Jetzt auch im Aufsichtsrat bei Fielmann: Sarna Röser.



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Macherin der Woche: Sarna Röser

Sarna Röser ist Chefin des Verbands der jungen Unternehmer und jetzt in den Aufsichtsrat bei Fielmann eingezogen. Die Frauenquote hält sie eher für einen Nebenkriegsschauplatz.

Während in der Union hitzig über die Frauenquote für Parteiämter diskutiert wird und die AfD in Thüringen vor Gericht sogar einen Sieg mit ihrer Klage gegen die Quote einfährt, bleibt eine ganz entspannt: Sarna Röser, Jahrgang 1987, Bundesvorsitzende des Verbands „Die jungen Unternehmer“, Instagram affin und auch im staubigen Betonwerk des Vaters stets tadellos gekleidet, hat einen Überblick darüber, wie es ohne Quote läuft. Und sie hat noch etwas: eine unerschütterliche Neigung zum Optimismus. „Ich kenne viele erfolgreiche Unternehmerinnen, die Inspiration und Vorbild sind“, sagt sie. „Junge Unternehmerinnen stehen in den Startlöchern und die Nachfolge in Familienunternehmen wird weiblicher. Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der junge Nachfolgerinnen sichtbarer werden.“

Und das ganz ohne Quote. Röser widerspricht damit einer Studie der Albright Stiftung, die kürzlich insbesondere Familienunternehmen testiert hatte, dass sie in Sachen Diversität und Beteiligung von Frauen an Führungsaufgaben noch einiges nachzuholen haben. Die Familienunternehmerin, die als designierte Nachfolgerin in der väterlichen, schwäbischen Betonröhrenfabrik selbst in der Starlöchern steht – jedenfalls wenn sie nicht doch noch dauerhaft in der Politik landet - hat auf die Frage, wer ihr Lieblingspolitiker sei, einmal Guido Westerwelle genannt. Den verstorbenen FDP-Chef und ehemaligen Außenminister habe sie selbst getroffen, und er habe sie sehr beeindruckt. Seitdem hält sie es mit liberalen Perspektiven: Nicht die Quote, sondern vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei „Deutschlands Achillesferse“. „Möglichkeiten der Führung in Teilzeit sind wichtig, um einen Karriereknick mit Kindern zu verhindern“ meint sie. „Oft sehen wir gerade, dass junge Frauen vor dem ersten Kind Karriere machen, aber eben dann als Mutter nicht mehr.“

Kinderbetreuung mangelhaft organisiert


Selbst Gründerin zweier Start-Ups und seit der vergangenen Woche auch Mitglied im Aufsichtsrat der Optikerkette Fielmann setzt Röser auf die eigene Vorbildfunktion: Sie wolle gerade Frauen ermutigen, als Nachfolgerinnen ein Familienunternehmen zu übernehmen oder sich mit einem eigenen Unternehmen selbständig zu machen. Dabei stört sie sich an festgefahrenen Rollenbildern: „Das Bild einer erfolgreichen Unternehmerin ist eine echte Seltenheit in einem Schulbuch – es geht darum den Mädchen und Jungen mehr Mut zuzusprechen und eben auch Vorbilder aufzuzeigen.“

Die Corona-Krise habe die Schwächen Deutschlands in dieser Hinsicht offengelegt: „Wir Unternehmer wollen wieder loslegen, aber solange zum Beispiel die Kinderbetreuung nicht umfassend auch bei erneuten Ausbrüchen organisiert ist, wird es auch in den Betrieben keine Normalität geben“, stellt sie fest. Dennoch müsse eine Rückkehr zur Normalität – unter den Corona-Auflagen – möglich sein, insbesondere in der Betreuungssituation für Kita-Kinder und Schüler. „Die sechs Wochen Ferien müssen jetzt genutzt und Konzepte fertiggestellt werden, sodass für denkbare Szenarien – Normalbetrieb, hybrider Unterricht und digitales Homeschooling – die Voraussetzungen gegeben sind. Die Benchmark muss sein, dass der Betrieb von Schulen und Kitas auch bei Infektionsausbrüchen oder ansteigender Reproduktionszahl funktioniert.“ Laut Zahlen des Unternehmerverbandes steht in den nächsten zwei Jahren bei bis zu 250.000 Familienunternehmen die Nachfolge in der Unternehmensführung an. Es liegt also an der jungen Generation, den Familienunternehmen wieder auf die Beine zu helfen. „Corona stellt die Next Generation vor eine Herkulesaufgabe“, sagt Röser.

Tipps für den FDP-Chef

Das Konjunkturpaket werde helfen, allerdings ist es ihr zu unstrukturiert. Sie spricht von einem „schuldenfinanzierten Sammelsurium von 57 Einzelmaßnahmen mit Licht- und Schatten“. Sinnvoll seien aus ihrer Sicht Überbrückungshilfen, Investitionen in die Wasserstofftechnologie und Investitionen in Digitalisierung – also Zukunftsthemen. „Strohfeuer sind dagegen beispielsweise die Kaufprämie für E-Autos oder der Kinderbonus und wohl auch die Mehrwertsteuersenkung, die viele Unternehmen durch die kurzfristige Umstellung viel Kraft und Nerven gekostet hat.“

Und falls FDP-Chef Christian Lindner anriefe, hätte sie wohl auch für ihn einen Hinweis: „Es braucht ganz grundsätzlich eine neue Prioritätensetzung weg von Umverteilungs- hin zu Wachstumsthemen. Oder vereinfacht gesagt: mehr Zukunftsthemen und mehr Chancengerechtigkeit. Und wir brauchen eine politische Diskussion darüber, wie lange der Staat so wie jetzt den durch Corona gestörten Markt ersetzen kann. Das sind die Marktnischen, in denen die FDP im kommenden Superwahljahr mit sechs Landtags- und einer Bundestagswahl kräftig wachsen kann.“                     

oli

17.07.2020 | 13:06

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