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Dagmar Fritz-Kramer ist Geschäftsführerin des Fertighaus-Produzenten Baufritz. Sie weiß, wie man gesund baut (Foto: Baufritz).

„Sicherer Ort in unsicheren Zeiten“: Die Auswirkungen von Corona auf die Baubranche

Es ist der „Öko-Dinosaurier“ im Segment nachhaltiges Bauen: Bereits seit Jahrzehnten setzt das 1896 gegründete Unternehmen Baufritz als Fertighaus-Produzent auf Holzbau und ökologische Bauweise. Im Interview spricht Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer über die Folgen der Corona-Krise für die Baubranche, neue Wohnformen und mangelnden Umwelt- und Klimaschutz im Bau.

Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Im Zuge dessen scheint sich auch das Bewusstsein der Menschen – zumindest in der Anfangsphase der Pandemie – zu verändern. Wochenlang waren die Deutschen dazu gezwungen, den Großteil ihrer Zeit im häuslichen Umfeld zu verbringen. Was bewirkte dieses „Cocooning“ im Sektor Immobilien- und Baubranche?

Der durch Corona auferlegte gesellschaftliche „Pausenmodus“ wird mit Sicherheit einen gewissen Effekt und nachhaltige Auswirkungen auf die Immobilien- und Baubranche haben – und im Einzelfall auch auf das Verhältnis zum eigenen Zuhause. Getreu dem Motto „My Home is my Castle“ wurde das eigene Zuhause der sichere Hort in unsicheren Zeiten, wodurch sich viele Menschen neu und bewusst mit ihrer persönlichen Wohnsituation auseinandergesetzt haben. Hierbei entstehen täglich Bedarfsmotive, wie beispielsweise der Wunsch nach dem separaten Working Space, einer Terrasse oder einem Raum für Sport und Fitness. Aber auch das Thema Gesundheit ist in solchen Zeiten allgegenwärtig präsent. All die Nachfrage-Trends und „Cocooning“-Motive beobachten wir kontinuierlich und lassen diese in die zukünftigen Planungsentwürfe einfließen.

Der Rückzug ins eigene Heim ist jedoch teuer. Jahrelang explodierten deutschlandweit die Immobilien- und Grundstückspreise: Aufgrund der Immobilienknappheit haben sich die Baulandpreise in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt liegt der Grundstückspreis in Deutschland bei 205 Euro pro Quadratmeter, in München bei einem Spitzenwert von bis zu 2.500 Euro pro Quadratmeter Bauland. Glauben Sie – nicht zuletzt durch Corona – dass diese Blase bald platzt?

Ein Parameter sind aus Finanzierungssicht die Bauzinsen sowie das allgemein niedrige Zinsniveau, was ich auch trotz Corona als positiven Unterstützungsfaktor bewerte. Zudem sollte man auch zwischen privaten Wohnimmobilien und gewerblichen Immobilien differenzieren: Bei zweiteren könnte es durch die enge Korrelation der Immobilien und der Gesamtwirtschaftslage zu einem Absturz der Preise, bedingt durch Leerstände und Betriebsaufgaben, kommen. Bei privaten Wohnimmobilien sehe ich den Markt deutlich gefestigter, insofern die Zinsen stabil bleiben. Für den Immobilienmarkt in besagten Ballungszentren sogar mit leichtem Optimismus, dass die teils horrenden Preise sich ein wenig normalisieren.

Welche neuen Wohnformen sind vor diesem Hintergrund nötig?

Den klassischen Einfamilienhaus-Markt bewerte ich nach wie vor als sehr gefragten Sektor, da in besonderen Zeiten der Drang nach Eigentum und Sicherheit wächst. Aber es wird vor dem Hintergrund sicher auch eine Art „Verschiebung“ geben, was die Anteile der unterschiedlichen Wohnformen betrifft. Für urbane Regionen und in Metropolen setzen wir bereits seit einigen Jahren verstärkten Fokus auf das verdichtete Bauen, sprich: Aufstockungen auf Bestandsgebäude.

Die „Tiny House“-Bewegung boomt. Die Mikro-Häuser haben zunehmend Fans gefunden. Auch weil Themen wie Minimalismus und Nachhaltigkeit die Menschen bewegen.

Die Tiny-House-Bewegung ist sicherlich für gewisse Wohn- und Lebenskonstellationen ideal, stößt aber mit der Zeit an Grenzen. Wir stellen daher mehr und mehr fest, dass ein Trend hin zu kompakten Häusern geht, die mit nachhaltigem und gesundem Charakter punkten und dank intelligenten Grundrissen platzoptimiert auch für junge Familien interessant sind. Auch der Gedanke des „mitwachsenden Hauses“ – sprich der Möglichkeit eines flexiblen Anbau-Modus im Bedarfsfall – ist ein Trend, der mehr und mehr Gewicht bekommt. Bei unserem neuen Musterhaus „Lichtblick“ in Erkheim haben wir solch ein Wohn- und Anbau-Szenario einmal praktisch umgesetzt und zugleich Deutschlands gesündestes und klimaschützendstes Bio-Designhaus realisiert.

Wie ist es generell um Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Bau bestellt?

Leider gilt die Baubranche insgesamt noch immer als relativ schmutzige Branche, was Nachhaltigkeit oder Klima- und Umweltschutz betrifft. Sich diesen Themen oder der Wohngesundheit zu verschreiben, bedarf einer klaren Philosophie und festen Überzeugungen. Zudem spiegeln sich diese Prämissen in höheren Forschungs- und Herstellungskosten der Häuser wider. Bei manch anderem Wettbewerber, sowohl im konventionellen Massivbau als auch im Holzbau, zählt jedoch einzig und alleine der Preis, um die Marktnachfrage zu bedienen. Vielen Unternehmen fehlt vielleicht auch die Expertise und das Wissen rund um das nachhaltige Bauen.

Baufritz wirbt damit, das „gesündeste Bauunternehmen der Welt“ zu sein. Worauf sollten Kunden beim Hausbau verstärkt achten?

Die Gesundheitsbelastung durch Wohngifte im eigenen Zuhause wächst immer mehr, verursacht durch chemische Schadstoffe in Baumaterialien. Aber auch weniger bekannte Themen wie Eletrosmog oder das radioaktive Radongas, das in vielen Regionen in Deutschland im Erdreich vorherrscht und durch die Bodenplatte in Wohnhäuser eindringen kann, sollten beim Bauvorhaben geprüft und vorgebeugt werden. Baufritz hat ein umfassendes Gesundheitskonzept entwickelt, das in allen Häusern standardmäßig umgesetzt wird. Dies beginnt bei der Prüfung jeglicher Bau- und Baunebenstoffe auf Schadstoffe und chemische Bestandteile, die bei uns nicht ins Haus kommen. Ein Beispiel sind die weit verbreiteten PU-Montageschäume zum Einschäumen von Fenstern oder Abdichten sowie chemische Wandfarben. Wir bieten auch Grundstücksanalysen an, um geologische Störfaktoren wie Radongas-Belastung und magnetische oder elektrische Wechselfelder zu erkennen und bei der Planung der Häuser Schutzmaßnahmen bestmöglich zu berücksichtigen. Hausbauinteressenten würde ich in jedem Fall eine ehrliche, baubiologische Beratung empfehlen: Der Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V. ist hier eine gute Anlaufstelle. Bei Gesundheitssiegeln rate ich immer zum direkten Vergleich und auf die Belastungsquellen zu achten, die überprüft wurden.

Vera König

11.08.2020 | 10:04

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