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(Foto: VP Bank)


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Zweite Corona-Welle setzt nun auch dem ifo-Index zu

Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt im Oktober von 93.2 auf 92.7. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe legt sogar zu. Der Dienstleistungssektor taumelt.

Von Dr. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe

Die zweite Corona-Welle erfasst den ifo-Geschäftsklimaindex. Dabei zeigte sich das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer selbst noch im September entgegen den Erwartungen sehr freundlich. Doch jetzt muss auch das Münchner Stimmungsbarometer Federn lassen.

Den deutschen Unternehmen sitzt die erste Corona-Welle noch in den Knochen. Die Furcht vor einem neuerlichen Lockdown wächst und ist auch nicht mehr völlig abwegig. Die rasante Ausbreitung des Virus in den europäischen Nachbarländern mahnt auch in Deutschland zur Vorsicht. Es muss deshalb nicht weiter verwundern, dass die deutschen Unternehmen ihre weiteren Geschäftsaussichten gegenüber dem Vormonat spürbar schlechter einschätzen.

Der deutliche Anstieg der täglichen Neuinfektionen wiegt für den Dienstleistungssektor besonders schwer. Dabei bedarf es nicht einmal eines neuerlichen Lockdowns, um die Wirtschaft ins Wanken zu bringen. Der freiwillige Verzicht auf den Restaurantbesuch oder den Einkaufsbummel in der Innenstadt reicht aus, um für einen deutlichen Umsatzrückgang zu sorgen.

Eines zeichnet sich ab: Die Lastverteilung der zweiten Corona-Welle ist zwischen dem Dienstleistungssektor und dem Verarbeitenden Gewerbe völlig unterschiedlich. Die produzierenden Betriebe können weitgehend ungehindert ihre Waren herstellen. Der entsprechende Teilindex für das Verarbeitende Gewerbe kann sogar zulegen – Gott sei Dank. Würde nun auch die Industrie taumeln, wäre die deutsche Wirtschaft einem zweiten massiven Wachstumsrückschlag ausgeliefert.

Schönreden hilft nicht, die kommenden Monate werden für die deutsche Wirtschaft schwierig. Neue Wachstumseinbussen sollten ins Kalkül gezogen werden. Die Corona-Pandemie wird das wirtschaftliche Geschehen über die Wintermonate hinweg diktieren. Zuversichtlich stimmt hingegen, dass es zumindest dem Verarbeitenden Gewerbe, in Anbetracht der Umstände, noch vergleichsweise gut geht. Die Industrie kann also zumindest den Umsatzrückgängen im Dienstleistungssektor etwas entgegensetzen.


28.10.2020 | 18:21

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