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Es gibt sie bereits: die Städte und Gemeinden, die sich selbst mit Strom versorgen.

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Die Selbstversorger

Energie: Es gibt bereits eine ganze Reihe von Orten, die ihren Strom komplett selbst erzeugen. Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Und welche Konsequenzen hat das für die Versorger?

Es gibt sie bereits: die Städte und Gemeinden, die sich selbst mit Strom versorgen. Ein Beispiel ist die Stadt Schönau im Schwarzwald. Dort ist aus einer Bürgerinitiative ein Anbieter für Strom entstanden, der auf erneuerbare Energiequellen setzt. Die Genossenschaft hat auch das lokale Verteilnetz übernommen und bietet mittlerweile Ökostrom in ganz Deutschland an. Relativ weit gediehen ist auch das Projekt der Gemeinde Wüstenrot, Sitz des gleichnamigen Bausparriesen, im Landkreis Heilbronn. Sie will bis 2020 energieautark und darüber hinaus eine Plusenergiegemeinde werden. Der gesamte Energiebedarf soll auf der Gemeinde­fläche von 30 Quadratkilometern aus erneuerbaren Energieträgern selbst erzeugt und die Überschüsse an der Strombörse vermarktet werden.

Mehr Geld für den Stadtsäckel

Die Idee der energieautonomen Stadt ist stark abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen, schreibt die Beratungsgesellschaft Altran in ihrem Kundenmagazin „Innovators“. In Simu­lationen haben die Consulter gezeigt, wie stark Städte und Kommunen langfristig von Investitionen in ganzheitliche Energiesysteme profitieren können. Dabei macht eine Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen in Verbindung mit Speichertechnolo­gien und intelligentem Energiemanagement nicht nur unabhängiger, sondern stabilisiert eine Stadt auch in ökonomischer Hinsicht. „So können energieautonome Städte mit eigener Produk­tion auch den Stromüberschuss direkt vermarkten, was angesichts der steigenden Strompreise an Attraktivität gewinnen wird“, so die Altran-Consulter.

Im Zentrum solcher Aktivitäten stehen Smart Grids, mit denen die Stromproduktion und der -verbrauch koordiniert werden. Dafür ist eine Kommunikationsinfrastruktur notwendig, die die Daten über die Netzbelastung in Echtzeit in einem Rechenzen­trum zusammenführt und mittels einer geeigneten Software auf­einander abstimmt. Ist der Verbrauch in den Wintermonaten beispielsweise besonders hoch und streiken Wind und Sonne, können in den Spitzenlastzeiten am frühen Abend einige industrielle Verbraucher vorsorglich für ein bis zwei Stunden vom Netz genommen werden. Dies richtet an Hochöfen oder bei Tiefkühlware keinen Schaden an.

Bei Stromüberschüssen könnte die IT die nicht benötigte Energie nicht nur ins Netz, sondern auch in geeignete Stromspeicher abführen. Dies könnten zum Beispiel die Batterien von Elektroautos sein. Es könnte aber auch die Power-to-Gas-Technologie sein, mit der aus Wasser synthetisches Erdgas hergestellt und im regionalen Gasnetz gespeichert wird. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Eine schneller realisier­bare Möglichkeit sind Anreize, den Strom direkt zu verbrauchen beziehungsweise bei einem Strommangel die Nachfrage einzudämmen.

Die intelligente IT ermöglicht es nicht nur Gemeinden, sondern auch Unternehmen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Firmen könnten beispielsweise Abschaltkapazitäten zur Verfügung stellen und damit zusätz­liche Erträge durch Teilnahme am Regelenergiemarkt erwirtschaften.

Investitionen gegen Blackouts

Die größte Herausforderung bei der Umstellung auf die autarke Erzeugung ist, die Niederspannungs-Verteilnetze für die neuen Anforderungen zu ertüchtigen. Bislang sind sie für einen sta­tionären, eindimensionalen und entnahmefokussierten Lastfluss ausgelegt. Doch es können Stromschwankungen bis hin zur Lastflussumkehr vorkommen. Dadurch kann es zu Überschreitungen des Spannungsbands kommen, wenn die Netze nicht entsprechend angepasst werden. Die Investitionen in den Ausbau sind aber teuer. Durch eine gezielte Erfassung und Nutzung von Lastflussinformationen und eine entsprechende Steuerung kann ein signifikanter Teil dieser Investitionen gespart werden.

Diese Entwicklung bedeutet ­sicherlich nicht, dass die traditionellen Energieversorger (EVUs) keine Zukunft mehr haben, aber sie müssen sich umstellen. Sie können beispielsweise mit einer Kommune kooperieren, indem sie technische Dienstleistungen für deren genossenschaftliche Erzeugungsanlagen anbieten. Sie können auch die Bewirtschaftung des Kooperationsmodells übernehmen, indem sie die vielen kleinen Erzeuger poolen, die Kunden beliefern und den überschüssigen Strom vermarkten.

FR

07.04.2014 | 09:22

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