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Klarna: Angriff auf PayPal

Klarna aus Schweden: Das ist Europas Antwort auf den omnipräsenten Online-Bezahldienst PayPal. Klarna ist zwar cool, aber aktuell noch zu klein, um mit der großen US-Konkurrenz mitzuhalten. Das soll sich ändern – das Stockholmer Startup unter Leitung des Firmengründers Sebastian Siemiatkowski hat ambitionierte Ziele

PayPal? Kennt inzwischen jedes Kind. Allein in Deutschland nutzen 23 Millionen Menschen den Online-Bezahldienst, um bargeldlos Rechnungen zu begleichen oder Geld beispielsweise an Freunde zu verschicken.  Vergangenes Jahr verbuchte das börsennotierte Unternehmen aus dem sonnigen Kalifornien einen Umsatz von 15,45 Milliarden US-Dollar und ist damit unangefochtener Branchenchampion. Allerdings könnte sich das schon bald ändern. Denn im hohen Norden, genauer gesagt in Schwedens Hauptstadt Stockholm, braut sich gerade etwas zusammen, das PayPal ernsthaft Konkurrenz machen könnte: Die Rede ist von Europas derzeit finanzpotentestem FinTech, dem Finanz-Startup Klarna, das in der Lage ist, 460 Millionen US-Dollar in einer einzelnen Finanzierungsrunde zu akquirieren. So geschehen jüngst im Sommer, als sich unter anderem die weltweit größte Fonds­gesellschaft Blackrock oder die ­Investmentgruppe Dragoneer, die beispielsweise auch in den Unterkunftsvermittler Airbnb und den Online-Marktplatz Etsy investiert hat, an Klarna beteiligten und das Unternehmen mit den rosa Logos zu einem Wert von 5, 5 Milliarden US-Dollar verhalfen. Klarna bläst also mit mächtig Rückenwind durch die Investoren zum Angriff auf den schier übermächtig erscheinenden Konkurrenten PayPal. Das Ziel ist dabei klar gesteckt: „Wir wollen PayPal von Platz eins verdrängen. Die Kunden sollen am liebsten mit Klarna einkaufen“, so Marc Berg, Klarnas Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum.

Wenngleich der Platzhirsch unter den Online-Bezahldiensten aus San José vergangenes Jahr noch 30-mal so viel Umsatz wie Klarna erzielen konnte, hofft das von CEO Sebastian Siemiatkowski 2005 gegründete Unternehmen, das sich vor zwei Jahren einem umfangreichen Re-Branding unterzog, diese Lücke schrittweise zu verkleinern. Hoffnung macht da, dass Klarna in den vergangenen Monaten 25 000 neue Händler für sich gewinnen konnte – darunter auch bekannte Größen wie H & M oder Ikea. Durch den Einstieg des Rappers Snoop (Doggy) Dogg als Anteilseigner gibt eine weltweit bekannte Persönlichkeit, die sich gerade bei jüngeren Menschen nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, dem Unternehmen ein Gesicht, das gut zu der sich im Slogan „Get Smoooth“ widerspiegelnden Markenidentität passt. Damit verleiht das schwedische Startup dem eher drögen Thema Zahlungsverkehr etwas mehr Pep und lädt dieses anders als PayPal mit Emotionen auf. Bedenkt man, dass Neurowissenschaftler davon ausgehen, dass 90 Prozent der Entscheidungen auf Emotionen beruhen, hat Klarna an dieser Stelle einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den US-Amerikanern.

Punkten will das FinTech, das in den vergangenen Jahren zahlreiche andere Startups auch aus Deutschland, wie die bayerische Sofort AG oder Billpay aus Berlin, übernommen hat, zudem durch eine konsequent auf die Bedürfnisse der Endkunden ausgelegte Geschäftsstrategie, die es Nutzern nicht nur ermöglicht, schnelle Sofortüberweisungen durchzuführen, sondern auch Zahlungsziele und Raten festzulegen.

Kunden fühlen 
sich umsorgt

In der App können Kunden selbst entscheiden, welche Rechnungen sofort bezahlt werden sollen und welche erst nach einigen ­Tagen. So können Nutzer angeben, dass Einkäufe über einen festgelegten Betrag nach einer bestimmten Anzahl von Tagen mit dem Konto verrechnet werden und andere sofort. Erinnerungen an anstehende Rechnungen und ausstehende Zahlungen per 
E-Mail sollen zudem dafür sorgen, dass sich die Kunden bei Klarna umsorgt fühlen. „Klarna hat sich mittlerweile deutlich weiterentwickelt, ist sehr nutzerorientiert und macht einige Dinge besser als PayPal“, findet Payment-Experte Maik Klotz: „Es wäre keine große Überraschung, wenn Klarna bald auch ein eigenes Girokonto anbietet.“ Der Sprung an die Kassen im stationären Handeln ist den Stockholmern durch eine physische Kreditkarte, die das Unternehmen zusammen mit Visa herausgibt (mit der allerdings nicht Geld abgehoben werden kann) bereits geglückt. Die Voraussetzungen, dass Klarna auch der ganz große Wurf gelingt und das Start­up in Sphären von PayPal vordringen kann, sind gut. Wie weit die beiden Online-Bezahldienste allerdings noch voneinander entfernt liegen, zeigt die Zahl der ausgeführten Transaktionen 2018. Während über den US-Anbieter 32 Millionen Transaktio­nen abgewickelt werden, sind es bei Klarna gerade einmal eine Million. Doch wie lautet eine bekannte Weisheit? „Die erste Million ist die schwerste.“ Der Weg ist also geebnet. Das Ziel, PayPal vom Thron zu stoßen, ist aber noch in weiter Ferne. Doch es kann schnell gehen – gerade in der Branche der Online-Bezahldienste.   

Wim Weimer


06.09.2019 | 09:33

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