Anzeige
Dr. Holger Enßlin, Foto: Sky.

Dr. Holger Enßlin, Vorstand der Sky Deutschland AG. (Foto: Sky)

Anzeige

Blauer Himmel über Sky

Die Bundesliga und Champions League sind die wichtigsten Assets von Sky. Derzeit hält der Bezahl­sender die Rechte – doch was kommt danach? Sky-Vorstand Dr. Holger Enßlin im Interview.

WirtschaftsKurier: Herr Dr. Enßlin, Rupert Murdoch will einen europäischen Pay-TV-Riesen schaffen und seine Pay-TV-Sender Sky Deutschland und Sky Italia unter dem von ihm kontrollierten Konzern British Sky Broadcasting Group Plc (BSkyB) bündeln. Nun hält der zweitgrößte Aktionär von Sky Deutschland, Odey Asset Management LLP, der mit 8 % an dem Unternehmen beteiligt ist, das Angebot von BSkyB, 6,75 Euro je Aktie zu bezahlen, für zu niedrig. Wie geht es denn jetzt weiter?


Dr. Holger Enßlin: Im Rahmen der von Ihnen angesprochenen, beabsichtigten Transaktion hat BSkyB mit 21st Century Fox vereinbart, deren Beteiligung an Sky Deutschland zu erwerben – nach Ausübung von Umtauschrechten sind das 57,4 % –, und verkündet, ein freiwilliges Barübernahmeangebot für die ausstehenden 100 % der Sky-Deutschland-Aktien zu einem Preis von 6,75 Euro je Aktie ab­zugeben. Zur Finanzierung der Transaktion hat BSkyB unter anderem eine Kapitalerhöhung durchgeführt, an der 21st Century Fox im Rahmen des Bezugsrechtsangebots teilnahm. Dadurch erwarb 21st Century Fox zusätzliche Aktien im Wert von ca. 673 Mio. Euro, um den Anteil von 21st Century Fox an BSkyB in Höhe von 39,1 % zu erhalten.
Der Vorstand und Aufsichtsrat von Sky Deutschland werden das Angebot von BSkyB prüfen und sich dabei von Finanz- und Rechtsberatern unterstützen lassen. Nach Veröffentlichung und Prüfung des öffentlichen Angebots werden Vorstand und Aufsichtsrat eine Stellungnahme nach deutschem Recht abgeben.

Was ändert sich für die Kunden von Sky Deutschland durch diese mediale Transaktion, wie britisch wird der Bezahlsender?

Unabhängig von der beabsichtigten Transaktion kann ich Ihnen versichern, dass unsere Kunden auch weiterhin ein Fernsehangebot erhalten, das in Deutschland und Österreich hinsichtlich Vielfalt, Qualität und Exklusivität seinesgleichen sucht.

Öffentlich-rechtliches Fern­sehen erfüllt oft die Qualitätsstandards der Kunden nicht. Was bietet Sky perspektivisch, um noch mehr Kunden vom qualitativen Bezahlfernsehen zu überzeugen?


Wir unterscheiden uns von herkömmlichen TV-Anbietern vor allem in drei Punkten: durch unser Programm-Portfolio, das exklusive und hochwertige Inhalte wie beispielsweise die Bundes­liga live oder HBO-Serien wie „Game of Thrones“ umfasst, durch wegweisende Innovationen wie unser Online-Fernsehen Sky Go und einen hervorragenden, vielfach ausgezeichneten Kundenservice. Wenn es uns gelingt, in diesen drei Bereichen unsere Marktführerschaft weiter auszubauen, werden wir auch auf Kundenseite weiter stark wachsen.

Sky wird immer beliebter. Wie erklären Sie, dass jetzt die ­Kündigungsrate auf den tiefsten Stand der Unternehmensgeschichte gesunken ist?

Unsere Kündigungsquote ist im letzten Quartal auf den historischen Tiefststand von 7,7 % gesunken. Das ist ein Wert, der auch im internationalen Vergleich Maßstäbe setzt. Und er belegt, wie zufrieden unsere Kunden mit unserem Angebot sind. Auch unsere 24-Monats-Verträge, die inzwischen von etwa 80 % aller Neukunden bevorzugt werden, tragen sicher dazu bei, dass sich die Kündigungsquote so erfreulich entwickelt hat.

Dennoch ist ein Abo für viele Kunden mit über 31 Euro im Monat eine finanzielle Herausforderung. Gibt es Überlegungen, die Abopreise zu senken?

Durchschnittlich geben Sky- Kunden heute 34,59 Euro im Monat für ihr Abonnement aus. Der Anteil an Kunden, die mehr als 50 Euro im Monat für Sky zahlen, hat sich seit 2010 von 1 % auf 16 % gesteigert. Das zeigt, dass unsere Kunden durchaus bereit sind, für ein qualitativ hochwertiges Produkt einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Wie erfolgreich wäre Sky ohne die Exklusivübertragungs­rechte der Fußballbundes­liga und der UEFA Champions League? 2017 endet der Vertrag mit der DFL – stehen Sie schon in neuen Verhandlungen?

