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Außenansicht einer William-Hill-Filiale

Bild: In Großbritannien betreibt William Hill etwa 2.300 Wettbüros und gilt als einer der größten Wettanbieter im Vereinigten Königreich. Bildquelle: Michaelpuche – 232659007 / Shutterstock.com

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Übernahme von William Hill gescheitert

Der Markt der Glücksspiel- und Wettanbieter hat in den letzten Jahren einen großen Wandel erlebt. Große Übernahmen hat es in der Branche zuletzt häufiger gegeben. Im August hat die 888 Holdings in Kooperation mit der Rank Group versucht, William Hill, einen der größten Buchmacher Englands, zu kaufen. Der Deal ist nun trotz der anfänglichen Gesprächsbereitschaft der Führungsetage William Hills gescheitert. Aber warum?

William Hill hat im August 2016 zwei Angebote zur Übernahme abgelehnt. Das anfängliche Gebot über 3,1 Mrd. Pfund (3,65 Mrd. Euro) wurde von 888 und Rank zwar nochmals erhöht und soll zuletzt bei 3,6 Mrd. Pfund (4,24 Mrd. Euro) gelegen haben. Relativ zu den Aktienanteilen lagen die Angebote bei 364 Pence und 394 Pence pro William-Hill-Aktie. Allerdings war das Angebot den Verantwortlichen bei William Hill nicht lukrativ genug, da das Unternehmen mit diesem Betrag noch immer unterbewertet sei. 

Im Vergleich zum Mega-Deal von Bayer mit Monsanto sind die kolportierten 3,6 Mrd. Pfund zwar kaum der Rede wert, aber der britische Buchmacher gehört zu den Big Playern auf dem Glücksspielmarkt und kann es sich leisten, dieses Angebot auszuschlagen. Dem Sportwetten-Experten Heinz Patzelt zufolge liegt der momentane Börsenwert von William Hill bei knapp 3,2 Mrd. Pfund (3,76 Mrd. Euro). 

Kaufpreis zu niedrig, Risiken zu hoch

Die Gründe für die Ablehnung des Angebots umschreibt der Vorsitzende von William Hill, Gareth Davis, mit der Tatsache, dass das finanzielle Risiko zu groß sei und keine Einigkeit über die zukünftige Strategie herrsche: „The board appreciates that synergies can be attained through mergers, but any opportunity must fit with our strategy and this proposal fell down on value, risk, strategy and leverage.“

Das britische Recht hätte zudem vorgesehen, dass sich zunächst die Rank Group Plc und 888 Holdings Plc hätten zusammenschließen müssen, bevor eine Übernahme von William Hill überhaupt realisierbar gewesen wäre. Ferner kommt hinzu, dass Rank und 888 selbst nach einem Zusammenschluss insgesamt kleiner als William Hill alleine gewesen wären. Weitere Investoren und deren Einfluss auf die zukünftigen Geschicke waren den Verantwortlichen also ebenfalls ein Dorn im Auge. 

Des Weiteren läge die Neuverschuldung des Konzerns nach einem Zusammenschluss von 888, Group und William Hill 3,75-mal so hoch wie das eigene Betriebsergebnis, zum Vergleich: William Hills Neuverschuldungsquote liegt beim 1,4-Fachen des Betriebsergebnisses. Vor einem Jahr hatten sich bereits Paddy Power und Betfair in einem 8 Mrd.-Euro-Deal zusammengeschlossen. Hier liegt der Wert der Neuverschuldung gerade einmal beim 0,18-Fachen des Betriebsergebnisses. 

Zusammen stärker

Die Risiken stehen also in keinem guten Verhältnis zu den Möglichkeiten, die mit dieser Übernahme einhergegangen wären. In der Branche der Wett- und Glücksspielanbieter gibt es zurzeit jedoch mehrere gelungene Zusammenschlüsse, da die Unternehmen im Wettkampf um Kunden ihre Kräfte bündeln und zukunftsfähigere Strukturen aufbauen wollen. 

