Kristin Karst

Ein Herz für Flüsse: Kristin Karst mit einem der Kapitäne des firmeneigenen Kreuzfahrtschiffes AmaKristina. (Foto: AmaWaterways)



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29 Schiffe, 14 Flüsse, eine Vision: Der Aufstieg von AmaWaterways

Die AmaWaterways-Mitgründerin steht für Luxus-Flusskreuzfahrten mit klarer Handschrift.

Kristin Karst kann ihren US-Akzent nicht verbergen und überhaupt wirkt alles an dieser Geschäftsfrau eher wie Kalifornien als Dresden, wo sie geboren ist. Gemeinsam mit ihrem österreichischen Mann ist sie in die USA ausgewandert und hat mit AmaWaterways einen weltweit erfolgreichen Anbieter von Flusskreuzfahrten gegründet. 


WirtschaftsKurier: Kristin, du bist in Dresden geboren. Haben dich Flüsse schon immer fasziniert? 

Kristin Karst: Ich bin tatsächlich schon als Kind sehr gern mit den Schaufeldampfern auf der Elbe gefahren. Gern auch ins Elbsandsteingebirge, mit Angeln. Die Flusskreuzfahrt wurde mir ins Blut gelegt. Auch mein Mann Rudi ist an einem Fluss geboren, in Wien an der Donau. 

WirtschaftsKurier: Du hast Tourismus und Betriebswirtschaft studiert und bist 1999 in die USA gezogen. Warum? 

Kristin Karst: Ich hatte lange für American Express in Deutschland und in der Schweiz gearbeitet und danach für Viking. Aber die Vision von meinem Mann und mir war immer, die Schönheit der Flüsse Deutschlands und Europas in Amerika bekannt zu machen. Und nach den Erfahrungen, die wir bei Flusskreuzfahrten über mehrere Jahre gesammelt hatten, wollten wir dann unsere eigene Firma aufmachen. 

WirtschaftsKurier: Und so habt ihr 2002 AmaWaterways mit einem Partner in den USA gegründet. Was war eure Idee zum Start? 

Kristin Karst: Wir wollten Flusskreuzfahrten so konzipieren, wie sie uns auch selbst gefallen. Unser Traum war, zwei Schiffe zu besitzen und mit denen auf Donau und Rhein zu fahren. Heute, 24 Jahre später, haben wir 29 Schiffe auf 14 Flüssen weltweit und bis 2030 soll die Flotte auf 40 Schiffe wachsen. 

WirtschaftsKurier: Wie kam der Erfolg zustande? Die Konkurrenz ist groß. 

Kristin Karst: Wir haben uns immer in die anderen hineinversetzt, Kunden, aber auch Geschäftspartner. Ständig zuhören, irgendwann mal einen Anknüpfungspunkt finden und gemeinsam Mehrwert schaffen. Wir haben Partner in Australien gefunden und wirklich überall geschaut, dass wir nicht allein ­dastehen. Und wir sind wahnsinnig stolz, dass wir uns mit Team-Members umgeben konnten, die das Herz genau an der gleichen Stelle hatten. 

WirtschaftsKurier: Wie schaut man den potenziellen Partnern und Angestellten ins Herz? 

Kristin Karst: Wir haben nie jemanden nur wegen der Bewerbungsunterlagen eingestellt. Als Erstes gehen wir immer zusammen essen und lernen uns auch von der persönlichen Seite kennen. Können wir miteinander lachen? Können wir aufeinander vertrauen? Was hat der andere gemacht? Sind die Grundwerte die­selben? 

WirtschaftsKurier: Welche sind das zum Beispiel? 

Kristin Karst: Dass jeder und jede mit anfasst. Wir haben ein Ziel und alle müssen um bestmöglichen Service bemüht sein, um diese erstklassige Qualität. Sei es bei der Innenausstattung der Schiffe, beim kulinarischen Angebot oder bei den angebotenen Ausflügen in Kleingruppen. Bei all dem Wachstum durfte unsere eigene Handschrift nie verloren gehen und wir haben auch unsere Partner immer wieder mit einbezogen. Wir sind eben im Tourismus. Wir verkaufen keine Schrauben, wir kreieren Träume. 

