Anzeige
Anzeige

Mehr Transparenz gefordert

Transparenz ist nicht nur in der Politik, sondern auch in der Unternehmensführung eine wichtige Komponente. Wird sie vernachlässigt, schadet das meist Investoren und Unternehmen gleichermaßen.

Die cometis AG, eine der führenden Investor-Relations-Beratungen in Deutschland, hat die Ergebnisse ihrer aktuellen Guidance-Studie veröffentlicht. Hierfür wurden im November 2013 insgesamt 20 ausgewählte Buy- und Sell-Side-Analysten mit Schwerpunkt im DACH-Raum zur Prognosepraxis börsennotierter Unternehmen in Deutschland befragt. Den Teilnehmern der Studie zufolge hat sich die Prognosequalität der deutschen Indexunternehmen gegenüber dem Vorjahr insgesamt verbessert.

Ulrich Wiehle, Vorstand der cometis AG und Leiter der Studie, erläutert: "Die Unternehmen aus DAX, SDAX und TecDAX erhielten von den Analysten bessere Noten, lediglich die Note des MDAX stagniert. Unerfreulich sind dagegen die schlechten Noten für den General und Entry Standard – der Entry Standard erhielt das Prädikat ,mangelhaft'. Das ist ein Zeichen dafür, dass die geringeren Transparenzstandards von den Unternehmen zu Lasten der Investoren ausgenutzt werden." Andreas Wegerich, Vorstand des Corporate Finance-Instituts youmex, bekräftigt: "Damit verstellen sich viele Unternehmen den Weg zum Kapitalmarkt. Wer den Investoren eine verlässliche Guidance gibt und eine nachhaltige Finanzkommunikation pflegt, hat es bei Kapitalmaßnahmen wesentlich leichter."

Wo die Unternehmen nacharbeiten müssen, analysiert Pierre Drach, Geschäftsführer von Independent Research: "Für uns Analysten ist beispielsweise eine Einschätzung der zukünftigen Cash Flow-Entwicklung bzw. der maßgeblichen operativen Einflussfaktoren wichtig - doch darauf gehen viel zu wenig börsennotierte Unternehmen ein und begrenzen ihre Aussage auf die Umsatz- und EBIT-Entwicklung. Welche Prämissen dabei unterstellt sind, bleibt häufig verborgen, so dass dies regelmäßig in persönlichen Gesprächen hinterfragt werden muss und entsprechend zeitaufwändig ist." Derweil messen die Befragten den regulatorischen Neuerungen durch den DRS 20 bislang kaum Bedeutung für die Guidance-Praxis bei - weder negativ aufgrund des auf ein Jahr verkürzten Prognosezeitraums, noch positiv aufgrund der höheren Anforderungen an die Prognosegenauigkeit.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick

1. Prognoseberichterstattung der deutschen Indexunternehmen fast durchgängig besser benotet; Sorgenkinder bei den Transparenzlevels bleiben General Standard ("Ausreichend") und Entry Standard ("Mangelhaft")

2. Analysten vermissen häufig eine Guidance zum Operativen und Free Cash Flow sowie Angaben zu den Einflussfaktoren auf die operative Entwicklung

3. 61% der Umfrageteilnehmer sehen noch keinen Einfluss durch die Einführung des DRS 20 auf die Prognoseberichterstattung börsennotierter Gesellschaften in Deutschland

4. Wenig Verständnis für geringere Transparenz: 63% der Analysten würden eine Reduzierung des Detailgrads einer Prognose nur bei einem unerwarteten Konjunktureinbruch aufgrund extremer Ereignisse (z.B. Lehman-Pleite) akzeptieren; 32% lehnen dies ganz ab

5. Finanzberichte sind das Informationsmedium Nummer 1 für eine Mehrheit von 74% der Analysten; 47% der Studienteilnehmer beziehen die wichtigsten Hinweise für ihre Zukunftseinschätzung jedoch aus nicht-öffentlichen Quellen, etwa Gesprächen mit dem Vorstand

6. Keiner der Befragten erhält aus bilateralen Gesprächen mit den IR-Verantwortlichen entscheidende Hinweise zur Zukunftsentwicklung eines Unternehmens

Ulrich Wiehle kommentiert: "Die Unternehmen müssen darauf achten, eine möglichst klare Prognose abzugeben. Wir wissen aus unserer aktuellen und früheren Studien, dass die Analysten als Sprachrohr des Kapitalmarkts vor allem Umsatz- und Ergebniskennzahlen, aber auch Cash Flow-Größen in der Prognose fordern. Daneben dürfen die wichtigen Einflussfaktoren auf die Geschäftsentwicklung, die Investitions- und Dividendenpolitik sowie die erwartete Kostenentwicklung in der Guidance nicht fehlen. Überraschend ist indes, dass offenbar keiner der Befragten aus Gesprächen mit den IR-Verantwortlichen entscheidende Informationen über die Zukunft der Unternehmen erhält. Möglicherweise wird vielen IR-Managern dieses Wissen von der Unternehmensleitung vorenthalten - oder sie dürfen es schlicht nicht nach extern geben."

 

 

 

17.12.2013 | 10:22

Artikel teilen: