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Weltraumbahnhof Baikonur: Von dort werden die Satelliten ins All geschossen. Ihre Lebensdauer beträgt etwa 15 Jahre. (Foto: Astra)

Weltraumbahnhof Baikonur: Von dort werden die Satelliten ins All geschossen. Ihre Lebensdauer beträgt etwa 15 Jahre. (Foto: Astra)

Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland. (Foto: Astra)

Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland. (Foto: Astra)

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TV gibt es bald in Ultra HD

Das Satellitenfernsehen hat auch im Internetzeitalter große Chancen. Die Vorteile schildert Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland.

WirtschaftsKurier: 25 Jahre ­Astra, herzlichen Glückwunsch! In der Retrospektive: Wie ­mühsam war der Weg zum ­Satellitenfernsehen, wo lagen die größten Hürden?

Wolfgang Elsäßer: Wenn man ein Unternehmen gründet und gegen staatlich finanzierte Konkurrenz antritt, kann man das wohl getrost als Hürde bezeichnen. Mit TV Sat gab es in Deutschland bereits einen Satelliten für TV-Übertragungen, der von der damaligen Deutschen Bundespost betrieben wurde. TV Sat transportierte aber gerade mal vier Programme. Dann kam Astra – mit einem innovativen Konzept, viel unternehmerischem Mut und einem starken Kundenfokus. Das erste große operative Highlight der jungen Firma war sicher der erfolgreiche Launch von Astra 1A im Jahr 1988. Das war gleich ein Paukenschlag im Markt. Natürlich braucht man gerade am Anfang auch eine Portion Glück für den notwendigen Rückenwind.

Bei uns war das ohne Zweifel, dass Astra 1A seine Sonnensegel ausklappte und – funktionierte! Relativ schnell haben wir die wichtigen Sender auf diesem Transponder bekommen, RTL, ProSieben beispielsweise, sodass wir mit diesem attraktiven Angebot viele Haushalte erreichen konnten. Historisch gesehen war auch der Fall der Berliner Mauer ein Meilenstein. Neben dem Start von Astra im englischen Markt, mit Rupert Murdoch, haben wir nämlich durch die Wiederver­einigung bei der Erschließung des deutschen Markts gleich einen Quantensprung gemacht. Die Leute waren hungrig nach Satellitenempfang.

Wie viele Programme werden über Astra ausgestrahlt?

Unsere Muttergesellschaft SES ist mittlerweile der größte Sa­tel­litenbetreiber der Erde. Wir haben über 50 Satelliten und können damit technisch ge­sehen 99 % der Landfläche der Erde ­abdecken. Insgesamt überträgt SES weltweit über 6 200 Fernsehprogramme. In Europa sind es circa 900 über Astra 19,2 Ost, davon 300 deutschsprachige Sender, und von denen werden wiederum circa 90 in HDTV, also in hochauflösender Qualität, ausgestrahlt.

Wie lange hält ein Satellit?

Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt 14 bis 15 Jahre. Ein Satellit – auch wenn er weit von der Erde entfernt ist – unterliegt in der Schwerelosigkeit immer noch bestimmten physikalischen Einwirkungen wie Erdanziehungskraft oder auch durch Sonnenwinde. Ein Satellit wird permanent gesteuert, damit er in seiner Position bleibt und sich nicht wegdreht. Dafür hat er Treibstofftanks an Bord. Diese sind irgendwann leer, wenn man genügend Manöver geflogen hat. Dann werden die Satelliten mit dem letzten Rest auf eine etwas höhere Position verbracht, quasi eine Art Ruhestätte. Der Weltraumschrott, über den immer wieder berichtet wird, der entsteht aber viel erdnaher. Besonders betroffen ist die Höhe von 800 Kilometern; das ist die bevorzugte Flugbahn der Aufklärungssatelliten. Die internationale Raumstation ISS fliegt zwischen 350 und 400 Kilometern, aber auch die musste schon mehrmals Objekten ausweichen, die größer als ein Zentimeter sind.

18 Mio. TV-Haushalte nutzen derzeit Satellitenfernsehen in Deutschland. Sind Sie mit diesen Zahlen zufrieden?

Ja und nein. Vor zehn Jahren gab es erst 14 Mio. Sat-Haushalte, gerade in den vergangenen drei Jahren konnten wir signifikant zulegen. 18 Mio. sind für uns schon ein toller Erfolg. Aber wir wollen natürlich weiter wachsen und mittelfristig die Marke von 20 Mio. knacken. Ich glaube, hierfür sind wir ganz gut aufgestellt. Wir bieten dem Zuschauer maximale Fernsehfreiheit in bester Qualität zu den geringsten Kosten. Bei uns bezahlen Sie ­keine monatlichen Gebühren, beim Kabelfernsehen sind Sie mit 20 Euro im Monat dabei. Und Sie bekommen noch die Hardware vorgeschrieben; bei uns können Sie jeden Fernseher und Receiver verwenden, den Sie möchten.

