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Der Streetscooter bringt schon bald bundesweit die Briefe. (Bild: dpdhl)

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Deutsche Post baut eigene E-Autos

Die Deutsche Post setzt auf Elektro-Antriebe, und sie baut sich ihre Flotte von Auslieferungsfahrzeugen mit E-Antrieb selbst. Auf dem Gelände einer ehemaligen Waggonfabrik in Aachen soll die Produktion massiv ausgebaut werden. Ob die Fahrzeuge an Dritte verkauft werden, ist nach Angaben von DPA noch offen.

gehört zu den Lieblingsprojekten von Jürgen Gerdes. Der umtriebige Manager aus dem Unternehmensvorstand der Post, verantwortlich für Briefe, eCommerce und Pakete, hat Großes vor.

Der gesamte Fuhrpark des gelben Riesen um Paket- und Briefzustellung soll mittelfristig auf E-Transporter umgestellt werden. Der elektrogetriebene Transporter der Deutschen Post, kurz Streetscooter genannt, soll bald zum täglichen Straßenbild in Detuschland gehören. Bis zu 70 000 Fahrzeuge könnten das einmal werden. „Wir sind Betreiber einer der größten Fahrzeugflotten in Deutschland“, erklärt Jürgen Gerdes, im Unternehmensvorstand der Post verantwortlich für Briefe, eCommerce und Pakete. Und solche Flotten müssten mehr und mehr emissionsfrei werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht die Deutsche Post mit dem Aufbau einer eigenen Flotte von Elektroautos auf dem richtigen Weg. „Gerade der Wirtschaftsverkehr findet in den Städten statt und wird sich in Zukunft noch ausweiten“, sagte die SPD-Politikerin der DPA. „Und gerade brauchen wir die Entlastung unter dem Gesichtspunkt von Umwelt und Gesundheit.“ Der Lieferwagen, die die Post in dem inzwischen unternehmenseigenen Start-up entwickeln ließ, hätte „das berühmte Henne-und-Ei-Problem“ gelöst. Hendricks weiter zur DPA: „Wir wussten, man braucht sowas im Wirtschaftsverkehr, aber die Automobilhersteller fanden es einfach noch nicht interessant genug.“ Das Umweltministerium übernimmt mit 9,5 Millionen Euro ein Drittel der Entwicklungskosten von 2016 bis 2018.

Noch sei das Fertigungsvolumen überschaubar, so die Nachrichtenagentur, aber das Unternehmen werde schon bald ein größeres Rad drehen. Nach dem Start der Serienfertigung folge die Massenproduktion. Dort, wo einst Schienenfahrzeuge der Firma Talbot hergestellt wurden, liefen heute Streetscooter vom Band. Derzeit baue die Post die Kapazität aus, eine Stückzahl 10.000 Autos pro Jahr solle bald möglich werden.

Dass der Streetscooter auf einer Erfolgswelle schwimmt, wohingegen die Autobauer mit Elektromobilität nur schleppend voran kommen, hat vor allem einen Grund: Die Post benötigte einen einfachen, preiswerten und funktionalen E-Lieferwagen, ohne viel Schnickschnack und Design, und Gerdes stieß bei den Autobauern auf taube Ohren. Stattdessen wurde er beim Start-up Streetscooter in Aachen fündig. Gemeinsam mit Instituten der Uni RWTH entwickelten die Firmengründer Achim Kampker und Günther Schuh dann Elektrofahrzeuge nach den Vorgaben der Post. Vor zwei Jahren übernahmen das Unternehmen die Streetscooter GmbH vollständig.

In der Paketzustellung ist aber auch die Konkurrenz mit E-Fahrzeugen Ball - ob UPS, Hermes oder DPD. Doch keiner tüftelt so intensiv wie die Post an Eigenentwicklungen. Die Deutsche Post, bisher als Sinnbild der Old Economy im DAX bekannt, geht in die Hightech-Offensive. Für die Anleger könnte es interessant sein, die Aktie des Briefversenders auch unter diesem Aspekt im auge zu behalten.

27.08.2016 | 12:27

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