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Macher der Woche: Thomas Fox

Thomas Fox ist von Beruf Sanierer. Sein wichtigstes Werkzeug ist: Vertrauen zu schaffen. Derzeit befindet sich sein Schreibtisch beim Herrenausstatter SØR. Ihm steht ein heißer Herbst bevor.

Nach so einen wie ihn wird man in den nächsten Wochen und Monaten häufiger rufen: Einen Feuerwehrmann für Unternehmen in Not, der kommt, um zu löschen, der ein Auge dafür hat, was sich zu erhalten lohnt, der rettet, was zu retten ist. Immerhin droht nach dem coronabedingten Lockdown eine Pleitewelle über Deutschland und Europa zu schwappen, und da braucht es Spezialisten.

Thomas Fox, Jahrgang 1957, Spezialität: Unternehmen in Krisensituationen zu helfen. Der Verkauf der Drogeriekette „Ihr Platz“ war so etwas wie sein Gesellenstück; beim westfälischen Möbelhersteller Schieder steuerte die Auslandstochter IMS mit 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfolgreich durch die Insolvenz. Sein Meisterstück lieferte er als CEO der Kaufhaus-Kette Karstadt ab. Bevor damals Nicolas Berggruen als Investor keine glückliche Hand bewies ud lange bevor Renè Benko wie ein Glückritter um die Kurve kam, hatte Fox dafür gesorgt, dass die Belegschaft wieder Vertrauen in die Führung fasste und sich die Zahlen in die richtige Richtung bewegten.

Geschäftsführer über Nacht verschwunden

Es liegt in der Natur der Sache, dass Fox sich bei seinen Einsätzen praktisch ohne Vorbereitung auf vollkommen unbekanntes und nicht selten vermintes Terrain begibt. Als der umgänglich-handfeste Manager etwa zum Löschen bei der internationalen Möbel Selection (IMS) gerufen wurde, traf er auf durchwegs verunsicherte und orientierungslose Angestellte, da sämtliche Geschäftsführer und Prokuristen sich von ihren Funktionen selbst entbunden und das Tochterunternehmen des schwer angeschlagenen Möbelkonzerns Schieder über Nacht verlassen hatten.

„Die drei wichtigsten Sanierungsinstrumente sind Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation“, meint Fox. Hier unterscheidet er sich ganz wesentlich von vielen Restrukturierungs- und Sanierungsberatern, die Unternehmen mit standardisierten Konzepten überziehen, welche die unverwechselbaren Elemente einer Firma nicht berücksichtigen. „Essenziell ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder ihr Selbstvertrauen und Vertrauen in die Geschäftsführung zurückgewinnen“, betont Fox. IMS sei kein Einzelfall gewesen. Oft werden die Belegschaft, aber auch Lieferanten, Kunden und Partner schleichend von den Informationen zum Unternehmen abgekoppelt oder mit falschen Erfolgsmeldungen eingedeckt.

„Vertrauen gewinnen Sie nur mit Wahrhaftigkeit - oder nennen Sie es mit direkter Ansage -, auch wenn die Wahrheiten unangenehm sind. Vertrauen schlägt Power Point“, bringt Thomas Fox es auf den Punkt. Das kommt im Betrieb durchwegs gut an, während das angestammte Management bisweilen oft eher reserviert reagiert. „Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung ist das Vertrauen aller Beteiligten“, ist Fox überzeugt.

Notarzt statt Schönheitschirurg

Seine Vorgehensweise hat der Manager, der ein Freund bildhafter Sprache ist, einmal so beschrieben: „Ich bin kein Schönheitschirurg, ich bin der Notarzt.“ Er sehe seine Aufgabe darin, durch Vertrauensaufbau die Selbstheilungskräfte eines Unternehmens zu aktivieren, auch wenn dafür harte Schnitte nötig seien. Bei IMS etwa hat Fox über Tage und Wochen Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt, bis sie wieder an die Zukunft des Unternehmens glaubten und Verantwortung übernahmen. Nach weniger als einem Jahr hat IMS die Intensivpflege unter der Regie des Notarztes Fox verlassen und als einziges bedeutendes Unternehmen des einst größten Möbelherstellers Europas überlebt. Heute ist IMS wieder erfolgreich im internationalen Geschäft.

Seit einem Jahr sitzt Fox im westfälischen Oelde in der Geschäftsführung des Luxusanbieters für Herren- und Damenmode SØR. Auch dort geht es um Restrukturierung und Sanierung, auch dort könnte es sein, dass sich ein Investor langfristig engagiert, weil der Krisenmanager die Gläubiger zum Innehalten und das Geschäft auf Vordermann gebracht hat. Corona allerdings zwingt das Unternehmen schon heute, vollkommen auf eigenen Füssen zu stehen und die Ergebnisse beweisen, dass Fox‘ Einsatz nicht vergeblich war. Das Unternehmen gewinnt zunehmend wieder an Statur. Wann sich auch im Fall der Nobel-Marke für den gutverdienenden Herren und die betuchte Dame ein Ausgang für Helden findet, ist im Moment noch ungewiss. „Im Handel fahren derzeit alle auf Sicht“, sagt Fox.

Pullover im Banktresor

Die letzten Monate waren gefüllt mit Verhandlungen mit Gläubigern. Im Fall von SØR sind das eine zweistellige Zahl von Banken, denen Fox schnell klarmachte, dass sie als Sicherheit Pullover im Tresor liegen haben. Vor die Alternative gestellt, Kleider am Schalter zu verkaufen oder bis auf weiteres stillzuhalten, entschieden sich die Banken für die zweite Variante und gaben der Sanierung damit wertvolle Zeit. „Erfolg“, sagt Fox, „ist eine Frage der Führung und des Vertrauens.“ Transparenz gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzustellen, die Lage ungeschönt, aber nicht hoffnungslos zu beschreiben – darin liegen die Stärken des Sanierers, der, wenn er gerade nicht im Hauptberuf zum Löscheinsatz eilt, Geschäftsführer der Berliner Beratungsgesellschaft Modalis ist.

Am Auftrag für SØR habe ihn die Einmaligkeit des Konzepts gereizt: Auf kleiner Fläche bietet SØR von Sylt bis Garmisch, aber auch in der tiefen Provinz genauso wie an Flughäfen Luxus-Mode an. Die Läden sehen seiner Wahrnehmung nach aus „wie Wohnzimmer“. Da gingen auch solche Kunden gern hinein, „für die der Klamottenkauf im Ranking der unangenehmen Dinge gleich nach der Wurzelbehandlung kommt“. Professionell klingt seine Analyse so: SØR versuche ein standardisiertes Konzept möglichst individuell auf die Fläche zu bringen.

Ob er sich auf einen heißen Herbst einstellt? Immerhin gebe es das Konjunkturpaket, sagt Fox. „Der Staat schießt Geld ins System, damit die Menschen friedlich bleiben“, ist seine Erklärung für finanzielle Hilfen in einer Größenordnung, „dass ich sie nicht mehr erfassen kann“. Aber solange es den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern hilft, sind sie nicht vergebens.

Oliver Stock



19.06.2020 | 12:36

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