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Mitbegründerin und Executive Vice President von AmaWaterways: Kristin Karst


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Macherin der Woche: Kristin Karst

Die gebürtige Dresdnerin ist Mitbegründerin und Inhaberin einer Reederei für jene luxuriösen Flusskreuzfahrtschiffe, die Corona hin, Klimawandel her jetzt wieder auf Rhein, Mosel und Donau auf große Fahrt gehen.

Sie ist derzeit nur über eine lange Funkstrecke zu erreichen: Kristin Karst sitzt strahlend vor der Kamera ihres Laptops in Kalifornien, schwärmt in schönstem amerikanisch-deutschen Slang von Flusslandschaften mit Castles, von fresh Fisch und Cruise Direktoren, die wissen, was die Gäste wollen, bevor die es selber ahnen. Lieber wäre die gebürtige Dresdnerin gerade selbst  in Deutschland, möglichst auf dem Rhein, wo das erste ihrer Kreuzfahrtschiffe, die “Ama Kristina”, in diesen Tagen einer nur mühsam unter Kontrolle zu bringenden Epidemie wieder in See, oder besser: in den Fluss gestochen ist.

Karst ist Mitbegründerin und Executive Vice President von AmaWaterways, einem weltweiten Anbieter für Flusskreuzfahrten mit Schwerpunkt in Deutschland. 15 ihrer weltweit 25 Schiffe kreuzen Rhein, Main, Mosel und Donau hinauf und hinab. Nächstes Jahr sind es allein in Deutschland, wenn alles normal und wie geplant läuft, zwei Schiffe mehr. Aber was ist schon normal in dieser Zeit, in der erst das Thema Klimawandel Kreuzfahrer in die Stinker-Ecke drängte, und dann Corona die Schiffe zu schwimmenden Seuchenherden degradierte?

Der Wind bläst den Kreuzfahrern ins Gesicht

Die 54jährige kennt die Diskussion. Und stemmt sich ihr entgegen. Die Antworten kommen freundlich, schnell und präzise: Die Schiffe legen keine so großen Distanzen zurück, wie die Wettbewerber: Weniger Strecke, gleich weniger Verbrauch lautet die simple Rechnung. Dazu kämen sparsame Motoren, optimierter Stromverbrauch. Und was das Hygienekonzept anbelangt: Die Zahl der Gäste pro Schiff hat Karst heruntergesetzt, Atemmasken sind Pflicht, und ihr Mann Rudi, gebürtiger Österreicher, zweiter Mitgründer, Chef von AmaWaterways und im Familienunternehmen für den Schiffbau zuständig, hat schon bei der Konstruktion der Flussschiffe darauf geachtet, dass keine Klimaanlage die Luft nur umwälzt, sondern jeder Raum frisch belüftet werden kann. Von ihm stammt auch die Idee, die neueste Generation der Schiffe mit zehn kleinen Motoren auszurüsten, statt wie sonst üblich mit zwei großen. Auf die Art lässt sich genau und vor allem verbrauchseffizient regulieren, wieviel Schub gebraucht wird. „Rudi ist ein Visionär“; sagt die Familienunternehmerin. Vor 18 Jahren begannen sie zu zweit und mit einem Schiff. Die Flotte, über die sie heute verfügen – „sie ist das Ergebnis harter Arbeit“.

Aber Kristin Karst säße nicht an der Spitze einer Reederei von Traumschiffchen, wenn sie nicht den technischen Details noch erzählerische Elemente hinzufügen könnte: Wo angelegt wird, profitieren die lokalen Geschäfte vom Hunger der Gäste, denn es wird jedes Mal frisch gebunkert. „Rudi und ich lieben Fisch, aber keinen gefrorenen“, sagt Karst und weil sie glaubt, dass es ihren Gästen ebenso ergeht, haben die Reeder Lieferverträge mit den Fischern am Flussufer geschlossen. Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse kommen also täglich neu an. Bord. Weil die Zahl der Gäste auf höchstens 100 begrenzt ist, sei auch das Phänomen sich über Land ergießender Kreuzfahrerherden nicht anzutreffen. Die meisten von ihnen sind in diesen Tagen Deutsche, Amerikaner dürfen Corona-bedingt noch nicht wieder los. Wenn sie wieder nach Europa reisen, stehen die deutschen Flüsse bei ihnen hoch im Kurs inklusive eines Abstechers zu den Passionsfestspielen in Oberammergau. Karst hat sie bereits für das Jahr 2022 in ihr Tourenprogramm aufgenommen.

Das Segment kehrt zurück


Was sie in der Zwangspause gemacht habe? Die Deutsch-Amerikanerin lacht, berichtet von neuen Kochrezepten und Brot-Backversuchen mit Knoblauch, Körnern und Oliven. Und dann holt sie aus und beschreibt die Odyssee, die derzeit die gesamte Tourismusbranche erschüttert: Stornierungen und Erstattungen, Gäste aufs nächste Jahr vertrösten, Kosten runterfahren, Mitarbeiter fit fürs Homeoffice machen – und den Optimismus bewahren, was dann so klingt: Der vergangene Juni 2020 sei für das Familienunternehmen ein guter Buchungsmonat gewesen mit zahlreichen Reservierungen schon für 2021. Die besten Zimmer, die mit den beiden Balkonen, seien fast alle weg. Der Hunger nach Luxus sei ungebrochen.

Karst, deren Schiffe auch auf dem Nil und dem Mekong schippern, glaubt fest daran, dass das Segment der Flusskreuzfahrten sich für diejenigen Anbieter wieder erholt, die sich den neuen Bedingungen anpassen. Die Unternehmerin zitiert Charles Darwin: „Nicht die stärkste Spezies überlebt, und auch nicht die intelligenteste. Sondern diejenige, die am besten in der Lage ist, sich zu verändern.“                              

oli

14.08.2020 | 08:44

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