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Das verworrene Netz birgt Chancen für eine digitalisierte Wirtschaft - doch wie groß sind die Gefahren? (Bild: arztsamui/FreeDigitalPhotos.net)

Das verworrene Netz birgt Chancen für eine digitalisierte Wirtschaft - doch wie groß sind die Gefahren? (Bild: arztsamui/FreeDigitalPhotos.net)

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Das verworrene Netz

Einst, als die Weltlage etwas klarer war, auch wenn das Wünschen schon damals nicht geholfen hat, gab es zumindest eindeutige – hässliche und minder hässliche – Fronten. Man gab der Politik, was ihr zukommt, und der Wirtschaft, was der Wirtschaft ist. Natürlich überlagerten sich diese Sphären in den fünfziger, sechziger und besonders den siebziger Jahren genauso wie zuvor, aber dennoch übersichtlicher. Und die Politik verstand es, ihren „Primat" zu fordern über Krieg und Frieden, Import und Export.

Diese Übersichtlichkeit bricht gerade vollends zusammen, und wenn es in der Wirtschaft noch nicht so kriselt wie in der europäischen Politik, mag es an der Langsamkeit mancher Akteure liegen, weniger am Optimismus. Auch fehlende Weitsicht wird deutsche Autokonzerne, Maschinenbauer und Kraftwerksexporteure nicht über Nacht einholen. Ob aber die Unternehmen, und vor allem die Kapitalmärkte, die neue Unordnung schon verinnerlicht haben, darf man bezweifeln. Sonst wäre sicher auch unter den Zweckoptimisten eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Oder ist Optimismus die Selbstmedikation gegen die Angst vor Panik?

Man nehme nur die Türkei. Nach einem wirtschaftlichen Aufschwung über Jahre hinweg Hauptziel des gemeinen deutschen Tourismus, des Maschinenexports und der Fahrzeugvermittlung über den Bosporus. Dann jedoch geschehen viele Dinge gleichzeitig: Der vermeintliche Reformer an der Regierungs-, dann Staatsspitze wandelt sich zum Kulturkämpfer für allgemeine Unkultur und kann seine lange vorhandene Neigung zu Größenwahn und eitler Paranoia so richtig zum Blühen bringen. Als Schacherer im Syrienkonflikt, als Kriegsgewinnler der Flüchtlingsbewegungen und Geldeintreiber bei den Verzagten Europas ist Recep Tayyib Erdogan nicht nur eine lose Kanone auf dem europäisch-nahöstlichen Deck, welches ohne ihn schon schlüpfrig genug war.

Mittelstand fürchtet den digitalen Krieg

Nein, er bekämpft die Verbündeten jener Länder, mit denen er vorgeblich in Sachen Flüchtlinge zusammenarbeitet und nutzt die Stunde, um die einigermaßen freien Reste der Medien im eigenen Land mundtot zu machen – wenn er es nur dabei belassen würde, wäre es schon unerwartet eine gute Nachricht. Unterdessen wird immer klarer, dass ein weiterer Verbündeter mit Hilfe seiner saudischen Petrodollars seit Jahrzehnten am Aufbau seiner menschenfeindlichsten Ausprägung der ohnehin nicht gerade auf Pazifismus gegründeten Religion des Islam in fernen Ländern wie etwa Belgien arbeitet. Die verhältnismäßig günstigen Rohstoffe für die Prosperität des Westens werden von Terroropfern noch einmal zusätzlich bezahlt. 

Wahabistische Moscheen und Gelehrte im Westen betreiben mit der Ausbildung fanatischer Gottesanbeter das Geschäft ihres angeblichen Erzfeindes, des IS. Am Tageslicht sprengen sich die Täter, die keineswegs materiell verwahrlost, arm und angefeindet sein müssen, in die Luft – wie weit die Fanatiker beim Kampf via Internet, Cyberkriminalität und Wirtschaftsspionage sind, weiß man nicht so genau. Aber sie werden dabei sein. Die deutsche Großindustrie muss sich wohl nicht fürchten derzeit – der Mittelstand aber schon: Um Patente, um Exportchancen, um verlässliche Partner. Das vielbeschworene Disruptive in der modernen Industrie 4.0 könnte noch ganz anders daherkommen als man meint. 

04.04.2016 | 16:32

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