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Wird bei der Commerzbank als möglicher Nachfolger von Martin Zielke gehandelt: Roland Boekhout, seit einem halben Jahr Chef der Firmenkundensparte.


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Macher der Woche: Roland Boekhout, der Mann, der die Commerzbank sanieren könnte

Die einst stolze Commerzbank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Aufsichtsratschef und Vorstand treten zurück. Einer steht in den Startlöchern, um das Ruder zu übernehmen.

Wer sich hierzulande zum Mittelstand zählt, hat ein Konto bei der Commerzbank. Dieser Satz mag einmal Gültigkeit besessen haben, inzwischen ist er Vergangenheit wie der dreißigjährige Krieg oder die erste Mondlandung. Die Bank ist ein Schatten ihrer selbst: mit dem Staat, der notgedrungen als Großaktionär eingestiegen ist, mit einer Belegschaft, die vor dem nächsten Einschnitt zittert, und einem Mittelstandsgeschäft, in dem sie längst nicht so viel Geld verdient wie erwartet. Bankchef Martin Zielke fasst die Situation so zusammen: „So erkennbar die strategischen Fortschritte sind, so unbefriedigend war und ist die finanzielle Performance der Bank“, und stellt konsequent seinen Job zur Verfügung.

Einer, auf den sich nun alle Augen richten, ist Roland Boekhout, seit einem halben Jahr Chef der Firmenkundensparte der angeschlagenen Bank. Er wird neben weiteren internen und externen Kandidaten als Anwärter auf den wackligen Thron gehandelt – eine Situation, zu der ihm selbst natürlich kein Kommentar zu entlocken ist.

Der 56jährige gebürtige Südafrikaner, der in den Niederlanden seine Karriere begonnen hat, besitzt das, was einer Generation in Deutschland als „Rudi-Carell-Bonus“ vertraut ist: der weltoffene, unaufgeregte Charme, mit denen Holländer im großen Nachbarland punkten, schon wenn sie zu sprechen beginnen. Die deutsche Mutter hat dazu beigetragen, dass die Sprachkenntnisse des welterfahrenen Managers hervorragend sind. In Frankfurt bewegt sich Boekhout so, als sei es seine zweite Heimat. Er wechselte 2010 als Deutschlandchef der niederländischen ING Bank hierher. Seine Bilanz, als er 2017 wieder zurück nach Amsterdam kehrte und in den Vorstand der ING rückte, liest sich so: Die ING ist in Deutschland bei digital affinen Privatkunden zur führenden Bank geworden.  Und die erst 2011 bei der ING Deutschland gestartete Firmenkundensparte hatte 2018 bereits ein Drittel zum Jahresgewinn von 1280 Millionen Euro vor Steuern beigetragen. Der unkomplizierte holländische Nachbar hatte ganze Arbeit geleistet.

Ganz anders entwickelte sich das Firmenkundengeschäft der Commerzbank. Es war einmal die Ertragsperle – eben in jener Zeit, als fast jeder Mittelständler dort sein Konto hatte. Die Commerzbank war Marktführer, entsprechend stark allerdings spürte sie in der Sparte die Auswirkungen von Niedrigzinsen und geringen Kreditmargen. Dazu kam ein zweifelhafter strategischer Schwenk: Die Firmenkundensparte wurde unter Vorstand Zielke mit dem kleinere Investmentbanking verschmolzen. In Sachen Digitalität hatte die kleinere Tochter Comdirect das Mutterschiff längst überholt, weswegen Zielke im vergangenen Jahr die Fusion beider Institute ankündigte. Sie ist bis heute nicht abgeschlossen und führt intern zu Verwerfungen: Die einen – bei der Commerzbank – fürchten überholt zu werden, die anderen – bei der Comdirect – sehen die Gefahr, ihre Wendigkeit zu verlieren. Diese Entwicklungen bei der Commerzbank sind es, die den nach dem Staat zweitgrößten Aktionär Cerberus den Geduldsfaden haben reißen lassen. Er beklagte sich mehrmals über die mangelnde Profitabilität der Bank und zwang Zielke und auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann zum Aufgeben.

Nun also richten sich die Augen auf den Mann, der in Frankfurt das Krawatten tragen aus der Mode brachte, als es noch zur Standardkluft der Banker gehörte: Boekhout. Dass er vor einem halben Jahr aus dem Vorstand in Amsterdam an die Spitze einer Sparte der Commerzbank in Frankfurt gewechselt war, ließ ahnen, dass er mehr vorhat.  Dazu kommt eine pikante Verbindung: Sein früherer Arbeitgeber ING hatte sich offiziell als Käufer der Commerzbank angeboten, ein CEO namens Boekhout könnte diese im vergangenen Jahr gescheiterte Beziehung wieder aufwärmen.

Und was denkt er selbst? Er dürfte die Dinge laufen lassen - solange sie auf ihn zulaufen. Bewerben kann er sich derzeit sowieso nicht, weil über seine Berufung der Aufsichtsrat entscheiden müsste, der dummerweise genauso vor offenen Führungsfragen steht, wie die Bank selbst. Schmittmann hat seinen Abgang zum 3. August angekündigt. Im Aufsichtsrat sitzt Jutta Dönges neben Schmittmann als Vertreterin des Bundes und damit größten Aktionärs. Sie dürfte derzeit fieberhaft nach einem Nachfolger für ihren Vorsitzenden fahnden, der das Handtuch geworfen hat. Erst wenn er gefunden ist, könnte Boekhout zum Zuge kommen, wobei er sich dann eben gegenüber möglichen internen und externen Kandidaten durchsetzen müsste. Um dieses Rennen zu gewinnen, hat er allerdings die besten Voraussetzungen.

Oliver Stock

10.07.2020 | 11:24

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