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Als gebürtiger Iraner und amerikanischer Staatsbürger ist Freudenberg-Chef Mohsen Sohi selbst ein Beispiel für Diversität im Management. (Foto: Freudenberg)

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Globale Märkte brauchen globale Teams

Die Erfindung des Lackleders legte 1850 das Fundament des internationalen Familienunternehmens. Innovationen und Diversität sind auch heute die Basis des Erfolgs. Gastbeitrag von Mohsen Sohi, Vorstandschef der Freudenberg-Gruppe.

Globale Märkte erfordern globale Teams, auch bei deutschen Familien­unternehmen. Freudenberg beschäftigt rund 30 000 Mitarbeiter im Ausland, etwa ein Drittel davon in der Wachstumsregion Asien. Dabei ist es wichtig, auf die Kompetenzen der Menschen vor Ort zu vertrauen, um von Kenntnissen über lokale Märkte und gesellschaftlichen Besonderheiten zu profitieren. Nachweislich verbessert eine multikulturelle Arbeitswelt die Qualität von Entscheidungen und sorgt für motivierte Mitarbeiter. Diversität im Vorstand von Unternehmen ist ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor, wie eine McKinsey-Studie zeigt. Demnach erwirtschaften Unternehmen mit hoher Diversität auf Vorstandsebene 50 % mehr Kapitalrendite im Vergleich zu Unternehmen mit weniger divers besetzten Vorständen.

Ein multikulturelles Arbeitsumfeld bietet Chancen, ist aber auch herausfordernd. Wo viele Sprachen und Nationen auf­einandertreffen, ist es oft schwierig, eine gemeinsame Basis zu finden. Bei Freudenberg geben seit Unternehmensgründung bestehende Leitsätze wie sozia­le Verantwortung und Unternehmertum Orientierung für alle Mitarbeiter weltweit. Sie stehen für Respekt im Umgang mit anderen und helfen, eine gemeinsame Identität zu entwickeln.

Gegen internationale Krisen gewappnet

Auch die langfristige Orientierung von Freudenberg ist in den Leitsätzen verankert und hat dafür gesorgt, dass das Unternehmen gestärkt aus den Krisen 2009 und 2012 hervorgegangen ist. Freudenberg hat sich bereits vor der ersten Krise langfristig auf ein Double-dip-Szenario eingestellt. Schon damals ist das Unternehmen davon ausgegangen, dass nach 2008/09 eine ähnliche Entwicklung im Jahr 2012 stattfinden könnte. Mit Blick auf die Zeit nach der ersten Krise hat Freudenberg deshalb kontinuierlich weiter an Innova­tionen gearbeitet, Prozesse in ­etwa 60 Ländern optimiert sowie Maschinen und Anlagen erneuert. Das Unternehmen hat zudem konsequent weiter in strategische Wachstumsmärkte investiert und das breit diversifizierte Portfolio ausgebaut. Durch die Verlagerung der Geschäfte auf mehrere starke Pfeiler ist Freudenberg im Fall einer internationalen Krise stabil aufgestellt.

Insgesamt verfügt Freudenberg über zwölf Geschäftsgruppen, die in den unterschiedlichsten Märkten aktiv sind. Die Produkte kommen unter anderem bei der Energieerzeugung, im Gesundheitswesen, im Haushalt, in der Lebensmittel- und Automobilindustrie zum Einsatz. Die hohe Diversifizierung bringt zwei entscheidende Vorteile mit sich: Sie streut das Risiko und sorgt für Synergien zwischen den Geschäftsgruppen bei der Entwicklung innovativer Technologien. Das breite Portfolio hat bei Freudenberg Tradition und ist im Lauf der 165-jährigen Unternehmensgeschichte durch organisches Wachstum und strategische Zukäufe entstanden. Dabei konzentriert sich das Familienunternehmen vor allem auf Nischenmärkte und verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Marktführer oder adäquater Zweiter in den rund 30 interna­tionalen Märkten zu sein.

Die ersten Lederdichtungen

Seit der Gründung strebt das Technologieunternehmen nach innovativen Produkten und modernsten Prozessen. Die erste Innovation, das „Lackleder“, entwickelte Freudenberg bereits 1850, nur ein Jahr nach Firmengründung. In den Folgejahren blieb das Unternehmen dieser Suche nach Neuerungen treu und hatte damit großen internationalen Erfolg. Hermann Ernst Freudenberg praktizierte europaweit als Erster die Chromgerbung, ein neuartiges Verfahren, das die Dauer der Gerbung von vielen Monaten auf wenige Wochen verringerte. Mit der Einführung der innovativen Chromgerbung entwickelte sich Freudenberg Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Lederhersteller Europas. Ab diesem Moment begann die Diversifizierung. Früh stellte das Unternehmen Dichtungen aus Leder her und erschloss so neue Geschäftsfelder mit bekanntem Know-how. Neuheiten wie der Simmerring, ein Radialwellendichtring mit Lederdichtlippe, machten Freudenberg zu einem wichtigen Zulieferer für die Automobilindustrie. Aus Vliesstoff, dem Trägermaterial bei der Lederherstellung, entstanden in den 50er-Jahren die Vileda-Haushaltstücher und die Vlieseline-Einlagestoffe für die Textilindustrie – die Geburtsstunde für zwei komplett neue Geschäftsfelder. Keine zehn Jahre später nutzte Freudenberg die Vliesstoffe als Ausgangsbasis, um mit den Viledon-Filtern in die Filtertechnik einzusteigen und die Diversifizierung weiter voranzutreiben.

Noch heute ist die Innovationskraft von Freudenberg ausschlaggebend für den globalen Erfolg. Etwa 28 % des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit Produkten, die jünger als vier Jahre sind. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit beschränkt sich aber nicht nur auf Deutschland und Europa. Freudenberg unterhält Forschungseinrichtungen unter anderem in den USA, Indien und China und verfolgt eine globale Innovationsstrategie, die auf drei Säulen beruht: Dazu zählen die traditionelle Weiterentwicklung des Kerngeschäfts durch die Geschäftsgruppen, die Entwicklung neuer Geschäfts­felder und strategische Akquisitionen.

Die Haupttriebkraft der Innovationen sind die Geschäftsgruppen, die überall auf der Welt nah am Kunden an Neuerungen arbeiten. Mit dem ersten nahezu reibungslosen Kurbelwellendichtring Levitex hat Freudenberg eine Dichtung entwickelt, die auf einem Luftpolster läuft. Da Luft reibungsärmer schmiert als jedes Öl lassen sich pro Kilometer mindestens 0,5 Gramm CO2 einsparen. Ein großer Fortschritt für die Automobilhersteller, deren Fahrzeugflotten laut EU bis 2020 im Durchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen.

Das Bevölkerungswachstum, steigende Mobilität, wachsende Energienachfrage oder das rasante Wachstum in den BRIC-Staaten – die sogenannten Megatrends werden die Welt verändern. Doch sie bieten auch große Chancen, vor allem für ein breit diversifiziertes Technologieunternehmen. Freudenberg hat strategische Wachstumsmärkte, die „Green Areas“, definiert, in denen das Unternehmen erhöhtes Wachstum erwartet. Dazu zählt unter anderem die Medizintechnik, die in einer Gesellschaft mit immer höheren Lebenserwartung einen Aufschwung erleben wird.

Freudenberg hat deshalb konsequent in die Geschäftsgruppe Helix Medical investiert. Durch strategische Zukäufe ist das auf medizinische Produkte spezialisierte Unternehmen stetig gewachsen und verfügt über internationale Standorte, unter anderem in den USA, Irland und China. Die weiteren Green ­Areas sind chemische Oberflächen­behandlung, industriell genutzte Filter sowie Öl und Gas. Durch eine „Buy and Build“-Strategie werden diese Bereiche gezielt aufgebaut. Freudenberg forscht zudem an alternativen Mobilitätskonzepten. Das Unternehmen entwickelt Komponenten wie Dichtungen, Gasdiffusionsschichten, Befeuchter und Filter für Brennstoffzellen, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden. In solche Wachstumsmärkte zu investieren ist ebenso wichtig wie die Ausweitung des Engagements in den Wachstumsregionen Brasilien, Russland, Indien und China. Die seit über 100 Jahren bestehenden Kontakte in diese Teile der Erde sorgen heute dafür, dass Freudenberg seine Aktivitäten in diesen immer bedeutender werdenden Märkten auf einer soliden Basis weiter ausbauen kann. Freudenberg zeigt, dass traditio­nelle deutsche Familienunternehmen mit langfristiger Orientierung, Innovationskraft und internationaler Ausrichtung erfolgreich in einer globalisierten Welt tätig sein können.

21.09.2014 | 07:16

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