Außerdem bekommen Sie bei Astra 30 HD-Sender frei Haus – und wenn Sie HD+ oder Sky dazubuchen wollen, bekommen Sie auch wirklich das komplette TV-Angebot. Auf den Punkt kann man das vielleicht mit „Mehr, besser, günstiger – und fairer“ bringen. Unser Angebot gibt es so weder im Kabel noch beim Internetfernsehen und schon gar nicht über DVB-T. Satellitenfernsehen ist klar das qualitativ bessere Fernsehen. Nicht nur Privatkunden, auch die Wohnungswirtschaft interessiert sich sehr stark für das Thema Satellitenempfang, weil man mittlerweile mit der Glasfasertechnik über eine Satellitenschüssel in neuen wie bestehenden Wohnanlagen Tausende Haushalte ohne Qualitätsverlust versorgen kann.

Das digitale Fernsehen hat in relativ kurzer Zeit einen Siegeszug angetreten, aber auch das Fernsehen im Internet wird immer beliebter. Nach wie vor verbringen die Deutschen die meiste Zeit noch vor dem ­Fernsehen. Doch in absehbarer Zeit könnte sich das durch das Internetfernsehen vielleicht ändern. Sehen Sie hier eine ­Gefahr, dass immer mehr Kunden ins Internet abwandern, ist IPTV im Kommen?

Ich glaube, die Fernsehgewohnheiten der Menschen werden sich sukzessive ändern, aber wir reden hier über eine Evolu­tion, keine Revolution. Das kann man am besten bei sich selbst bemerken. Entspannung, Abschalten, Live-Events, Spitzensport – das sind nur einige Beispiele für die Stärken des linearen Fernsehens. Die werden auch Bestand haben. Für die nichtlinearen Inhalte eignet sich dagegen das Internet. Aber genauso wie das gute ­alte laufende TV-Programm jetzt auch abseits der Fernseher auf Tablets oder Smartphones konsumiert wird, gilt das umgekehrt für nonlineare Inhalte. Auch Inhalte auf Abruf werden auf dem großen Bildschirm geschaut. Für das Thema hybrides Fernsehen gibt es einen Standard, genannt „Hybrid Broad­casting Broadband TV“, abgekürzt HbbTV. Fast alle Fernseher, die Sie heute kaufen können, sind damit ausgerüstet.

Diesen Standard haben wir gemeinsam mit der Indus­trie ins Leben gerufen, damit der Endkunde zwischen der linearen und nichtlinearen Welt hin- und herschalten kann – und beispielsweise zusätzlich zum laufenden Programm die Mediatheken der Sender abrufen kann. Unsere Schwester HD Plus bietet zum Beispiel den Zugriff auf die Mediatheken privater Sender mit dem Service HD+ Replay. Kurz: Das Internet sehe ich nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Wir glauben, dass sich die Nutzung von bewegten Bildern nicht dramatisch vom Satelliten ins Internet verlagert. Es wird eine Co-Existenz geben, und da sehen wir unsere Chance, neue Geschäftsmodelle für Fernsehsender anzubieten.

Fernsehen noch intensiver erleben – mit Ultra HD ist das bereits möglich. Was verbessert sich durch die neue Technik für den Zuschauer, was ist an weiteren qualitativen Verän­derungen geplant?

Grundsätzlich ist bei der Einführung von neuen Technologien wichtig, dass es eine Standardisierung der Produkte gibt. Dann haben Hersteller und Kunden Investitionssicherheit und es entsteht ein Markt für neue Geräte – und damit technische Reichweite. Dann können die Sender entsprechende Angebote auf den Markt bringen. Wir haben dies sehr erfolgreich von analog zu digital und von Standard Digital (SD) zu HDTV gemanagt. Das hat einige Jahre gedauert, und ähnlich wird das beim neuen Thema Ultra HD verlaufen. Ultra HD bietet eine viermal höhere Auflösung als HD; das ist quasi wie aus dem Fenster schauen.

Die Leute kaufen sich immer größere Bildschirme, und wenn man relativ nah davorsitzt, sieht man auf einem HD-Bild Pixel. Das ist bei Ultra HD nicht der Fall. Perspektivisch werden wir weitere Verbesserungen bekommen, etwa bei der Farbdarstellung oder durch erheblich bessere Kon­trastwerte. Das Thema Ultra HD wird von der gesamten Branche nachhaltig und mit Weitblick entwickelt. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass Ultra HD über kurz oder lang HD als Standard ablösen wird.

Das Interview führte Stefan Groß.

18.11.2014 | 18:53

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