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James Bond geht auf heikle Mission

Manfred Knof wäre als Kind gern James Bond geworden. Jetzt ist der ehemalige Deutsche Bank- und Allianz Manager zum Chef der Commerzbank ernannt worden. Beide Jobs haben so ihre Herausforderungen.

„Auf heikler Mission“ müsste der James-Bond-Titel heißen, dessen Dreharbeiten jetzt beginnen. Hauptdarsteller ist Manfred Knof, der von sich selbst sagt, dass er mit 15 gerne James Bond geworden wäre. Das hat nicht geklappt. Dafür allerdings ist Knof am Wochenende zum Chef der Commerzbank ernannt worden. Und das ist ja auch schon etwas. Spannung haben jedenfalls beide Jobprofile zu bieten.

Dem promovierten Juristen eilt der Ruf eines Sanierers voraus. „Arbeite hart, spiele hart“, sei so etwas wie sein Lebensmotto gestand Knof erst vor ein paar Wochen in einem Interview. Damals war er Chef des Privatkundengeschäfts bei der Deutschen Bank, eine Aufgabe, die er vor etwas mehr als einem Jahr übernommen hatte. Zum heiklen Teil dieser Mission zählte, die Postbank auf Kurs zu bringen. Im Auftrag von Konzernchef Christian Sewing sollte er den gelben Teil der Deutschen Bank nach weiterem Sparpotenzial durchsuchen. Stellenabbau, Umzüge, Sparen standen auf dem Programm des Mannes, der den Tag um 5.30 Uhr beginnt und sich beim Hund ausführen und beim Yoga auf das konzentriert, was täglich vor ihm liegt: Komplexität managen. Knof hält das für die wichtigste Eigenschaft eines Managers.

Der 55jährige grauhaarige Mann hat das mit seinem breiten schmalen Lachen auf den Lippen oft unter Beweis gestellt. Bei der Allianz zum Beispiel - anderthalb Jahrzehnte war er bei dem Versicherungsriesen - brachte er Ländereinheiten wie das Schweizgeschäft wieder auf Spur und landete schließlich im Chefsessel des wichtigsten Ertragsbringers im Konzern: in der Deutschland-Sparte. Sein Vorgänger Markus Rieß verließ die Allianz, als nicht er, sondern Oliver Bäte Chef des Gesamtkonzerns geworden war. Mit Knof, so dachte Bäte, hätte er einen treuen Mitarbeiter auf dem entscheidenden Posten. Aber 2017 ging auch dieser Gefolgsmann. Aus gesundheitlichen Gründen hieß es damals, und tatsächlich machten Bilder von einem angeschlagen wirkenden Knof die Runde. Allerdings soll auch die Chemie mit Bäte manchmal eher giftig gewesen sein. Jedenfalls fand der zweifache Vater Knof danach bis August der Jahres 2019 etwas mehr Zeit, beispielsweise sein Lieblingsgericht Kaiserschmarrn zu verzehren. Erst dann nämlich holte ihn Sewing an seine Seite, und erst im Januar dieses Jahres teilte die Bankenaufsicht mit, dass sie den Versicherungsmanager für geeignet halte, auch eine Bank zu führen.

Das muss er nun bei der Commerzbank als Hauptverantwortlicher unter Beweis stellen. Seinen Führungsstil beschreibt Knof als das Gegenteil von Mikromanagment. Er setze nur Rahmen und vertraue auf die weiteren Fähigkeiten derjenigen, die mit ihm zusammenarbeiten. Einer von denen bescheinigt ihm „Umsetzungsstärke“, ein anderer sagte am Wochenende nur „ein guter Mann“, ohne die persönlichen Qualitäten des neuen obersten Commerzbankers näher zu beschreiben. Knof selbst sagt über sich, er sei visionär. Was das im Bankgeschäft bedeute? „Sich digitaler und kundenorientierter auszustellen“, antwortet Knof.

Beides kann er bei der Commerzbank unter Beweis stellen, wobei das, was er so liebt, die Komplexität, ihn täglich einholen wird: Niedrige Zinsen, schwierige Aktionäre, schleppende Digitalisierung, zu viele Mitarbeiter für ein immer ertragsschwächeres Geschäft und magere Gewinne haben seinen Vorgänger Zielke am Ende mürbe gemacht, und er kündigte gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden seinen Rücktritt an. Ihr Sparkurs hatte nicht den notwendigen Erfolg. Aktionäre wollten höhere Gewinne sehen, darunter nicht zuletzt der Bund als größter Einzelaktionär der Commerzbank. Knof wird den Sparkurs nun mit noch härterer Hand durchsetzen. Dabei mag er es nicht, auf seine Rolle als Sanierer gestutzt zu werden. Auf einer Führungskräftetagung der Deutschen Bank ließ Knof noch gerade einen ehemaligen Kollegen von der Allianz auftreten und genau erklären, wie sich Kundenzufriedenheit messen lasse. Auch das Thema hat er sich auf die Fahnen geschrieben.

Hans Jörg Vetter jedenfalls, der seit zwei Monaten amtierende neue Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank „freut sich“ über die Ernennung, wie es in der pflichtgemäßen Mitteilung am Wochenende hieß. Es dürfte der Wahrheit nahekommen. Denn während er Knof auf heikle Mission schickt, kann er selbst sagen: Mission erfüllt. Die Suche nach einem neuen Chef hat Vetter jedenfalls in rekordverdächtiger Zeit abgeschlossen.

Oliver Stock

27.09.2020 | 18:30

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