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Besucher befinden sich auf dem Weg zur Messehalle, wo die deutsche Computer- und Videospielmesse Gamescom stattfindet

Trotz großer Beliebtheit hat die Gaming-Branche Umsatzprobleme / Bildquelle: Barone Firenze - 59699509 / Shutterstock.com

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Deutsche PC- und Videospielbranche in der Krise?

Der Umsatz der Videospielbranche stagniert. Verantwortliche versuchen aber weiterhin dafür zu kämpfen, dass Deutschland ein besserer Standort für Spieleentwickler wird. Start-ups hoffen auf Fördergelder und suchen nach kreativen Finanzierungsmöglichkeiten.

Für die deutschen Gamedesigner war 2016 nicht unbedingt das erfolgreichste Jahr. Der Umsatz vieler Unternehmen blieb hinter den Erwartungen zurück und einige Mitarbeiter mussten entlassen werden. Die Videospiel-Branche ist allerdings auch stets im Wandel. Was heute noch aktuell und populär ist, hat morgen vielleicht schon wieder ausgedient. Das bedeutet viel Unsicherheit für Spieleentwickler, eröffnet ihnen allerdings auch viele Möglichkeiten, um kreativ zu sein. Aber auch alteingesessene Entwickler dürfen nicht auf der Stelle treten, sondern müssen flexibel und mit neuen Ideen auf Veränderungen reagieren.

Online-Casinos müssen sich auf Regulierungen einstellen

Auch der Markt für deutsche Online-Casinos wird nicht einfacher. Die Betreiber müssen auf Regulierungen und Sicherheitsvorkehrungen entsprechend reagieren. Diese sind aber notwendig, um die Kunden zu schützen. Online-Casinos, die innerhalb der EU ihre Glücksspiele anbieten möchten, müssen bestimmte qualitative Standards erfüllen. Das bedeutet natürlich viel Arbeit und Einschränkungen. Auch der strenge Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland macht es der Branche nicht gerade leicht. 
   
Wieso geht es der Entwicklerbranche schlecht?

Zwar wächst der Gesamtumsatz in der Gaming-Branche, allerdings sind die deutschen Firmen nicht so erfolgreich wie erhofft. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware sieht diese Entwicklung äußerst kritisch: „Der Standort Deutschland droht, international den Anschluss zu verlieren“, heißt es von offizieller Seite.

Wie Deutschland bessere Bedingungen für die Spielebranche schaffen kann


Deutschland hat durchaus das Potenzial, als Standort für die Spielebranche attraktiver zu werden und zu wachsen. Es können Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es entsprechenden Unternehmen und Start-ups auf dem Markt einfacher machen. Dazu gehören:

    •    mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte
    •    mehr staatliche Fördergelder
    •    einfachere Finanzierungsmöglichkeiten durch private Investoren und Venture Capital
    •    attraktiveres Cluster- und Standort-Management

Wie reagiert die Spielebranche?

Neben den größeren Spieleentwicklern, die bisher noch keine richtige Lösung gefunden haben, um dem stagnierenden Umsatz wieder zu steigern, gibt es auch kleinere Independent-Schmieden. Diese stehen ebenfalls vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Ihre Produkte sind auf dem App-Markt nicht mehr so gefragt, wie es einst der Fall war. Staatliche Fördergelder fallen im europäischen Vergleich eher gering aus, deswegen müssen die kleinen Unternehmen auf kreativere Finanzierungsmittel zurückgreifen:

    •    Crowdfunding wie z.B. Kickstarter
    •    Early-Access-Programme: Spieler bzw. Kleininvestoren haben schon vor allen anderen Zugang zum
         Spiel und können an der Entwicklung und Gestaltung teilhaben
    •    Wagniskapitalgeber und andere Investoren

Was macht Computerspiele attraktiv?    

Ein potenziell gewinnbringender Markt ist jedenfalls vorhanden. Computerspiele sind nämlich längst nicht nur für Zocker attraktiv. Aus guten Gründen: Für viele Spieler ist es vor allem interessant, eine andere Rolle anzunehmen. Spieler können eine Figur mit Eigenschaften steuern, die er selbst gern hätte. Allerdings sollte die Spielfigur nicht zu weit von der Realität entfernt sein. Denn es geht dabei nicht unbedingt um Realitätsflucht. Vielmehr wollen Computer- und Videospiel-Nutzer ihren Idealen näher kommen.

Was bewirken Computerspiele?


Forscher an der Universität Rochester im Bundesstaat New York haben entdeckt, dass Video- und Computerspiele den Spielern dabei helfen, spezifische Aufgaben schneller auszuführen. Insbesondere Versuchspersonen, die sich in ihrer Freizeit mit Actionspielen beschäftigen, konnten eine höhere Leistungskompetenz aufweisen. Laut der Studie profitieren vor allem Ärzte und Piloten vom Gaming außerhalb der Arbeitszeit. 

Infografik Umsatzanteile von Video- und Computerspielen in Deutschland und wie man in die Spielebranche einsteigt.
 
Infografik: Abgesehen von den Online-Spielen gingen laut Prognose die Umsatzanteile in fast allen Bereichen der Spielebranche zurück. Trotzdem ist der Beruf des Game-Designers immer noch begehrt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in der Branche Fuß zu fassen.

Wer entwickelt Computerspiele in Deutschland?