Neben dem Zusammenschluss zu Paddy Power Betfair, der im März 2016 abgeschlossen wurde, steht die Fusion von Ladbrokes und Coral kurz vor dem Abschluss. Der Zusammenschluss der zweit- (Ladbrokes) und drittgrößten (Coral) Wettanbieter in Großbritannien wird das fusionierte Unternehmen auf Platz eins vor William Hill hieven. 

Bwin.party, im Jahr 2011 aus dem Zusammenschluss der bwin Interactive AG und PartyGaming Plc hervorgegangen, wurde letztes Jahr vom Glücksspielkonzern GVC übernommen und setzte sich damals gegen die 888 Holding durch, die ebenfalls interessiert war. Dabei wäre der Kaufpreis von rund 1 Mrd. Pfund für 888 eher zu stemmen gewesen als die Übernahme von William Hill, allerdings konnte GVC die Konkurrenz in einem monatelangen Bieterkampf ausstechen. 

Im Jahr 2014 hat die Amaya Inc. aus Kanada für Aufsehen gesorgt, als die Übernahme von PokerStars und FullTiltPoker, den weltgrößten Anbietern für Online-Poker, bekannt geworden war. Auch Amaya hatte Interesse an einer Übernahme von bwin.party. Der Trend geht also zu immer größeren Anbietern, da die kleineren Unternehmen mit immer mehr marktbedingten Problemen zu kämpfen haben. In der hart umkämpften Branche ist das Überleben immer häufiger nur durch Fusionen zu sichern. Damit einhergehen sollen Einsparungen bei den Betriebskosten, Akkumulierung von Know-how und der Aufbau eines größeren Kundenstamms. 

 

Infografik zu Glücksspielanbietern

Bild: Trotz der Schwächen, die William Hill im Online-Bereich plagen, liegt der Buchmacher auf Platz 2 der weltweiten Umsätze beim Online-Glücksspiel. 

 

William Hill (vorerst) ohne Fusion

Daher hatte wenig überraschend auch William Hill vorerst Fusionsgedanken. Man war an einer Übernahme der 888 Holding interessiert. Erst Anfang 2015 traten die Verantwortlichen mit einem Übernahmeangebot über 744 Mio. Pfund an 888 heran, jedoch ohne Erfolg. Die Führungsriege von 888 sah das Angebot als zu niedrig an. Man sieht sich also immer zweimal im Geschäftsleben. 

Auch wenn im Glücksspielsektor momentan die Großen die Kleinen schlucken, will sich William Hill zumindest vorerst alleine durchsetzen. Aber vor allem beim Online-Auftritt, der in Zukunft auch noch erheblich wichtiger werden wird, hätte William Hill von der Expertise der Übernahmepartner, allen voran von 888, profitieren können. 

Denn genau hier liegt die momentane Schwäche des englischen Buchmachers, der sich großem Konkurrenzdruck ausgesetzt sieht. Die Vormachtstellung in Großbritannien wird in nächster Zeit an den neuen Riesen Ladbrokes-Coral abgegeben, so dass sich der Kampf um neue Kunden als nicht einfach erweisen wird. 

Jedoch beschwichtigt Vorsitzender Gareth Davis seine Investoren und bescheinigt trotz sinkender Aktienkurse zu Beginn dieses Jahres seinem Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft: „We have had a good start to the second half of the year and the board now expects operating profit for 2016 to be at the top end of the previously guided £260m - £280m range.“

Werden diese Zahlen Realität, könnte William Hill ein ordentliches Geschäftsjahr 2016 abschließen und höhere Gewinne einfahren, als es die letzten Jahre der Fall gewesen ist. Zunächst wird allerdings erst einmal Ruhe einkehren beim englischen Buchmacher. 888 und die Rank Group können in den nächsten sechs Monaten kein neues Angebot für eine Übernahme abgeben, außer William Hill initiiert neue Gespräche. 

Dank der gescheiterten Fusion hat sich überdies die Aktie von William Hill positiv entwickelt. Direkt nach Bekanntgabe, dass es keine Übernahme geben werde, stieg der Kurs zwischenzeitlich stark auf über 320 Pence an. Das Tief des Julis, als der Kurs auf 246 Pence abrutschte, scheint damit überwunden. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei knapp 305 Pence.

Bildquelle: Michaelpuche – 232659007 / Shutterstock.com

27.10.2016 | 12:17

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