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Infineon setzt auf Schlüsseltechnologien. (Foto:Infineon)

Autos: auch bei der Chipherstellung ein Motor! (Bild: Infineon)

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Infineon kauft sich reich

Mit Vollgas in die Zukunft: Der Chiphersteller Infineon hat eine neue Übernahme bekanntgegeben. Mit dem Kauf von Innoluce haben die Münchner nun alle drei Schlüsseltechnologien für automatisiertes Fahren in einer Hand. Eine Strategie, die sich für die Spezialisten wohl gleich mehrfach auszahlt.

Es ist eine nicht allzu ferne Vision, die derzeit den Aktienkurs von Infineon fast wie von selbst vorantreibt: Die Idee von autonomen und vernetzten Autos. Hersteller auf der ganzen Welt arbeiten derzeit an solchen neuen Fortbewegungsmitteln, die vollkommen ohne menschlichen Fahrer auskommen sollen. Manche von ihnen, wie etwa Tesla, haben auch schon funktionstüchtige Modelle auf den Markt gebracht, die ein zumindest teilweise autonomes Fahren ermöglichen.

Infineon sichert sich Schlüsseltechnologie

Voraussetzung für diese Entwicklung sind jedoch Firmen wie Infineon. Denn der Chiphersteller stellt mit seiner Technik die nötige Hardware zur Verfügung, mit der den Autos der Zukunft das selbstständige und vernetzte Fahren erst ermöglicht wird. Dabei hat das Unternehmen drei Schlüsseltechnologien identifiziert, die aus ihrer Sicht für das autonome Fahren entscheidend sind: Lidar, Radar und Kameras. Sie sorgen dafür, dass das Auto seine Umgebung wahrnehmen kann.

Während Infineon bisher nur über die Technologie für Kamera und Radar verfügte, hat es nun auch Zugriff auf Lidar. Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, haben die Münchner das Unternehmen Innoluce übernommen. Das Halbleiterunternehmen mit Sitz in Nimwegen hat zwar keine eigene Fertigung, arbeitet dafür aber an der Grundlagenforschung. Mit dem Know-how von Innoluce will Infineon zukünftig Chiplösungen für Lidarsysteme entwickeln. Diese Systeme arbeiten mit Laserstrahlen, um im Nahbereich des Fahrzeugs den Abstand zu Objekten zu bestimmen. Lidar wird vor allem genutzt, um kleinere Objekte auf der Straße zu erkennen. „Die Übernahme von Innoluce ist für uns ein wichtiger Schritt in der Lidartechnologie, die im Sicherheitskokon für das selbstfahrende Fahrzeug eine wichtige Rolle spielt“, sagt Peter Schiefer, der den Geschäftsbereich Automobilelektronik bei Infineon leitet. „Unser Ziel ist es, Lidar zu einer preisgünstigen Option für jeden Neuwagen weltweit zu machen.“ Bis 2020 soll die Zusammenarbeit mit Infineon erste Früchte tragen. Über den Preis vereinbarten beide Parteien stillschweigen.

Analysten optimistisch

Mit der Übernahme festigt das deutsche Unternehmen seine Vorreiterrolle in diesem Segment und setzt damit weiter vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern. Eine Spezialisierung, die sich bisher für das Unternehmen ausgezahlt hat. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie des Chipherstellers seinen Wert um 70 Prozent gesteigert. Zwar ist die Aktie nach Bekanntwerden der Übernahme im Verlauf des Dienstags leicht gefallen. Dennoch liegt das Papier mit einem Wert von 15,85 Euro immer noch bei einem Mehrjahreshoch.

Und die Analysten trauen dem Unternehmen sogar noch weitere Steigerungen zu. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr rechnen die Experten mit einem Umsatzanstieg um zwölf Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Der Nettogewinn soll ebenfalls um zwölf Prozent auf 707 Millionen Euro steigen. Im kommenden Jahr wiederum rechnen Analysten mit Erlösen von sieben Milliarden Euro und einem Überschuss von 830 Millionen Euro. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat die Einstufung für Infineon daher in einer aktuellen Studie auf "Outperform" belassen. Die anhaltend solide Entwicklung der Autoindustrie dürfte auch dem deutschen Halbleiterkonzern zugute kommen, schrieb Analyst Achal Sultania in einer Studie vom Montag.

Insbesondere die aktuelle Übernahmewelle in der Branche lässt die Analysten jedoch an weitere Kurssprünge glauben. Denn mit einem Börsenwert von etwa 17 Milliarden Euro wäre Infineon im Vergleich zu anderen Deals immer noch ein Schnäppchen. Die Baader Bank hat die Einstufung für Infineon daher nach Medienberichten über Kaufverhandlungen des Chip-Spezialisten Qualcomm zum Kauf des Infineon-Rivalen NXP auf "Buy" mit einem Kursziel von 16,50 Euro belassen. Das passe sehr gut zu seiner Sicht auf die Halbleiterbranche, schrieb Analyst Günther Hollfelder in einer Studie vom Freitag. Er schließe nicht aus, dass auch das Münchener Unternehmen von einem Schwergewicht aus den USA oder Asien übernommen werden könnte.

Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas wiederum hat die Einstufung für Infineon auf "Neutral" mit einem Kursziel von 13,40 Euro belassen. Das Wachstum des Smartphone-Marktes dürfte in diesem Jahr schwächer ausfallen als zunächst erwartet, schrieb Analyst David O'Connor in einer Branchenstudie vom Montag. Im kommenden Jahr sollten Innovationen die Smartphone-Verkäufe aber wieder in Schwung bringen und damit die Halbleiterbranche als Zulieferer stützen. Robin Schenkewitz

23.10.2016 | 18:38

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