CEO Florian Schörghuber: „Nachhaltigkeit heißt, Verantwortung und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden.“ (Foto: Schörghuber Gruppe )
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ESG im Gleichgewicht: Warum nachhaltiges Wachstum ökologisch, sozial und ökonomisch gedacht werden muss
Gastbeitrag
von Florian Schörghuber
Die Nachricht aus Brüssel war ein Paukenschlag: Ende Februar stellte die EU-Kommission die „Omnibus-Verordnung“ vor, die umfassende Änderungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung vorsieht. Das Ziel der Kommission: in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten die Berichtspflicht zu vereinfachen und auf diese Weise Unternehmen zu entlasten. Für viele Beobachter war das ein klares Signal: Spätestens jetzt, nachdem das Thema schon im Wahlkampf zur Bundestagswahl keine Rolle gespielt hatte, war es das mit der Nachhaltigkeit. Und so mancher wird heimlich und mit reichlich Schadenfreude gejubelt haben, weil er die lästige Berichtspflicht jetzt zunächst einmal wieder für eine gewisse Zeit in die Schublade stecken kann.
Was bedeutet das für unser Unternehmen? Die Schörghuber Gruppe hat schon vor Jahren Nachhaltigkeit als einen ihrer drei Familienwerte definiert – neben Qualität und Innovation. Das bedeutet konkret, dass wir unser Handeln verbindlich daran ausrichten und messen, ob es gesellschaftlich und besonders ökologisch verträglich ist. Und dass wir beispielsweise unsere Zukunftsinvestitionen, die im vergangenen Jahr mehr als 200 Millionen Euro betrugen, davon abhängig machen, ob sie nachhaltig sind. Dabei verstehen wir nachhaltige Profitabilität nicht nur als Ziel, sondern auch als Treiber für Innovation. Denn nur durch dauerhaft wirtschaftlichen Erfolg können wir in zukunftsfähige Ideen und Technologien investieren.
Festhalten an Nachhaltigkeitsambitionen
Bei uns kann es keine zwei Meinungen darüber geben, dass wir unbeirrt an unseren Nachhaltigkeitsambitionen festhalten. Wir behalten Ehrgeiz und Geschwindigkeit und damit auch Investitionen der ökologischen Transformation unserer Geschäftsmodelle unverändert hoch bei. Wir begrüßen jedoch, dass es eine gewisse Erdung der in den vergangenen Jahren auf den Weg gebrachten Bürokratie und Wettbewerbsnachteile provozierenden Regulatorik gibt. Mit der Omnibus-Änderung weist die Kommission die realitätsentkoppelte Überregulierung in die Schranken und verschafft uns und vielen anderen gleichzeitig Zeit, uns auf die Berichterstattung vorzubereiten.
Doch während für die meisten Unternehmen bei Nachhaltigkeit in erster Linie die ökologische und die soziale Säule im Blick haben, bin ich fest davon überzeugt, dass es ohne die ökonomische Säule nicht geht. Es geht uns nicht nur um das E in ESG, sondern um alle drei Buchstaben gleichermaßen. Um Verantwortung insgesamt.
Wir definieren Nachhaltigkeit als Gleichklang von nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg und ökologisch verantwortlichem sowie gesellschaftlich wertvollem Handeln. Das erfordert nicht nur eine klare Haltung, sondern auch die Fähigkeit, langfristig zu denken – über Quartalszahlen hinaus, über einzelne Geschäftsbereiche hinweg und mit dem Bewusstsein, dass unsere Entscheidungen heute die Lebensqualität von morgen mitgestalten. Denn beides hängt untrennbar miteinander zusammen: ob das, was wir tun, sich mit Mensch und Umwelt verträgt und ob es wirtschaftlichen Erfolg mit sich bringt.
Dass wir den wirtschaftlichen Erfolg dabei an die erste Stelle dieses Gleichklangs setzen, ist kein Zufall. Denn wenn ein Unternehmen nicht über die nötige finanzielle Resilienz verfügt und nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich ist, kann es auf Dauer nichts Gutes für Mensch, Welt und Umwelt tun. Deshalb verstehen wir nachhaltige Unternehmensführung auch als aktiven Beitrag zur Zukunftssicherung – unseres Unternehmens wie unserer Gesellschaft.
Mit klaren Strategien senken wir Kosten, stärken unsere Resilienz und nutzen Wettbewerbsvorteile. Mit der verschobenen Berichtspflicht entsteht die Möglichkeit, Nachhaltigkeit effizient, strategisch und mit echtem Mehrwert umzusetzen, statt sich nur an regulatorische Vorgaben anzupassen. Unser Anspruch bleibt, wirtschaftlich erfolgreich zu sein – nicht trotz unserer Verantwortung, sondern genau deshalb.
Florian Schörghuber ist CEO der Schörghuber Gruppe in München.
19.08.2025 | 08:55
