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Merck und Sigma Aldrich gehen jetzt zusammen - gute Prognosen für den Darmstädter Pharmakonzern

Big Deal für Merck: vor allem die Geschäfte in den USA laufen nun auf breiterer Basis. (Bild: Handelsblatt)

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Mercklich in Bewegung

Nach einem länger anhaltenden Abwärtstrend setzte die Merck-Aktie erst vor wenigen Wochen zum Turnaround an. Diese Aufbruchsstimmung wird nun durch die kostspielige, aber vielversprechende Übernahme von Sigma-Aldrich weiter befeuert. Bei dem allzu oft als „Langweiler-Aktie“ verschrienen Merck-Papier ist Schwung drin.

Gut Ding will Weile haben. Und so musste der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck lange auf die Genehmigung für die milliardenschwere Übernahme des Laborausrüster Sigma-Aldrich warten. Eigentlich sollte diese bis Mitte des Jahres in trockenen Tüchern sein, doch erst vor wenigen Tagen gab es von der EU-Kommission endlich grünes Licht für den Mega-Deal. Umgerechnet 13,1 Milliarden Euro blättern die Darmstädter für das US-Unternehmen hin. Damit wird selbst die beinahe elf Milliarden Euro teure Einverleibung des Schweizer Biotech-Konzern Serono aus dem Jahre 2007 in den Schatten gestellt, nie gab es in der fast 350 Jahre währenden Geschichte des Unternehmens einen größeren Zukauf. Nach eigenen Angaben steigt Merck durch die Übernahme zu einem der weltweit führenden Anbieter in der finanziell lukrativen Life-Science-Industrie auf, die Bereiche wie Gesundheit, Pflanzenschutz und Saatgut sowie Biotechnologie umfasst. Bislang war Life Science mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent nach dem Bereich Health Care, dessen Anteil am Unternehmenserlös etwa 56 Prozent beträgt, die zweitgrößte Cashcow für Merck. Durch Sigma könnte sich dieses Kräfteverhältnis nun verschieben. Für 2015 hat Merck den Umsatzbeitrag von Sigma-Aldrich mit 300 Millionen Euro beziffert. Der operative Ergebnisbeitrag wird aller Vorrausicht nach bei 80 bis 95 Millionen Euro liegen. Ohne den US-Konzern konnte die Life-Science-Sparte von Merck im dritten Quartal ein organisches Umsatzplus von rund acht Prozent aufweisen.

Auch abgesehen vom Deal mit Sigma-Aldrich befindet sich Merck aktuell in einer beachtlich guten Phase. Das hessische Traditionsunternehmen blickt auf ein sehr erfreuliches drittes Quartal zurück, in dem der bereinigte Betriebsgewinn um gut zehn Prozent auf 944 Millionen Euro kletterte. Mit diesem Ergebnis überraschte Merck, da Experten im Schnitt von 882 Millionen Euro ausgegangen waren. Positiv wirkte sich unter anderem die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 31 Millionen Euro aus, die für wenig erfolgversprechende Forschungsprojekte im Pharmageschäft gebildet und nicht in voller Höhe in Anspruch genommen wurden. Insgesamt stieg der Gewinn um mehr als 46 Prozent auf 364 Millionen Euro. Auch mit dem Umsatz ging es bergauf. Hierbei verzeichnete Merck ein Plus von 6,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Zwar spielte der schwache Euro den Darmstädtern dabei in die Karten. Doch auch aus eigener Kraft erreichte der Pharma-und Chemiekonzern eine dreiprozentige Steigerung. Als besonders stark erwies sich die Region Asien-Pazifik, die rund 80 Prozent des gesamten Umsatzwachstums einfahren konnte.

Aufgrund dieser erfolgreichen Entwicklung schraubt Merck-Chef Karl-Ludwig Kley die Geschäftsziele fürs Gesamtjahr 2015 nach oben. Nun erwartet er einen Umsatz von 12,6 bis 12,8 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis sieht Kley bei 3,58 bis 3,65 Milliarden Euro. Bislang war er von einem Umsatzplus in Höhe von 12,3 bis 12,5 Milliarden Euro sowie einem bereinigten Ergebnis von 3,45 bis 3,55 Milliarden Euro ausgegangen. Vergangenes Jahr beliefen sich diese Kennziffern auf 11,3 beziehungsweise 3,38 Milliarden Euro. „Unser organisches Wachstum in allen drei Unternehmensbereichen und allen Regionen zeigt, dass unsere Strategie Früchte trägt", freut sich der 64-jährige studierte Jurist. Zudem wähnt er sein Unternehmen insbesondere nach der Übernahme von Sigma-Aldrich auf einem guten Weg: „Auch für zukünftiges Wachstum sind wir sehr gut aufgestellt.“

Offenbar scheinen das die Aktionäre ähnlich zu sehen. Schließlich befindet sich das Merck-Papier wieder im Bereich der 90-Euro-Marke, was angesichts der jüngeren Vergangenheit von einer durchaus respektablen Entwicklung zeugt. Man bedenke nur, die Aktie befand sich im Frühjahr noch in einer dramatischen Abwärtsspirale, nachdem die Zahlen zum ersten Quartal für die Anleger eine große Enttäuschung darstellten. Infolgedessen verabschiedete sich der Kurs aus dem Bereich der 110-Euro-Marke, nahm eine beängstigende Eigendynamik des Niedergangs an, und baumelte Mitte Oktober auf einmal nur noch im Dunstkreis der 75-Euro-Marke. Nun herrscht also wieder Zuversicht unter den Aktionären und das Papier durchschreitet eine Phase der Aufholjagd. Die Baader Bank geht davon aus, dass diese noch nicht ihr Limit erreicht hat. Analystin Odile Rundquist gibt für Merck ein Kursziel von 96 Euro aus, und belässt ihre Einstufung auf „Hold“.

Die nächsten Kursimpulse dürfte der Kapitalmarkttag im Dezember mit Aussagen zu der Phase-III-Studie für das Krebsmittel TH-302 liefern. Auch Alexander Langhorst, Geschäftsführer bei GSC Research, sieht gute Perspektiven für Merck und bescheinigt dem Management eine sehr solide Unternehmensführung. Allerdings verweist er auf mögliche Integrationsprobleme hinsichtlich der Übernahme von Sigma-Aldrich. Dennoch birgt diese insbesondere mittel-bis langfristig erhebliches Potential für Merck, das es für die Darmstädter gilt auszuschöpfen. Als Schnäppchen kann man das Merck-Papier bei einem KGV von rund 19 allerdings nicht gerade bezeichnen. WIM

14.11.2015 | 11:59

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