Handy als Navigationsgerät

Einfache Übersicht: Plancraft verlagert Teile des Büros ins Mobiltelefon. Mit dem Kettensägenhersteller Stihl arbeiten die Softwareentwickler inzwischen zusammen. (Foto: Stihl)



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Digitalisierung im Handwerk: Zwischen Bedarf und Überforderung

Zwischen App und Azubi-Lücke: Wie das Handwerk digital aufholt – aber nicht ankommt

Das Handwerk digitalisiert sich – langsamer als andere Branchen, aber mit wachsender Geschwindigkeit. Laut dem KI-Index Handwerk NRW, der bisher umfassendsten Studie zum Einsatz von künstlicher Intelligenz im Handwerk, hat sich der Digitalisierungsgrad zwischen 2020 und Ende 2024 im Schnitt um 58 Prozent verbessert. Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller Branchen liegt bei 17 Prozent.

Was auf den ersten Blick nach Durchbruch klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Teilfortschritt. Denn besonders im Bereich Datenanalyse, Fertigung und digitaler Dienstleistungserbringung herrscht weiterhin Nachholbedarf.

Technologie trifft Lebensrealität

Die Hürde liegt weniger im Wollen als im Können. Viele Betriebe befinden sich in einer Krisenkonstellation aus Fachkräftemangel, Azubi-Lücke und Generationenwechsel. „In einer derartigen (Über-)Lebensphase der Betriebe noch einen technologischen Transformationsschritt zu bewältigen, zeigt die immensen Herausforderungen“, sagt Klaus Schafmeister von der Fachhochschule des Mittelstands.

Wissenstransfer wird zum Flaschenhals: Während Ältere mitunter wenig Digitalkompetenz einbringen, fehlen Jüngere, um Innovationen voranzutreiben. So entsteht eine paradoxe Situation – technologische Offenheit ist da, aber die strukturellen Voraussetzungen fehlen.

Vertrauenskrise in die Beratung

Ein bemerkenswerter Befund der Studie: Nur weniger als zehn Prozent der befragten Betriebe wollen Hilfe von privaten Beratungsfirmen. Der Wunsch richtet sich klar nach praxisnahen, leicht bedienbaren Lösungen, zugeschnitten auf Kleinstunternehmen mit rund acht Mitarbeitenden.

Genau hier setzt das Start-up Plancraft an. 2020 gegründet, hat das Unternehmen bereits mehr als 20.000 Handwerksbetriebe in Deutschland und Österreich an Bord – mit einer Software, die Büroarbeit ins Smartphone verlagert und mit intuitiver Bedienbarkeit punktet. Der Anspruch: Technologie so einfach gestalten, dass sie sich auch ohne Schulung und Digitalabteilung integrieren lässt.

Plancraft: Einfachheit als Erfolgsmodell

Der Ansatz von Gründer Julian Wiedenhaus: „Du kannst die beste Software der Welt bauen. Wenn Leute keine Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen, wird nie ein Wechsel passieren.“ Deshalb konzentriert sich Plancraft auf schnelle Implementierung, persönlichen Support – und auf das, was viele Tech-Firmen vergessen: Verlässlichkeit im Umgang.

Die Nachfrage wächst über die Grenzen hinaus: Neben Österreich sind bereits Italien und die Niederlande angebunden, Länder wie Polen und Spanien sollen folgen. Der Bedarf ist europäisch – die Herausforderungen sind es auch.

Fazit: Anschluss finden – aber nicht verlieren

Die Digitalisierung im Handwerk wird nicht an fehlender Technik scheitern. Sondern an Komplexität, Zeitmangel und dem Gefühl, alleine zu sein. Wer diese drei Barrieren adressiert, gewinnt Vertrauen – und kann echte Veränderung bewirken. Die Technik ist da. Jetzt braucht es Lösungen, die menschlich skalieren.

Digitalisierung im Handwerk – auf einen Blick

  •     58 % Digitalisierungsfortschritt im Handwerk seit 2020 (KI-Index NRW)
  •     <10 % der Betriebe wünschen Unterstützung von privaten Beratungen
  •     20.000+ Plancraft-Kunden in DACH
  •     ~8 Mitarbeitende hat ein typischer Handwerksbetrieb
  •     Top-Anwendungen: Chatbots, Übersetzungen, Sprachsteuerung
  •     Herausforderung: Datenanalyse, Serviceintegration, Zeitmanagement

14.07.2025 | 09:02

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