Das Bayernwerk möchte Netzenpässen künftig besser entgegenwirken (Foto: Bayernwerk).



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Bayernwerk will steigende Zahl an Engpässen stoppen

Mehr Sicherheit im regionalen Verteilnetz: Prognosen sollen dem Bayernwerk helfen, Netzengpässe künftig zu vermeiden.

Immer häufiger muss die Bayernwerk Netz GmbH (Bayernwerk) als Bayerns größter Verteilnetzbetreiber zwischenzeitlich dezentrale Erzeugungsanlagen stufenweise abschalten, wenn aus Sonne und Wind mehr Strom erzeugt wird als im selben Moment im Netz aufgenommen werden kann. Zusammen mit dem vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) im Bayernwerk-Netz arbeitet das Bayernwerk an einer Lösung. Prognosen sollen helfen, Netzengpässe künftig zu vermeiden, indem den Betreibern regenerativer Erzeugungsanlagen bereits im Vorfeld eine notwendige Leistungsreduzierung angekündigt wird. Der sogenannte Redispatch 2.0 soll damit das bisherige Einspeisemanagement als gemeinsames Verfahren ablösen.

Durch die NABEG-Novelle (Netzausbaubeschleunigungsgesetz) wird zum 1. Oktober 2021 der Redispatch 2.0 eingeführt. Über mehrere Netzebenen hinweg arbeitet das Bayernwerk mit dem ÜNB bereits an einer Lösung. Der Redispatch 2.0 soll in Zukunft Engpass-Prognosen einbeziehen und die Betriebsführung der Netze dadurch flexibler machen. „Die Umstellung vom bisherigen Einspeisemanagement auf den zukünftigen Redispatch-Prozess, wird eine enorme Herausforderung für die Energiewirtschaft und insbesondere für die Netzbetreiber werden“, sagte Peter Thomas, Geschäftsführer Bayernwerk Netz GmbH.

Redispatch 2.0 beinhaltet die Einführung des präventiven Redispatch-Prozesses auf alle fernsteuerbaren Anlagen ab 100 Kilowatt (kW) beziehungsweise 30 kW. Durch die neue Art der Kontrolle und Steuerung sollen über einen planwertbasierten Ansatz Engpässe frühzeitig identifiziert und durch die Anpassung der Erzeugung von Anlagen kosteneffizient gelöst werden. „Damit geht eine signifikante Erweiterung der heute bestehenden Betriebsplanungsprozesse einher. Dies bedarf auch zukünftig einer engen Zusammenarbeit und guten Abstimmung, sowohl mit dem ÜNB als auch mit den weiteren verbundenen Netzbetreibern“, sagte Peter Thomas.

Die Zahl der Eingriffe zur Leistungsreduzierung von Erzeugungsanlagen hat im Netzgebiet des Bayernwerks im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen. Wurden im Jahr 2018 bis Ende August rund 3.500 Erzeugungsanlagen abgeregelt, liegt die Vergleichszahl im Jahr 2020 bereits bei knapp 23.000. Insbesondere im Monat April waren vermehrt Einspeisemanagement-Einsätze erforderlich. Ohne die Einsätze könnte es bei starker Sonneneinstrahlung zu einer Überlastung von Netzabschnitten und zu Versorgungsausfällen kommen. „Auf Seiten der Stromerzeugung sorgte die Wetterlage, also eine hohe Sonneneinstrahlung sowie starke Winde, für eine hohe Einspeisung der Erneuerbaren Erzeugungsanlagen ins Stromnetz. Gleichzeitig führte der bundesweite Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie auf Seiten des Stromverbrauchs zu einer deutlich reduzierten Stromentnahme aus dem lokalen Stromnetz“, erklärte Wolfgang Tauber, Leiter Netzsteuerung. Als Folge kam es zu Engpässen im lokalen Stromnetz. Nur durch die zwischenzeitliche Abregelungen von EE-Anlagen ist eine optimale Nutzung der Netze für die Aufnahme von regenerativ erzeugtem Strom gelungen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Neben dem Einspeisemanagement im eigenen Stromnetz unterstützt das Bayernwerk auch bei der Behebung von Engpässen im vorgelagerten Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers. Treten Engpässe im Übertragungsnetz auf, kann der zuständige Netzbetreiber durch sogenannte Kaskadenregelung Einspeisemanagement-Maßnahmen beim Bayernwerk abrufen. Die im Netzgebiet des Bayernwerks angeschlossenen Erzeugungsanlagen reduzieren in diesem Fall ihre Einspeiseleistung und helfen damit, den Engpass im Übertragungsnetz zu entlasten. Alle Einspeisemanagement-Einsätze sind im Internet mit Angabe von Dauer, Region, Verursacher, Stufe und betroffenen Anlagen veröffentlicht. Zu den Informationen geht es hier.

30.09.2020 | 10:24

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