WirtschaftsKurier: War es für euch in den USA ein Vorteil, ein Nachteil oder völlig egal, dass ihr einen deutschen Hintergrund hattet? 

Kristin Karst: Man ist als Deutscher in Amerika gut angesehen. Da hat man schon einen Vorteil. Wir sind bekannt als geradlinig, zielstrebig, pünktlich, immer zum Punkt kommend – wobei ich durch Amerika auch sehr viel lockerer geworden bin. Aber genau darum geht es, beide Seiten zusammenzubekommen: Immer das Positive zu sehen, Spaß zu haben, zusammen mit unserer Zuverlässigkeit und den geradlinigen Grundwerten, das gibt einem schon viel. 

WirtschaftsKurier: Was musstest du lernen? 

Kristin Karst: Vor allem, gut präsentieren zu können. Das wurde in Schule und Universität nicht so gut gelehrt. Ich habe Kurse besucht, um mich gewählt auf Englisch auszudrücken. Also auch, wie man wirklich eine Story erzählt. 

WirtschaftsKurier: Wie pflegt man solch eine Marke? 

Kristin Karst: Man muss schon wissen, wo man sich positioniert. Als wir anfingen, waren Flusskreuzfahrten bei weitem noch nicht so bekannt wie die auf dem Meer. Und wenn, dann ging es eher sparsam zu. Wir setzen uns dort ab, handeln im oberen Luxussegment, weil der US-Markt das zulässt. Ich glaube, Amerikaner sind die Gäste in der Welt, die am meisten für einen Urlaub ausgeben. Wir sparen an nichts, geben unseren Kunden das Beste, weil sie auch das Beste bezahlen. 

WirtschaftsKurier: Und nehmen Kommentare  
der Gäste ernst? 

Kristin Karst: Ich habe lange alles selbst gelesen, auch viel selbst beantwortet. Wenn Kritik kommt, wird natürlich nachgeprüft. Wir ziehen Konsequenzen, ändern. Wir haben auch nach all den Jahren das Motto geändert. Es heißt jetzt „Journeys that move you“. Es geht also nicht nur um Reisen von einem zum anderen Ort, sondern um unvergessliche, immersive Erfahrungen. Aber die Grundidee verändert sich nicht. Wir möchten, dass Gäste wiederkommen. 

WirtschaftsKurier: Macht es euch Sorgen, wie Donald Trump mit der US-Wirtschaft umspringt und dass das Geld nicht mehr so locker sitzt? 

Kristin Karst: Man muss es so hart sagen: Die US-Wirtschaft ist momentan sehr gespalten, aber unsere Klientel springt nicht ab wegen 50 Dollar mehr oder weniger. Viele haben ihre eigene Firma gehabt und schätzen Wert. Wir haben unsere Firma gut durch Covid navigiert, immer nur ein Schiff nach dem anderen gebaut, auf Qualität statt Quantität gesetzt und immer pünktlich gezahlt. Wir sind nie in irgendwelche Krisen geraten. Selbst wenn einige Flüsse Niedrigwasser trugen und nicht befahrbar waren. 

WirtschaftsKurier: Was tut Ihr, wenn ein Gast eure Beschäftigten mies behandelt? 

Kristin Karst: Es ist wichtig, beide Seiten zu sehen. Also sowohl den Kunden als auch die Mitarbeiter. Und wir sind alle Menschen, es muss fair zugehen. Über Social Media kann heute jeder alles schreiben, was einem nicht passt. Aber ich finde dennoch, man muss konsequent bleiben. Und ja, es gibt auch bei uns eine „schwarze Liste“. Der Kapitän auf dem Schiff ist der, der das letzte Wort hat. Auch wenn ich mich nicht benehmen würde, könnte mich der Kapitän raussetzen. 

