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Macherin der Woche: Ellen Demuth

Norbert Röttgen, Kandidat für den Parteivorsitz der CDU hat eine neue politische Partnerin an seiner Seite: Ellen Demuth soll um diejenigen werben, denen die Partei zu alt, zu männlich und zu analog ist. Wer ist die Neue?

Natürlich, die Union hat ein Thema: Sie ist die Partei der Konservativeren, der Älteren. Derjenigen, die nicht jeden Trend, der in der Großstadt hipp ist, sofort als Kompass fürs eigene Leben nutzen. Wer die Partei modernisieren will, hat kein leichtes Spiel. Er oder sie müssen behutsam vorgehen, um nicht mehr zu verprellen, als auf der anderen Seite zu gewinnen. Norbert Röttgen, bisher Kandidat für den CDU-Parteivorsitz mit den schmalsten Aussichten zu gewinnen, hat mit Ellen Demuth jetzt eine 38jährige CDU-Landtagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz an seine Seite geholt, mit der das Kunststück gelingen soll.

Sie sei, so twitterte Röttgen nachdem er Demuths Berufung zur „Chefstrategin“ im „Spiegel“ bekannt gegeben hatte, „Weiblich, jung und digital“ und verkörpere damit alles, was die Modernisierung der CDU ausmache. Recht hat Röttgen, wenn er mit dieser Feststellung nahelegt, dass kaum einer bei der Beschreibung „weiblich, jung, digital“ an die Union denkt. Die Frage, die sich erst in einigen Monaten beantworten lässt, bleibt, ob Demuth das ändern kann.

Doch noch keine Generalsekretärin

Die Aufgabe, die Röttgen für sie vorsieht, wird in Berlin in diesen Tagen wahlweise als „luftig“ oder als „Trostpflaster“ beschrieben. Die Diplom-Betriebswirtin mit Wahlkreis in Neuwied im Westerwald soll sich um die „Vernetzung der Partei in die Gesellschaft“ kümmern und „Impulse für die Erneuerung“ der Union setzen. Eigentlich wäre ihr Posten, wenn sie im Tandem mit Röttgen antritt, der einer künftigen CDU-Generalsekretärin, doch dort sitzt mit Paul Zimiak ein zunehmend einflussreicherer Stratege, der vor der Bundestagswahl seinen Posten nicht räumen wird. Demuth selbst sah sich ursprünglich im Team von Jens Spahn, ist Mitglied in dessem informellen „Netzwerk Zukunftswerkstatt“, war aber von Spahns Schritt wenig begeistert, als Nummer zwei ins Team um den nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet einzutreten, der sich ebenfalls um den Parteivorsitz bewirbt. Von Röttgen sagt sie nun im Gleichklang mit dem, was er über sie sagt: Weiblicher, jünger und digitaler zu werden, sei genau der richtige Weg, um die CDU auch in Zukunft erfolgreich zu machen. „Wir müssen den Sprung schaffen, in allen gesellschaftlichen Gruppen auf Augenhöhe dialogfähig zu bleiben.“ Die CDU müsse sich modernisieren, um die Mitte zu bleiben. Die gleiche Beteiligung von Frauen und Männern halte sie für die wichtigste Modernisierungsaufgabe. „Klar ist: Eine Partei, in der 80 Prozent der Kreisvorsitzenden und Abgeordneten im Bundestag Männer sind, repräsentiert unsere Gesellschaft nicht mehr in ihrer Breite.“

In Sachen Digitalisierung ist Demuth bisher kaum aufgefallen. 2011 zog sie als direkt gewählte Abgeordnete in den Mainzer Landtag ein und wurde Mitglied im Medien- und Digitalausschuss. Seit diesem Jahr gehört sie auch dem Rundfunkrat an. Als 2018 die damalige Fraktionschefin Julia Klöckner nach Berlin wechselte und ein neuer Vorstand im Land gewählt wurde, landete sie nicht in der Führungsriege. Sie wurde Vorsitzende des Fraktions-Arbeitskreises Gleichstellung und Frauenförderung. Mit Röttgen, ihrem Parteikollegen, dessen politisches Heimatrevier im benachbarten Rhein-Sieg-Kreis liegt, hat sie bereits im Juni für einen Aufsatz zusammengearbeitet: „Kulturwandel reicht nicht. Wie wir enorme Leistungen von Frauen besser wertschätzen“, lautet der Titel, und es heißt darin mit Blick auf die Corona-Situation: „Es waren vor allem Frauen, die unser Land in der Krise am Laufen gehalten haben. Sie sind es, die überwiegend die Arbeiten in der häuslichen Pflege, im Krankenhaus oder an der Kasse verrichten. Sie können nicht ins Home Office. Trotz erhöhtem Ansteckungsrisiko und schlechter Bezahlung haben sie – wie selbstverständlich – weiter unsere Kranken betreut, die Alten gepflegt und uns mit Lebensmitteln versorgt.“

Röttgen und Demuth bilden damit vor allem eine Antipode zum dritten Kandidaten für den Parteivorsitz: Friedrich Merz. Er hat sich mit ungeschickten Äußerungen zu Gender-Themen angreifbar gemacht hat. Demuth mag Merz seither nicht und kritisiert ihn öffentlich für dessen Aussage, dass die Verschiebung des CDU-Parteitags ein gezieltes Manöver der Partei gewesen sei, um seinen Sieg im Kampf um den Parteivorsitz zu verhindern: „Wer derart die Nerven verliert, ist für die Führung der CDU, geschweige denn die Führung unseres Landes, nicht geeignet. Ein Ehrenmann würde sich bei der Partei entschuldigen, seinen Hut nehmen und gehen“, schrieb sie auf Twitter.

Während sich Demuth nun bundesweit zwischen Freund und Feind positioniert, war sie zuvor in ihren Ämtern in Rheinland-Pfalz weniger aufgefallen. Zu Schlagzeilen brachte sie es nur einmal, als sie einen skurrilen Engländer anging, der in einem kleinen Dorf in ihrem Wahlkreis eine Figur der Queen, zwei englische Wachsoldaten als Pappkameraden, eine rote Telefonzelle, die Jagdhütte von Robin Hood - und einen ausgemusterten britischen Kampfpanzer hinstellte. Letzteren empfand Demuth als Verhöhnung der Kriegsopfer. Ihre öffentliche Forderung nach Beseitigung des Kriegsgeräts wurde von britischer Seite, also vom Gartenbesitzer, bislang eisern ignoriert. Wäre der Mann ein Deutscher, wäre er vermutlich ein treuer CDU-Wähler – womit sich der mühsame Weg abzeichnet, zu dem Demuth jetzt aufgebrochen ist.

oli

04.12.2020 | 12:03

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