Trotz gewisser Einschränkungen gibt es auch in Deutschland einige interessante Computer- und Videospielproduktionen, die dennoch immer wieder ihre wirtschaftlichen Probleme haben. Hier einige Beispiele:

Unternehmen

Standort(e)

Spieleentwicklung

Bigpoint

  Hauptsitz: Hamburg

  weitere Standorte: Berlin, Sao Paulo, Malta, San Francisco

Bigpoint entwickelt Online-Spiele wie z.B. Farmerama, DarkOrbit, Seafight u.v.m. Die Spiele können in mehreren Sprachen gespielt werden und es ist keine zusätzliche Software notwendig, um sie zu spielen.

Wooga

Berlin

Wooga konzentriert sich auf die Entwicklung von mobilen Games und beschäftigt Mitarbeiter aus über 40 Ländern. Diese entwickeln Free-to-play Spiele wie „Diamond Dash“ und „Jelly Splash“ für einen globalen Gaming-Markt.

Crytek

  Hauptsitz: Frankfurt am Main

  Tochterfirmen in: Nottingham, Budapest, Seoul, Kiew

Crytek ist unter anderem für den Kult-Egoshooter „Far Cry“ bekannt und feierte damit große Erfolge. Das Unternehmen wurde von den drei aus der Türkei stammenden Brüdern Faruk, Avni und Cevat Yerli ins Leben gerufen und hat inzwischen auch andere Software-Konzerne wie die Black Sea Studios in Bulgarien und Free Radical Design aus Großbritannien aufgekauft.  

Ubisoft Blue Byte

Düsseldorf

Blue Byte ist einer der Vorreiter der Video- und Computerspiel-Industrie in Deutschland und hatte vor allem mit den Echtzeitstrategiespielen „Die Siedler“ und der „Anno“-Reihe große Erfolge. Das Unternehmen entwickelte Spiele für Plattformen wie Amiga, PC, Super NES und Apple Macintosh.

Aerosoft

Paderborn/Lippstadt

Konzentrierte sich anfangs auf die Entwicklung von Simulatoren für das Training von Piloten. Seit Anfang des Jahrtausends kamen sogar Eisenbahn- und Verkehrssimulationen hinzu. Seit 2008 werden Unternehmenssimulationen entwickelt. Die Simulationen werden inzwischen in über 30 Ländern vertrieben.

Tabelle: An diesen Beispielen wird bereits deutlich, dass es in Deutschland eine große Bandbreite an Spieleentwicklern gibt, die sich alle auf unterschiedliche Bereiche fokussieren.

Wie werden Computer- und Videospiele entwickelt?

Junger Programmierer arbeitet in einem Büro an einem Computer.

Der Beruf des Spieleentwicklers bzw. Designers ist sehr beliebt und Fachkräfte werden gesucht / Bildquelle: F8 Studios - 562179769 / Shutterstock.com

Die vollständige Entwicklung eines Video- bzw. Computerspiels beinhaltet mehrere Produktionsphasen und nimmt viel Zeit in Anspruch. Das muss schon zu Beginn mit einkalkuliert werden:

1. Konzept: Eine anfängliche Idee wird je nach Größe des Spiel-Unternehmens von mehreren Entwicklern zu einem Konzept ausgebaut. In dieser Phase werden bereits notwendige Details ausgearbeitet. Die Produzenten und Entwickler möchten feststellen, ob das Projekt wirklich in die Tat umgesetzt werden kann. Hier entscheiden sie, ob in die Entwicklung des Spiels investiert wird.
2. Finanzierungsplan: Nach einer positiven Entscheidung wird ein Kostenplan erstellt, der alle notwendigen Ressourcen abdeckt, die für die Produktion des Spiels notwendig sind.
3. Produktion: Level-Designer und Drehbuchautoren sorgen für eine spannende Atmosphäre und bestenfalls für eine mitreißende Story mit einem abwechslungsreichen Gameplay. Gamedesigner kümmern sich um die Steuerung und skizzieren das Spielkonzept. Grafiker und Programmierer erschaffen die Umgebungen, in denen sich die Spieler bewegen. Außerdem entwickeln sie für die anderen virtuellen Charaktere eine Künstliche Intelligenz. Danach werden Figuren und Objekte für das Spiel designed. Im Audiobereich müssen Soundeffekte, Umgebungsgeräusche, gegebenenfalls Synchronstimmen und Musik aufgenommen werden. Außerdem wird eine Benutzeroberfläche programmiert.
4. Marketing: Das Marketing fängt schon während der Entwicklungs- und Produktionsphase an, um z.B. Fans einen Einblick in die Produktion zu gewähren oder um einen neuen, noch unbekannten Titel ins Gespräch zu bringen.
5. Testphase: Das Spiel wird Test-Videospielern präsentiert, die eventuelle Fehler finden sollen, welche die Entwickler anschließend wieder ausbessern.
6. Fertigstellung, Werbung und Marketing, Verkauf: Jede einzelne Komponente wird zu einem Ganzem zusammengefügt. Die Verpackung wird designed, Testversionen an die Presse geschickt und Anzeigen für Werbung geschaltet.
7. Updates nach der Veröffentlichung: Nach der Veröffentlichung gilt es weiterhin, Fehler zu beheben und Updates bereitzustellen. Hierbei kann es sich auch um eine Erweiterung des Spiels handeln, um den Spielern immer ein aktuelles und frisches Spielerlebnis und damit endlose Freude am Produkt zu liefern.

Bildquellen:
F8 Studios - 562179769 / Shutterstock.com
Barone Firenze - 59699509 / Shutterstock.com

15.05.2017 | 10:39

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