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Das Bild zeigt viele verschiedene Euro-Scheine.

Die Inflation ist wieder da. (Bild:Tom Bayer/Fotolia)

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Inflation feiert Comeback

Die Teuerung in der Eurozone hat sich fast verdoppelt. Vor allem die höheren Energiekosten, aber auch die Lohnentwicklung schlagen zu Buche. Das Thema Deflation ist damit vorbei. Und die neue Politik der „Trumponomics“ signalisiert ohnedies eine globale Rückkehr der Inflation. 

Die Inflation ist plötzlich zurück. In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im Dezember wegen der höheren Energiekosten um 1,1 Prozent - so hoch wie seit über drei Jahren. Lag die Inflationsrate im November noch bei 0,6 Prozent, hat sie sich nun fast verdoppelt auf 1,1 Prozent - und nähert sich zunehmend der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Marke von 2,0 Prozent. Volkswirte waren überrascht und hatten mit einem Anstieg auf lediglich 1,0 Prozent gerechnet. In Deutschland kosteten Waren und Dienstleistungen im Dezember im Schnitt gar 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Die Inflation feiert ein Comeback", sagt Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Da gleichzeitig aber die Zinsen wegen der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nahe an der Nulllinie verharren, verschlechtert sich die Lage für Anleger deutlich. Für deutsche Durchschnittssparer heißt das, dass sie real Geld verlieren. Die Wertvernichtung ist dramatisch: Die Bundesbürger horten mehr als fünf Billionen Euro. Bei einer Inflationsrate von einem Prozent verliert ihr Vermögen 50 Milliarden Euro pro Jahr an Wert.

Schuld am Comeback der Inflation ist der Basiseffekt bei Energiepreisen. Die waren 2015 und 2016 stark gefallen und hatten die Inflation gedämpft. Nun steigen insbesondere die Ölpreise wiel sichAnfang Dezember mehr als 20 Staaten verpflichtet haben, ihre Ölförderung zu kürzen. Daraufhin sind die Preise für die wichtigen Sorten Brent und WTI deutlich in die Höhe geschnellt. Der Ölpreis zog im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 60 Prozent an. Folglich war Energie 2,5 Prozent teurer als im Dezember 2015.

Das sorgt für allgemeinen Preisauftrieb, weil Ölprodukte wie Benzin einen hohen Anteil im Warenkorb ausmachen, mit dem Statistiker die Inflation messen. Angehoben wurde die Inflation außerdem durch Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen, die jeweils 1,2 Prozent höher lagen als ein Jahr zuvor. Industriell gefertigte Waren kosteten dagegen nur 0,3 Prozent mehr.

Auch die steigende Lohnentwicklung in Deutschland hat offenbar zum Zuwachs bei der Teuerung beigetragen. Im dritten Quartal legten die Löhne und Gehälter nominal um über zwei Prozent zu, und das zum nunmehr elften Mal in Folge. Bislang hat das Gehaltsplus kaum Folgen für die Teuerung gehabt, doch nun mehren sich die Anzeichen, dass die Unternehmen die steigenden Löhne an die Verbraucher weitergeben und höhere Preise für Waren und Dienstleistungen verlangen.

Den wichtigsten kurzfristigen Effekt hat aber wohl die Wahl von Donald Trump gehabt. Der künftige US-Präsident hatte bereits im Wahlkampf ein milliardenschweres Konjunkturprogramm und Hemmnisse im globalen Handel angekündigt. Diese Maßnahmen treiben die Inflation weltweit.

In den ersten zwei Monaten 2017 könnte sich die Inflation weiter beschleunigen. Denn der Ölpreis sackte Anfang 2016 kräftig ab. Sollte er auf seinem jetzigen Niveau bleiben oder noch zulegen, dürfte der Zuwachs bei der Preisteuerung im Januar und Februar entsprechend kräftig ausfallen. Schon im Frühjahr könnte die Teuerung über die Marke von zwei Prozent springen, sagt Michael Holstein von der DZ Bank.

Weniger dramatisch sieht Experte Gitzel von der VP Bank die Entwicklung. Da die Ölpreise ab März 2016 wieder deutlich zulegten, dürfte der Teuerungseffekt der Energiepreise nur ein kurzes Intermezzo sein. "Die EZB muss sich also weiterhin in Demut üben. Der Geldhahn bleibt vorerst weit geöffnet." Auch Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba sieht die EZB nicht unter Druck, ihre ultralockere Geldpolitik zu straffen. Er erwartet keine merkliche Beschleunigung der Inflation 2017 und verweist auf die weiterhin moderate Kernteuerungsrate von 0,9 Prozent. Selbst die EZB rechnet für dieses und nächstes Jahr mit einer deutlich anziehenden Inflation. Präsident Mario Draghi prognostizierte zuletzt eine Teuerungsrate von 1,3 Prozent für 2017 und von 1,7 Prozent für 2018.

Mehrere Volkswirte und Kapitalmarktstrategen sehen weltweit einen Trendwechsel hin zu mehr Inflation – nicht zuletzt auch wegen der inflationstreibenden Wirtschaftspolitik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, den "Trumponomics". "Stehen wir am Beginn eines Wandels von Deflations- hin zu Inflationssorgen?", fragte unlängst Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege von JPMorgan Asset Management. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, ist sicher: "Mit der Trendwende beim Ölpreis seit Februar dieses Jahres ist auch der Deflationstrend beendet." Dies werde im Jashresverlauf noch für Überraschungen sorgen, glaubt sie. WIM

05.01.2017 | 12:41

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