Wir haben jetzt gerade mal die erste Saison der laufenden Rechteperiode für die Bundesliga und die zweite Bundesliga beendet und halten die Übertragungsrechte noch weitere drei Jahre bis einschließlich der Saison 2016/17. Mit der DFL stehen wir grundsätzlich in engem Austausch. Es ist aber noch zu früh, um über Details des kommenden Rechtevergabeprozesses zu sprechen. Davon abgesehen: Live-Fußball, insbesondere die Bundesliga und die Champions League (hier haben wir uns die Übertragungsrechte bis einschließlich 2017/18 gesichert), ist sicherlich ein zentraler Bestandteil unseres Programmportfolios. Aber Sky bietet noch viel mehr: top­aktuelle Filme, Serien meist direkt nach dem US-Start, Dokumentationen, Kindersendungen – und natürlich noch viel mehr Live-Sport, von der Formel 1 über Tennis, Golf etc. Es ist diese enorme Vielfalt unseres Programms, die Sky einzigartig macht.

Das Internet-TV ist auf dem Vormarsch; mit Sky Go haben Sie eine Plattform geschaffen, die in diesem Segment erfolgreich agiert. Wird das nicht-lineare Fernsehen das lineare in Zukunft ablösen oder zu einem Nebensegment machen?

Wir sind in beiden Segmenten sehr gut aufgestellt, denn für uns ist es wichtig, unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, selbst zu wählen, wie, wo und wann sie Sky sehen wollen. Insbesondere die Entwicklung unseres Online-TV-Angebots Sky Go macht uns derzeit viel Freude: Im vergangenen Quartal zählten wir über
28 Mio. Kunden-Log-ins – eine Steigerung um mehr als 70 % gegenüber dem Vorjahr. Aber auch für klassisches lineares Fern­sehen wird es weiterhin einen Markt geben, denn beide Arten von Fernsehen existieren nebeneinander. Denken Sie nur mal an die großen Live-Events wie die Spitzenspiele der Bundesliga und der Champions League.

Sky hat in den vergangenen 22 Jahren 4,5 Mrd. Euro Verlust gemacht, dennoch blicken Sie optimistisch in die Zukunft. Was ist das Erfolgsrezept?


Ganz einfach: Wir haben das richtige Geschäftsmodell. Die Entwicklung von Sky seit der Neu­strukturierung unseres Busi­ness im Jahr 2009 belegt das eindeutig. 2013 haben wir erstmals ein Geschäftsjahr operativ mit Gewinn abgeschlossen. Wir rechnen damit, am Ende dieses Kalenderjahres über 4 Mio. Kunden zu haben. Wer hätte uns das vor fünf Jahren zugetraut?

Immer wieder engagiert sich Sky als Partner, so beim ­neuen Filmfestspiel in Potsdam, ist Sponsor bei gigantischen Sportereignissen. Aber das Unter­nehmen engagiert sich auch sozial, beispielsweise über die Sky Stiftung. Wie lässt sich
die Firmenphilosophie von Sky Deutschland kurz umschreiben? Warum diese vielen Engagements – spielt hier auch eine ethische Komponente mit hinein?


Neben wirtschaftlichem Wachstum ist die soziale Verantwortung ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses von Sky. Als Medienunternehmen mit einer breiten öffentlichen Wahrnehmung engagieren wir uns auf verschiedenen Ebenen – für Kinder, für die Umwelt, für die Medienbranche und auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bin selbst Vater, daher liegt mir unsere Sky Stiftung, zu deren Vorstandsteam ich gehöre, besonders am Herzen: Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, benachteiligte Kinder sowie Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Kulturen für ein sportlich aktives Leben zu begeistern.

Für viele Fernsehanstalten wird es immer wichtiger, ein junges Publikum zu gewinnen. Welche Strategien fährt Sky, um jünge­re Menschen auf dem heiß umkämpften Markt langfristig als Kunden zu gewinnen?

Unsere Kunden sind heute schon deutlich jünger als die Zuschauer der großen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehanbieter. Das Durchschnittsalter unserer Neukunden ist im vergangenen Jahr auf 35 Jahre gesunken. Dem jungen Publikum gefällt offensichtlich die Wahlfreiheit, die sie mit Sky beim Kon­sum ihres Lieblingsprogramms genießen. Sky Go und die Online-Videothek Snap by Sky sind mit Sicherheit maßgebliche Faktoren, die auch in Zukunft junge Menschen für Sky begeistern werden.

Das Interview führte Stefan Groß.



Nicht nur Fußball

Mit über 3,8 Mio. Abonnenten und einem Umsatz von mehr als 1,6 Mrd. Euro ist Sky Deutschland der führende Pay-TV-Anbieter in der Bundesrepublik und in Österreich. Das im MDax gelistete Unternehmen bietet Abonnementfernsehen und On-Demand-Services für Privat- und Geschäftskunden an. Zum Produktspektrum von Sky gehören mittlerweile auch Serien, Kinderprogramme, Dokumentationen sowie Sky Sport News HD, der einzige 24-Stunden-Sportnachrichtensender Deutschlands und Österreichs. Durch den Festplattenreceiver Sky+ ist ein zeitversetztes Fernsehen möglich; darüber hinaus können durch die Videothek Sky Anytime Hunderte ständig wechselnde Titel abgerufen werden. Und mit dem Online-Fernsehen Sky Go sind die Programme über Mobilgeräte und den PC zu empfangen.

11.10.2014 | 13:43

Artikel teilen: