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Wann wird mein Dienstwagen elektrisch?

Wer in Deutschland einen Dienstwagen fährt, fährt meistens einen Diesel. Doch das ändert sich gerade. Die Fuhrparkmanager großer Firmen rechnen durch, was es kostet die Firmenflotte umzustellen.

Von Oliver Götz / WirtschaftsKurier

Das E-Auto hat in Deutschland Vorfahrt. Es ist gut fürs Image, das eigene Umweltgewissen – und nicht immer, aber immer öfter auch für das Portemonnaie. Und so kommt es, dass auf einmal zahlreiche Firmen damit beginnen, ihre Fuhrparks umzustellen. Aus Diesel wird plötzlich Batterie.

Für die Klima-Bemühungen des Landes kann das Signalwirkung haben. Schließlich fahren hierzulande 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter als Flottenfahrzeuge herum. Aber hat das auch in der Breite Zukunft? Noch ist der Anteil der Unternehmen, die konsequent auf E-Mobilität setzen, gering. Vier Prozent waren es 2020, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ermittelt. Die Diesel-Quote lag noch immer bei 80 Prozent. Doch die Tendenz folgt der des Gesamtmarktes, auf dem das E-Auto zunehmend bei der Masse ankommt.

Im Pandemie-Jahr 2020 wurden mehr als dreimal so viele Stromer zugelassen wie 2019: 194.163 an der Zahl. Wie viel dieser Anstieg wert ist, zeigt ein Blick auf die Zulassungszahlen insgesamt, die währenddessen um fast 20 Prozent zurückgingen. Für dieses Jahr erwarten Experten neue Rekorde. Der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) Stefan Bratzel spricht schon von einer „Zeitenwende“. Das betrifft Privatleute wie Unternehmen. „Das Thema alternative Antriebe ist in den Fuhrparks angekommen und wird auch ernsthaft verfolgt“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, Axel Schäfer. „Es gibt die klare Tendenz, dass das Thema oben auf der Liste steht.“

Aber lohnt sich das wirklich? Oder ist das der Marketing-Gag von ein paar wenigen, die zwar mehr werden, aber in der Masse von 1,6 Millionen Unternehmensflotten, die es in Deutschland gibt, trotzdem untergehen? Wann macht die Umstellung auf den Stromer Sinn? Privat Tesla fahren ist eine Sache, aber einen ganzen Fuhrpark zu elektrifizieren, da braucht es schon einen mutigen Griff ans Firmenlenkrad. Wie groß muss der Vorteil am Ende sein, damit die Nachteile möglichst klein bleiben?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Auf die Größe des Fuhrparks, die Nutzungsart, die Unternehmensphilosophie. So kann sich das E-Auto bei kleineren Flotten, die hauptsächlich in der Stadt unterwegs sind und beispielsweise über ein Sharing-Konzept genutzt werden, inzwischen als wirtschaftlicher erweisen als der Verbrenner. Das zumindest legen die Forschungsprojekte „Shared E-Fleet“ und „EMS“ nahe, die unter den genannten Umständen hohe Laufleistungen festgestellt haben. Überhaupt sind viele E-Auto-Batterien inzwischen spürbar leistungsfähiger geworden. Heute verbaute Akkus müssten nach etwa 1000 Ladevorgängen ausgewechselt werden, heißt es beim Fuhrparksoftware-Anbieter Carano. „Die höhere Leistungsfähigkeit der Batterien wirkt sich auch auf eine größere Reichweite und die Lebensdauer des Fahrzeugs aus. Denn eine leistungsfähigere Batterie muss seltener geladen werden, altert somit langsamer und verfügt länger über mehr Reichweitenpuffer.“ Darüber hinaus seien E-Autos um bis zu 35 Prozent weniger wartungsintensiv als Verbrenner. Viele reparaturintensive Bauteile, wie beispielsweise das Getriebe, der Katalysator oder die Lichtmaschine, fallen weg. Je länger das E-Auto läuft, desto mehr macht sich das bezahlbar. Und nach zehn Jahren entfällt sogar die Kfz-Steuer. Aktuell kommen als Pluspunkte die staatlichen Förderungen und Steuervorteile obendrauf. Bis zu 9000 Euro gibt es im Moment beim Kauf eines Elektroautos vom Bund dazu.

