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Vorstandsvorsitzender und größter Einzelaktionär der Sixt SE: Erich Sixt

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Sixt ist besser als Uber

Der deutsche Autovermieter meldet sensationelle Zahlen. Erich Sixt treibt Expansionskurs zum Weltmarktführer voran. Und frotzelt über den US-Konzern Uber. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis des Parade-Mittelständlers?


Der Sixt-Konzern rast auf dem Weltmarkt von einem Erfolg zum nächsten. Nach dem besten jemals erzielten operativen Ergebnis in einem Quartal hat der Sixt-Konzern in den ersten neun Monaten 2018 bereits das gesamte Jahresergebnis 2017 übertroffen, selbst wenn man den Sonderertrag aus dem Verkauf der Anteile an DriveNow nicht einrechnet. Inklusive dieses Einmalertrags weist der internationale Mobilitätsdienstleister für den Zeitraum Januar bis September 2018 mit einem Konzernergebnis vor Steuern von 481,6 Millionen Euro fast eine halbe Milliarde Euro Gewinn aus.

Der hochgelobte Konkurrent Uber aus Amerika meldet dagegen allein im dritten Quartal einen gigantischen Verlust von 1,07 Milliarden US-Dollar. Der kalifornische Fahrdienstvermittler hatte in dem von Skandalen, Führungschaos und Rechtskonflikten geprägten Geschäftsjahr 2017 bereits einen hohen Verlust von 4,5 Milliarden US-Dollar erlitten. Da Sixt und Uber zusehends Konkurrenten werden, werden die Bilanzen gern verglichen – mit deutlich besserem Ende für die Deutschen.

Vorstandsvorsitzender Erich Sixt jubelt: „Sixt wächst auf breiter Front, in allen Kundengruppen, vor allem im Ausland, aber weiterhin auch in Deutschland. Das stimmt uns zuversichtlich.“ Tatsächlich verblüfft der Autovermieter selbst optimistische Analysten. In den ersten neun Monaten 2018 nahm der Konzernumsatz um 13,3 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro zu. Die operativen Umsatzerlöse im Geschäftsbereich Autovermietung verzeichneten ein Wachstum von 15,2 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Wie schon in den Vorjahren war das Auslandsgeschäft mit einem Umsatzplus von 22,8 Prozent auf 951,2 Millionen Euro der wichtigste Wachstumsträger, wobei fast alle Auslandsgesellschaften klar zweistellige Zuwachsraten zeigten und entsprechend Marktanteile gewannen.

Sixt profitierte dabei von der starken Ausrichtung auf Privatkunden und Touristen in wichtigen Urlaubsländern wie Spanien, Frankreich, Italien und den USA. Der Umsatzanteil des Auslands im Vermietgeschäft nahm in der Folge um 3,6 Pro- zentpunkte auf 58,5 Prozent zu. In Deutschland verzeichnete Sixt ein Wachstum des operativen Vermietumsatzes von 5,9 Prozent auf 673,7 Millionen Euro. Sixt steuerte von Januar bis September 2018 rund 200 300 Fahrzeuge (Vergleichszahl 2017: circa 181 100 Fahrzeuge) mit einem Gesamtwert von 5,47 Milliarden Euro (2017: 4,86 Milliarden Euro) in die Vermiet- und Leasingflotten ein. Das entspricht einem Zuwachs von 10,6 Prozent bei der Fahrzeuganzahl und 12,7 Prozent beim Investitionsvolumen. Trotz der deutlich erhöhten Nachfrage und des kräftigen Umsatzwachstums hielt Sixt somit an einer vorsichtigen Flottenpolitik fest; zugleich konnte die Auslastung der Vermietflotte weiter erhöht werden.

Woche für Woche wird die Sixt-Flotte größer, Monat für Monat werden neue Vermietstationen eröffnet, global spannt sich ein immer dichteres Netz. Aus dem Münchner Mittelständler ist erst der Marktführer in Deutschland und dann ein Global Player mit mehr als 7 000 Mitarbeitern weltweit geworden. Sixt nutzt geschickt die guten Kontakte zur deutschen Autoindustrie und deren Reputation. Inzwischen fährt die weltweit größte mobile Fahrzeugflotte mit mehr als 200 000 Autos in über 110 Ländern umher. In den Ländern ganz Westeuropas und in den USA bestehen eigene Tochtergesellschaften, in anderen Ländern arbeitet man mit Franchisepartnern zusammen. Darüber hinaus betreibt Sixt ein Leasinggeschäft, betreut Fuhrparks von Unternehmen, handelt mit Autos und entwickelt laufend neue Produkte wie eine Flatrate für Vielfahrer. Auch der Aktienkurs hat sich binnen vier Jahren vervierfacht. Dass das Unternehmen an die Börse gegangen sei, habe den globalen Erfolg erst ermöglicht, meint Erich Sixt. Er kann sich noch gut an die Situation im Jahr 1986 erinnern. „Ich musste entscheiden: Bleibe ich ein kleiner Mittelständler mit der totalen Freiheit? Oder verfolge ich mit fremdem Kapital ehrgeizigere Ziele?“ Er hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. „Ich habe das nie bereut. Ohne den Kapitalmarkt wären wir nicht dort, wo wir heute stehen“, sagt Sixt.

Ungewohnte Transparenz

Die Einnahmen aus dem Börsengang investierte er komplett ins Unternehmen, das er noch heute als Mehrheitsaktionär kontrolliert. Dabei fiel ihm der Schritt an den Kapitalmarkt nicht leicht. „Ich habe mich gequält wie ein Hund, bis ich mich zur Entscheidung durchgerungen habe, an die Börse zu gehen“, sagte er in einem früheren Interview. „Ich war es nicht gewohnt, Zahlen offenzulegen oder mich den Regeln des Aktiengesetzes zu unterwerfen.“ Die neue Transparenz, die stärkere Kontrolle, die Rechtfertigung vor Aktionären und bedeutend jüngeren Analysten: Sixt hatte Bedenken. Doch es hat sich gelohnt. Regine und Erich Sixt, Inhaber- und Führungsduo des Autovermieters, schufen aus einem kleinen Fuhrunternehmen gemeinsam einen Weltmarktführer.

Zum Erfolgsgeheimnis gehört auch eine systematische Arbeit an der eigenen Marke. Vor 35 Jahren wollte Sixt aus dem Einheitsbrei der Autovermieter ausbrechen und startete ein mutiges Werbekonzept. Zusammen mit Jung von Matt wagte der Autovermieter eine Marketingoffensive mit der Kernbotschaft „First-class fahren, Economy zahlen“. Das markante orange-schwarze Design und der humorvolle, teils provokante Einsatz von Prominenten und Politikern schrieben seitdem Werbegeschichte.

So dienten unter anderem Angela Merkel, Heino, Matthias Reim oder GLD-Chef Claus Weselsky sowie zuletzt Horst Seehofer und Alexander Gauland als zum Teil unfreiwillige Testimonials. Und das mit großem Erfolg: „Die Zahlen belegen, dass diese Kampagne nicht nur unterhaltsam, sondern mit Blick auf Erlöse und Marktanteil auch für Sixt nachweislich sehr erfolgreich war“, lobt die Jury der deutschen Werbebranche und hat Sixt soeben mit dem GWA Grand Effie 2018 ausgezeichnet. Wenn es einmal läuft, dann läuft es.
 

25.01.2019 | 10:20

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