung eines Vertreters der deutschen Finanzwelt. Die Schweizer, die Branson nun ein wenig nachtraueren, bezeichnen ihn als unparteiischen, strikten, aber technologieneutralen und innovationsfreundlichen Aufseher. Leicht wird sein Job nicht: Branson muss jene Reform der BaFin umsetzen, die der Finanzminister angekündigt hat. Die betuliche Behörde ist Teil der deutschen Misere, die darin besteht, dass nicht mehr eine Bank von Weltrang in einer der größten Volkswirtschaften der Welt zu Hause ist. „War die Finma sein Gesellenstück, folgt für Branson nun die deutsche Meisterprüfung“, schreibt die NZZ.

Eigenständigkeit gefordert

Was der Meister will, ist Eigenständigkeit und Einfluss. Vor seiner Entscheidung von Bern nach Bonn zu gehen, habe er sich, so wurde diese Woche erzählt, erst einmal den Entwurf für das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität schicken lassen, das auch den Kurznamen Wirecard-Gesetz trägt. Branson überflog ihn, seine Fragestellung dabei: Erhält die BaFin die Kompetenzen, um machtvoll einschreiten zu können, oder bleibt sie ein Anhängsel von Bundesbank und Finanzministerium? Offenbar verspricht sich der Neue in Bonn, dass er den ersten Weg gehen kann. Um bloß wieder andere ins rechte Licht zu setzen – dafür jedenfalls wäre er gar nicht gekommen.                      

Oliver Stock


26.03.2021 | 16:06

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