„Aufgrund der hohen Subventionsbereitschaft des Bundes hat es nie bessere Bedingungen für den Umstieg gegeben“, sagte Roland Meyer, Geschäftsführer des Leasing- und Fuhrparkmanagement-Anbieters Leaseplan Deutschland, dem Handelsblatt. Zudem würden die Anschaffungskosten im Allgemeinen nur noch geringfügig über denen von Verbrennern liegen. Mitarbeiter kommen überdies in den Genuss von Steuervorteilen. Liegt der Bruttolistenpreis des E-Autos unter 60.000 Euro, müssen nur noch 0,25 Prozent davon als geldwerter Vorteil versteuert werden. Bei teureren Modellen ist es mit 0,5 Prozent immer noch deutlich weniger als bei Verbrennern. Hinzu kommt: Strom ist günstiger als Benzin oder Diesel. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sparen also Kilometerkosten ein.

Die Nachteile tauchen vor allem dann auf, wenn es um personenbezogene Dienstwagen geht, die unter Umständen vollkommen unterschiedliche Strecken zurücklegen müssen. Noch immer ist des E-Autos größte Schwäche die Überwindung großer Distanzen. Hier kann es mit der Wirtschaftlichkeit schnell vorbei sein. Die Batterie hält oft nur im Herstellerprospekt lange Fahrten durch. Überdies fehlt es in Deutschland an einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Gerade, wenn es mal schnell und spontan gehen muss, kann das E-Auto hierzulande zum Mobilitätshindernis werden. Je nach Größe des Fuhrparks ist eine Umstellung trotz staatlicher Subventionen zunächst auch teuer. Kleinere Betriebe mit geringem Liquiditätspolster und vergleichsweise großem Fuhrpark können vielleicht gar nicht umstellen, auch wenn sich das langfristig irgendwann lohnen würde.

E-Pioniere aus der Wirtschaft

Dennoch nimmt die Zahl derer, die vorangehen, zu. Im Großen wie im Kleinen. Der französische Kosmetik-Konzern L’Oréal will bis 2023 seinen deutschen Fuhrpark komplett elektrifizieren. Aktuell fahren bereits 650 Fahrzeuge elektrisch, was einem Anteil von rund 15 Prozent an der gesamten Flotte entspricht.

Ähnlich ambitionierte Ziele hat auch der Münchner Mittelständler in-tech. Der Softwareanbieter will ebenfalls seinen gesamten Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen. „Dies bedeutet, dass wir bei Neubestellungen von Fahrzeugen nur noch auf reine E-Autos setzen, dies schließt auch Hybridfahrzeuge aus. Inbegriffen sind dabei sowohl Pool-Fahrzeuge als auch persönliche Firmenwagen“, sagt Geschäftsführer Tobias Wagner. Auftanken können Mitarbeiter kostenlos an den firmeneigenen Ladestationen – sogar den Privat-Pkw. „Damit die Fahrer eines persönlichen Firmenwagens auch zu Hause laden können, stellen wir jeweils eine kostenfreie E-Wallbox zur Verfügung“, so Wagner weiter. Als Unternehmen macht man sich so unter Umständen sowohl bei den eigenen Mitarbeitern als auch zeitgleich bei den Kunden attraktiv. Schließlich geht es ja auch immer um das eigene Firmen-Image. Und das profitiert so gut wie immer davon, wenn ein Unternehmen fortschrittsbegeistert und innovationsfreudig daherkommt. Besonders in diesen Zeiten, in denen Digitalisierung und Klimawandel einen wahren Green-Tech-Hype losgetreten haben, der in den kommenden Jahren eher an Fahrt gewinnt, als verliert. Das E-Auto dürfte in Deutschland deshalb auf dem Vormarsch bleiben – und Fuhrparkmanager müssen es zunehmend in ihren Überlegungen einkalkulieren.

22.04.2021 | 11:49

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