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Im Interview spricht Peter Pauli, Sprecher der Geschäftsführung der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft, über die schwächelnde deutsche Wirtschaft (Foto: Bayerische Beteiligungsgesellschaft).

„Die Stimmung im Mittelstand ist belastet"

Die Konjunkturprognosen für das Jahr 2020 waren nicht besonders, auch schon vor der Coronakrise. Dies spüren nun Unternehmen wie die Bayerische Beteiligungsgesellschaft (BayBG), einer der größten Beteiligungskapitalgeber vor allem für den bayerischen Mittelstand. Im Interview spricht Peter Pauli, Sprecher der Geschäftsführung, über die schwächelnde deutsche Wirtschaft und was das für die Unternehmen bedeutet.  

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Und laut Konjunkturprognose der Bundesbank hält diese
Schwächephase auch 2020 weiter an. Demnach rechnet die Bundesbank für das kommende Jahr nur noch mit einem kalenderbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent. Hinzu kommen die aktuell noch nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund insbesondere die Entwicklung des Mittelstands?

Peter Pauli: Die Stimmung im Mittelstand war über weite Teile des Jahres 2019 belastet, aber besser als in der Großindustrie. Ursache hierfür ist die ausgeprägtere Binnenmarkt-Orientierung des Mittelstands. Angesichts der drastischen Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 rückt die längerfristige Entwicklung mittelständischer Unternehmen in den Hintergrund. Es geht jetzt darum, die nächsten Wochen zu meistern.

Wie schwer ist es, in diesen Zeiten überhaupt als Kapital­geber für Unternehmen zu fungieren?  

Die Begleitung von Unternehmen in Expansionsphasen mit Eigenkapital und Know-how ist nach wie vor das wichtigste Geschäftsfeld der BayBG. Richtig ist, dass gesamtwirtschaftlich betrachtet die Investitions- und Risikoneigung der Unternehmen in den letzten Jahren überschaubar war. Allerdings gab es auch in diesem Umfeld immer wieder einzelne Unternehmen, die Eigenkapital zur Realisierung ihrer Ziele benötigen. Mittelfristig wird die Nachfrage nach Risikokapital steigen, Digitalisierung und Klimawandel erfordern die Anpassung von Geschäftsmodellen. Kurzfristig wird die Bewältigung der Coronavirus-Krise bei vielen Unternehmen auch Eigenkapitalmaßnahmen erfordern.

Die BayBG steht nicht nur für Wachstumskapital, sondern auch für die Regelung der Unternehmensnachfolge, Venture Capital oder auch Turnaround-Situationen. Gab es im Jahr 2019 Änderungen bei den Finanzierungsanlässen?

Im Vergleich zum Vorjahr keine nennenswerten. Aufgrund des jahrelang guten konjunkturellen Umfeldes gibt es nur vereinzelt Unternehmen in Turnaround-Situationen. Wir haben in einige erfolgversprechende Unternehmensnachfolgen investiert. Im Venture-Capital-Segment sehen wir, dass das Angebot an Kapital und damit die Möglichkeiten der Startups, ihre Geschäftsmodelle zu entwickeln, besser geworden ist. Es gibt inzwischen durchaus auch eine Konkurrenz der Investoren um attraktive Start-ups.  Im internationalen Vergleich hat Deutschland aber durchaus noch Nachholbedarf.

Wie hat sich die Zahl der Existenzgründungen entwickelt?
   

Wir unterscheiden zwischen dem Venture-Capital-Segment, in dem wir in Unternehmen mit relevanten Innovationen, adressierbaren großen Märkten sowie skalierbaren Geschäftsmodellen investieren und in das Existenzgründungssegment, in dem wir mit der LfA Förderbank Bayern zusammenarbeiten. Im Fokus stehen dort Unternehmer und Gründer, die eine eher mittelständisch geprägte Geschäftsidee verfolgen oder einen kleineren Betrieb übernehmen wollen. Die Zahl der Existenzgründungen im zuletzt genannten Sinne ist im Moment rückläufig, Grund sind wohl die hervorragenden Möglichkeiten am Arbeitsmarkt.

Irgendwann ereilt viele Firmen das Schicksal, in eine Krise zu geraten. Deshalb bieten Sie auch Hilfe beim sogenannten Turnaround an, um schwere Zeiten aktiv zu managen. Worin sehen Sie heutzutage die größte Gefahr für Unternehmen?

Kurzfristig ist die Coronavirus-Krise sicherlich die größte Bedrohung. Irgendwann tritt für viele Unternehmen die Situation ein, die Lage zu meistern. Langfristig wird es darum gehen, als Unternehmen den technologischen Wandel, die Digitalisierung sowie die CO2-Neutralität beziehungsweise die CO2-Effizienz aktiv zu gestalten.

Endgültig aus der Krise herauskommen soll die deutsche Wirtschaft spätestens im nächsten Jahr. Die Konjunktur-Erwartungen ab dem Jahr 2021 stehen besser, Experten prognostizierten noch vor der Coronavirus-Pandemie eine Wachstumsrate von 1,4 Prozent. In welchen Branchen sehen Sie die größten Wachstumspotenziale?   

In der Digitalisierung der Produktion – Smart Manufacturing-, der Digitalisierung des Gesundheitssystems und in Technologien, die auf den Klimawandel „einzahlen“.

30.04.2020 | 10:31

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