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Weniger Chefinnen im Mittelstand

Bei Deutschlands Mittelständlern gibt es trotz gegenteiliger Ankündigungen immer weniger weibliches Führungspersonal. Deutschland fällt auch im internationalen Vergleich zurück.
Eine große KfW-Studie bringt überraschende Erkenntnisse

Der Anteil der Mittelständler in Deutschland mit einer Frau an der Spitze des Unternehmens ist weiter gesunken. Im Jahr 2017 wurde nur gut jede sechste mittelständische Firma (15,4 Prozent) von einer Frau geführt, ergab eine in Frankfurt veröffentlichte Studie der Förderbank KfW. Ein Jahr zuvor war bei 16,4 Prozent der rund 3,7 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen eine Chefin am Ruder, im Rekordjahr 2013 lag der Anteil gar bei gut 19 Prozent. Die Zahl der von Frauen geführten Mittelständler sank damit binnen fünf Jahren um 100 000 auf 580 000 Unternehmen.

Ein Grund für den Rückgang sei der sinkende Frauenanteil unter Existenzgründern, hieß es. 2017 hätten lediglich 206 000 Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Das liege auch am boomenden Arbeitsmarkt: Eine Erwerbstätigkeit sei für immer mehr Frauen attraktiv, Karriereentscheidungen fielen zunehmend gegen Selbstständigkeit aus.

„Beim Thema Frauen in Führungspositionen hinkt Deutschland hinterher“, kritisierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Nicht nur die Chefsessel im Mittelstand sind wieder zunehmend männlich besetzt, auch im mittleren und höheren Management in der Wirtschaft gibt es im internationalen Maßstab deutlichen Nachholbedarf.“

So seien in Deutschland lediglich gut ein Viertel (28 Prozent) der mittleren und höheren Führungspositionen von Frauen besetzt und damit weniger als im EU-Schnitt (31 Prozent). Länder wie Schweden oder die USA kämen auf rund 40 Prozent. Selbst in Schwellenländern wie Russland, Brasilien oder Mexiko ist der Anteil von Frauen im Management deutlich höher als hierzulande.

Tendenziell gilt: Je höher die Führungsebene und je größer das Unternehmen, desto geringer der Frauenanteil. Von den größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland hatte im vergangenen Jahr kein einziges einen weiblichen CEO. „Wie stark Frauen im Management vertreten sind, hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab“, erklärte Zeuner. Deutschland habe dabei viel auf den Weg gebracht, „aber es ist noch Luft nach oben.“

 Viele Inhaberinnen mit Uni-Abschluss

Die Akademisierung der weiblichen Inhaber nimmt zu: Fast die Hälfte der Frauen unter den Inhabern mittelständischer Unternehmen verfügt aktuell über einen tertiären Bildungsabschluss. Bei den Männern sind es etwas weniger. Dabei ist der Anteil der Chefinnen mit einem Hochschulabschluss in den vergangenen vier Jahren relativ stark gestiegen, bei den männlichen Unternehmenslenkern dagegen etwas zurückgegangen.

Über einen Meisterbeziehungsweise Technikerabschluss verfügen männliche Inhaber weitaus häufiger als Frauen. Der Unterschied ist in den vergangenen vier Jahren nochmals angewachsen. Im Jahr 2017 haben nur noch elf Prozent der Inhaberinnen einen solchen Abschluss, im Gegensatz zu 28 Prozent bei den Männern.

Vor allem die für Frauen sehr guten Arbeitsmarktaussichten führen häufiger zur Entscheidung gegen eine unternehmerische Selbstständigkeit. Die sinkende Gründungstätigkeit von Frauen bremst dann auch den Frauenanteil in den Chefetagen mittelständischer Unternehmen aus.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat seit der Jahrtausende stark zugenommen: Zwischen 2000 und 2017 ist die Erwerbstätigenquote von 61 auf 75 Prozent gestiegen. Die Lücke in der Erwerbstätigenquote zwischen Männern und Frauen hat sich seit der Jahrtausendwende halbiert.

21.03.2019 | 14:11

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