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Macher der Woche: Rainer Beaujean

Rainer Beaujean ist der Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Der neue Chef von ProSiebenSat.1 braucht keine Show wie Max Conze, aber Nerven: Um den Konzern könnte sich eine Übernahmeschlacht entwickeln.

Hauptversammlungen abzuhalten ist in diesen Tagen eine ziemlich entspannte Übung: Vorstand und Aufsichtsrat gehen ins Studio, lesen ihre Reden ab, anschließend kommen einige Fragen spärlich aus dem Off – das war`s. Rainer Beaujean ist dennoch die Spannung anzumerken, als er diese Woche ans Rednerpult tritt. Für den 51jährigen, privat ein Fan von Borussia Mönchengladbach und damit durchaus auf der Sonnenseite unterwegs, ist es die öffentliche Premiere als Vorstandschef von ProSiebenSat.1. Erst vor drei Monaten hat er seinen glücklosen Vorgänger Max Conze abgelöst.

Und so steht er da: Die graue Krawatte korrekt gebunden, die Worte genau vom Teleprompter abgelesen und mit spärlichen Gesten untermalt. Gesendet wurde aus dem TV-Studio des Wissensmagazins Galileo, das seit 22 Jahren zum Stammmobiliar des Medienhauses gehört. „Es steht für Beständigkeit und Wandel zugleich“ sagte Beaujean und charakterisiert damit seine eigene Rolle. Wandel, weil er es anders machen will als sein Vorgänger, der an dieser Stelle eine Show ganz ohne Krawatte inszeniert hätte. Beständigkeit, weil er auf Infotaiment setzt, die Mischung aus Information und Unterhaltung, die er als Kern der Marke ProSiebenSat1 identifiziert hat.

Rückkehr des Lagerfeuers

Wandel statt Beständigkeit dürfte allerdings das Motto sein, das Beaujean in den nächsten Wochen häufiger managen muss, wenn er sein Büro in Unterföhring betritt. Der Sender kämpft mit Werbeeinnahmen, die im Zuge der Corona-Krise schmelzen wie ein Eiswürfel, der mit warmer Hand umklammert wird. Da hilft es wenig, dass Zuschauer wieder so ausgiebig  fernsehen, dass Beaujean den alten Ausdruck von der Lagerfeuerstimmung wiederbelebt, die einige Sendungen erzeugen können. Um rund 40 Prozent sind die klassischen TV-Werbeeinnahmen im April und Mai eingebrochen, auch für Juni registriert Beaujean keine Verbesserungen. Als Optimist und eben manchmal auch leidgeprüfter Fußballfan hofft er darauf, dass die Buchungen im zweiten Halbjahr zurückkommen. Als Realist und ehemaliger Finanzchef des Konzerns tritt er voll auf die Kostenbremse. Um 50 Millionen Euro sollen die Investitionen ins Programm im Vergleich zum Vorjahr reduziert werden. Sein Satz: „Wir analysieren über die ganze Gruppe, inwiefern wir der bestmögliche Eigentümer der einzelnen Unternehmen sind und wo wir Werte herausarbeiten können", klingt eher nach Synergiesuche und Verkaufsabsichten als nach Wachstum und Lust auf Neues.

Immerhin: Profis, die ihm zuhören, teilen auch die optimistische Sicht. Das Werbegeschäft des Fernsehkonzerns stehe zwar weiter unter Druck, schreibt  DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einer Studie zur Aktie. Allerdings hätten große Werbekunden in diesem Jahr die Buchungen nicht gestrichen, sondern verschoben. Insofern gebe es Hoffnung auf eine Belebung im zweiten Halbjahr. Und dann kommt der Satz, der Beaujean eine turbulente Zukunft vorhersagt: „Davon abgesehen ist die Branche im Umbruch und ProSiebenSat.1 könnte zum Übernahmeziel werden.“

Spielball der Investoren

Was Analysten wie Schnitzer ansprechen, ist die Tatsache, dass dem Vorstandschef drei Großinvestoren im Nacken sitzen: Der Finanzinvestor KKR hat sein Engagement wieder aufgenommen, nachdem er vor sechs  Jahren als Großinvestor ausgestiegen war. Angelockt hat den US-Großinvestor eine sich abzeichnende Übernahmeschlacht, bei der es aus Sicht einer Heuschrecke einiges zu gewinnen gibt. Die italienische Mediaset-Gruppe des Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi hält rund 24 Prozent der Anteile in Form von Aktien und Optionen. Weitere zehn Prozent hat der neue tschechische Metro-Eigentümer Daniel Kretinsky gekauft, der jetzt nach eigenen Aussagen künftig bei Strategie und Personalfragen rund um den TV-Konzern ein Wort oder manchmal auch ganze Sätze mitreden möchte.

Zahlenmensch Beaujean dürfte damit eine Zeit bevorstehen, in der nicht immer die Sachargumente in den Vordergrund geschoben werden. Er kennt solche Situationen von früheren Karrierestationen: Als Chef von T-Online musste er 2006 die Verschmelzung in die Telekom vorantreiben, als Finanzchef von Demag Cranes räumte er seinen Platz, nachdem der US.Konzern Terex die Führung übernommen hatte. Genauso war es beim Regeltechnikhersteller Elster, wo sein Gastspiel als CFO nur ein halbes Jahr dauerte, bevor Elster übernommen wurde. Der Verpackungskonzern Gerresheimer, seine letzte Station vor der „TV-Karriere“, sah ihn zuletzt als Interims-Chef, nachdem seine Vorgänger überraschend ausgestiegen war. Veränderungen, die er nicht eingeleitet hat, prägen damit seinen beruflichen Werdegang. Beaujean war ein Diener vieler Herren.
Jetzt muss der Vater von drei Söhnen zeigen, dass er der Herr im eigenen Hause ist und nicht nur Spielball unberechenbarer Großaktionäre. Das heißt allerdings nicht, dass er gegenüber den Neu-Investoren auf stur schaltet: „Zuerst muss ich wissen, was genau geplant ist. Dann schauen wir uns das an, werten das aus und sagen entweder Ja oder Nein zu einem vernünftigen Vorschlag”, beschreibt er seine Art, mit einem möglichen Übernahmeszenario umzugehen.

Oliver Stock

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12.06.2020 | 08:53

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