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Umsatzanstieg und Beschäftigungsrekord

Mehr Umsatz, mehr Investitionen, mehr Jobs: Deutsche Mittelständler zeigen laut einer aktuellen KfW-Studie eine sehr gute Performance. Als Arbeitgeber werden sie immer bedeutsamer für die Wirtschaft. Doch es gibt auch Schwachpunkte

Der deutsche Mittelstand strotzt vor Kraft. Als Arbeitgeber haben die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nochmals an Bedeutung gewonnen. Ein neuer Beschäftigungsrekord wird erreicht und der nächste ist in Sicht. DasKfW-Mittelstandspanel2018 meldet ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4,7 Prozent und damit den größten Anstieg seit sechs Jahren. Die aggregierten Inlandsumsätze liegen gegenwärtig bei etwa 4.150 Milliarden Euro und damit rund 190 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert.

Auch die Eigenfinanzierungskraft der mittelständischen Unternehmen erreicht eine Rekordmarke: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote lag im Jahr 2017 bei 31,2 Prozent (2016: 30,0 Prozent). Der Mittelstand zeigt sich auch für die kommenden Jahre optimistisch: Bis zum Jahr 2020 rechnen deutlich mehr KMU mit steigenden Umsätzen (34 Prozent) als mit sinkenden Umsätzen (16 Prozent).

Ende 2017 waren 31,3 Millionen Personen in KMU erwerbstätig, ein Zuwachs von 418.000 beziehungsweise 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Mittelstand bleibt auch in Zukunft Motor des Arbeitsmarkts: 15 Prozent der KMU wollen ihre Mitarbeiterzahl im laufenden Jahr erhöhen, rund 10 Prozent planen, die Belegschaft zu reduzieren.

Ein wiedererstarktes Standbein des Mittelstands ist das Auslandsgeschäft: 21 Prozent der Unternehmen haben Umsätze im Ausland erzielt, das Volumen betrug 577 Milliarden Euro (plus 30 Milliarden Euro). Insgesamt lag der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz im Mittelstand bei 28,6 Prozent. Der Zuwachs wurde nahezu vollständig von großen Mittelständlern (mehr als 50 000 Beschäftigte) sowie Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes getragen und ist auf eine Trendwende auf außereuropäischen Absatzmärkten zurückzuführen. Nachdem die Umsätze dort seit 2012 kontinuierlich gefallen waren, stiegen sie 2017 von 161 auf 186 Milliarden Euro. Das Europageschäft konnte seinen Aufwärtstrend der vergangenen Jahre hingegen nicht fortsetzen und ging um 2 Milliarden Euro auf 371 Milliarden Euro zurück, der europäische Anteil am Auslandsumsatz sank von 68 auf 64 Prozent.

Die Investitionen im Mittelstand haben im Jahr 2017 erneut angezogen und erreichen ein Gesamtvolumen von 211 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent). Der Anstieg ist vor allem auf Investitionen in neue Anlagen und Bauten zurückzuführen, die mit 176 Milliarden Euro (plus 4 Prozent) den höchsten Wert seit 2004 erreicht haben. Allerdings verteilen sich die Investitionen auf weniger Unternehmen: Nur noch 38 Prozent der KMU haben Investitionen getätigt (minus 4 Prozentpunkte), die durchschnittliche Investitionshöhe ist um 14 Prozent auf 150.000 Euro gestiegen.

Etwas Wasser gießen die KfW- Volkswirte allerdings in den Wein: Trotz Wachstums auf breiter Front komme die Profitabilitat im Mittelstand nicht vom Fleck. Zum ersten Mal seit acht Jahren sei 2017 die durchschnittliche Umsatzrendite – also der prozentuale Anteil des Gewinns am Umsatz – gesunken. Das liege zum Teil auch daran, dass neue Jobs vor allem im Dienstleistungsbereich entstanden seien, in dem die Produktivität im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe ohnehin tendenziell niedriger sei, erklart KfW-Chefvolkswirt Jorg Zeuner.

Zeuner warnt trotz hoher Umsatzzuwächse und Eigenkapitalausstattung vor Selbstzufriedenheit: „Die hohe Eigenkapitalausstattung der Unternehmen ist zwar einerseits ein Signal der Stärke, andererseits hinterlässt sie im Lichte der sinkenden Zahl an Investoren einen faden Beigeschmack“, meint der Chefvolkswirt. „Mir wäre es lieber, wenn mehr Unternehmen einen größeren Teil ihrer Gewinne für Innovationen, Digitalisierungsmaßnahmen, neue Geschäftsmodelle oder einen verbesserten Ressourceneinsatz einsetzen würden. Der Mittelstand muss seine Produktivität gespeist aus Fortschritt wieder mehr in den Blick nehmen. Der steigende Aufwand für Löhne und Ressourcen erfordert das, will der Mittelstand seine Profitabilität erhalten.“

14.12.2018 | 14:48

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