WirtschaftsKurier: Ist das schon mal passiert? 

Kristin Karst: Glücklicherweise noch nicht. Also ich muss auch ein bisschen auf meinen Ruf achten (lacht). 
Wenn ich dich zwingen würde, dich zu entscheiden: Bist du aus Kalifornien oder Amerikanerin? 
In meinem Herzen bin ich immer noch Deutsche, aber ich bin Kalifornierin. Ich liebe die Menschen hier. Ich liebe das ganze Metier hier. Es ist sehr progressiv und kulturell sehr vielfältig. Viele Menschen hier sind großzügig, sehr gut gebildet. Es gibt hier viele gute Firmen. 

WirtschaftsKurier: Ihr arbeitet mit wahnsinnig vielen Kulturen zusammen. Gibt es schwierige Fälle? 

Kristin Karst: Also Texas ist schon ein eigenes Land (lacht). Nein, im Ernst: Es geht darum, dass wir alle eine gute Zeit miteinander haben und auch alle voneinander lernen und profitieren können. Die ideale Reise lebt immer von einem guten Mix von Kulturen, die sich ergänzen, die sich zuhören. Von den Storys am Abend beim Dinner. Da hört jeder dem anderen zu. Und wenn wir eine größere Gruppe von Lateinamerikanern auf dem Schiff haben, dann geben wir unseren Gästen meistens einen eigenen Bus und Tour-Guide, um den unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen zu entsprechen. 

WirtschaftsKurier: Sind Deutsche und Österreicher bessere Gastgeber als die in den USA? 

Kristin Karst: Im Flugzeug ist der Top-Service leider verloren gegangen. Wenn ich mal eine sehr nette Stewardess oder einen sehr netten Steward habe, freue ich mich wie ein Baby. Die Österreicher haben ihren Schmäh, ihren Charme. Ich glaube, dass heutzutage Gastfreundlichkeit speziell in den kleineren, familiengeführten Hotels in Europa besser ist als das, was ich heute oft in den großen Hotels in Amerika kennenlerne. 

WirtschaftsKurier: Gibt es irgendwelche Pläne, ­Kalifornien mal zu verlassen? 

Kristin Karst: Kalifornien ist immer noch faszinierend. Meine Familie ist hier und viele unserer Kunden. Ich glaube nicht, dass wir dieselben Kunden in Europa haben könnten. Und ich mag auch diese großzügige Atmosphäre im persönlichen Umgang. Ich kann natürlich nie nie sagen, Deutschland ist immer noch meine Heimat. Und ich bin auch oft dort und besuche meine Eltern. 

WirtschaftsKurier: Die schwierigste Frage zum Schluss. Welche Flusskreuzfahrt würdest du empfehlen, wenn du dich für eine entscheiden müsstest? 

Kristin Karst: Ich liebe Afrika. Unser Honeymoon hat uns zum Chobe River gebracht, wo wir vor vielen Jahren die Zambezi Queen kennengelernt haben. Ich wollte eigentlich keinen Fluss als Teil meines Honeymoons haben, um einmal Privates vom Beruflichen zu trennen. Mein Mann wusste es besser. Ein halbes Jahr später hatte ich das Produkt schon in unsere Broschüre aufgenommen. Es ist ein ganz kleines Schiff: 14 Suiten, 28 Gäste – und wir kombinieren das mit so vielen wunderschönen Möglichkeiten in Botswana, Namibia, Kenia, Tansania und Südafrika. Aber ich habe mich jetzt auch in Kolumbien verliebt, wo wir als Pioniere zwei Schiffe gebaut haben, die AmaMagdalena und AmaMelodia. Du musst unbedingt mal nach Kolumbien gehen, und das wird möglicherweise dein bester Trip werden. 

Das Gespräch führte Thorsten Giersch. 

Thorsten Giersch

16.03.2026 | 20:05

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