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Die Post wird lecker

Noch vor wenigen Jahren dachte man, dass das Internet mit seinen E-Mails der Deutschen Post die Geschäfte verderben werde. Nun ist das Gegenteil passiert: Es wird immer mehr im Netz gekauft – und einer muss die Ware ja zu den Kunden bringen.

Damit entpuppt sich der Internethandel als wahrer Vater der Erfolgsgeschichte, denn der Bonner Konzern verdient daran kräftig mit. Am 23. September 2013 wurde der Entwicklung die Krone aufgesetzt: Die Aktie der Deutschen Post wurde in den EuroStoxx 50 aufgenommen und stieg somit in die Champions League der börsennotierten Unternehmen in der Eurozone auf.
Nun hat das Unternehmen im Online-Lebensmittelhandel ein neues Wachstumsfeld entdeckt. Bis 2015 will die Deutsche Post über ihre Tochtergesellschaft Allyouneed in allen größeren Städten und Ballungsräumen Waren des täglichen Gebrauchs ausliefern. Zum heutigen Zeitpunkt werden trotz einer Vielzahl von Anbietern erst 0,2 % aller Lebensmittel im Internet bestellt, während es in Großbritannien beispielsweise 3 % bis 5 % sind. „Der Lebensmittelversand ist gewissermaßen der Mount Everest der Privatkundenlogistik“, meint Andrej Busch, der das deutsche Paketgeschäft bei dem ehemaligen Monopolisten verantwortet: „Wir versuchen gerade, diesen Berg zu erklimmen.“

Lieferung nach Feierabend


Weitere Anbieter auf diesem Markt in Deutschland sind Rewe online, Biodirekt und Mytime. Durch die Lieferung der Waren in gekühlten Mehrwegboxen hoffen die Bonner, dem Lebensmittelhandel in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Insbesondere bei älteren Kunden und jungen Familien, die ihre Supermarkt-Einkäufe nicht nach Hause tragen können oder wollen, könnte das Angebot der Deutschen Post auf Zustimmung treffen. Geliefert wird von dem Logistikunternehmen am Tag der Bestellung. Dabei kann der Kunde zwischen zwei Lieferzeiten nach Feierabend wählen: zwischen 18 und 20 Uhr oder zwischen 20 und 22 Uhr. „Für die Kunden ist es unheimlich wichtig zu wissen, wann wir kommen“, so Busch. Er ist davon überzeugt, dass sein Geschäftsmodell in Deutschland gut ankommt: „Das Potenzial für unser heimisches Geschäft ist riesengroß.“

Das wird die Aktie der Deutschen Post weiter puschen. Wer sich in den letzten Monaten zum Erwerb der Wertpapiere der Bonner Ex-Behörde entschied, der dürfte auch so sehr zufrieden sein. Allein zwischen Anfang Juli 2013 und Mitte September 2013 legte die Aktie um knapp 4 Euro auf 23,33 Euro zu. Trotz dieses rasanten Wachstums ist das KGV noch relativ günstig. Cortal Consors erwartet für 2013 einen Wert von 13,77 nach 12,86 im vergangenen Jahr.

Höhenflug mit Risiko


Aktionäre, die sich für hohe Dividendenrenditen interessieren, sind bei der Deutschen Post ebenfalls an der richtigen Adresse. Bei dem ehemaligen Staatsunternehmen lag diese Kennzahl im Jahr 2012 bei beachtlichen 4 %. Auch aus charttechnischer Sicht ist die Aktie laut reihenweiser Studien der einschlägigen Analysten ein Kauf. In dem fortgesetzten Höhenflug der Aktie steckt freilich auch das Risiko für Anleger. Für manche scheint die Party schon gelaufen. „Wenn sich die Aktie eines Traditionsunternehmens in zwei Jahren verdoppelt, dann ist Vorsicht geboten“, meint ein erfahrener Händler in Frankfurt. Das Risiko für größere Gewinnmitnahmen steige. Außerdem müsse man die Verschuldung des Unternehmens im Auge behalten, die bei wieder steigenden Zinsen von Investoren sofort thematisiert werde. Und der immer offener werdende Markt der Branche mache die Post auch für Attacken von neuen Konkurrenten anfällig, vermerken die Skeptiker.

Die meisten Fundamentalanalysten zeigen sich freilich optimistisch. Die Commerzbank hat das Kursziel für die Deutsche Post nach Zahlen von 22 auf 25 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Die Margen und der Free Cashflow des Expressgeschäfts des Logistikkonzerns hätten im zweiten Quartal deutlich über den Erwartungen gelegen, schrieb Analyst Volker Braun.
Die DZ Bank erhöhte nach Vorlage des soliden Quartalsberichts ihre Gewinnschätzungen leicht. Der Analyst der genossenschaftlichen Zentralbank Dirk Schlamp sieht die Deutsche Post sehr gut positioniert. Die langfristigen Wachstumsaussichten seien attraktiv. Die Ergebnisentwicklung dürfte weiterhin von der führenden Marktposition von DHL Express in der Wachstumsregion Asien profitieren.

Einen zusätzlichen Schub könnte das Papier durch freundliche Kommentare wie die von Analyst Markus Glockenmeier von der National-Bank AG bekommen. Demnach sei die Indexaufnahme als positiv einzustufen, das Kursziel wurde von 25 auf 26 Euro angehoben. Fonds, die den europäischen Leitindex nachbildeten, fragten die Aktie nun nach. Auch wegen des Bewertungsabschlags im Vergleich zu den Titeln der Wettbewerber dürfte sich der Kursanstieg trotz der bereits bemerkenswerten Zuwächse fortsetzen.

Für die kommenden Wochen liegt das Augenmerk der Analysten hinsichtlich der Entwicklung des operativen Geschäfts besonders auf möglichen Veränderungen des Portopreises bei Briefen. Im Herbst soll es nämlich eine Überprüfung geben. Eine erneute Steigerung des Briefportos gilt allerdings als wenig wahrscheinlich, da die letzte erst im vergangenen Jahr erfolgte, wie Commerzbank-Analyst Johannes Braun feststellt. Eine Preissteigerung oder -senkung um 1 % verändere das operative Ergebnis der Post um 30 Mio. Euro.

Die seinerzeit nach der Entlassung in den freien Markt schwer gebeutelte Post scheint also auf einem guten Kurs. Die Innovationen, das digital beflügelte Paketgeschäft sowie die Zugehörigkeit zum Spitzenindex EuroStoxx50 dürften sich positiv auswirken. Darüber hinaus werden viele internationale Investoren erst jetzt auf den deutschen Konzern aufmerksam. Es spricht also einiges dafür, dass beim Bonner Logistikunternehmen auch weiterhin die Post abgeht.

wim

25.10.2013 | 09:58

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