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Dr. Martin Mihalovits (Bild: Stefan Groß)

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„Kunden vor den negativen Folgen der EZB-Politik schützen!"

438 Sparkassen bundesweit stehen als lokaler Dienstleister in Konkurrenz zu den überregionalen Banken. Seit 2012 ist Dr. Martin Mihalovits Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Als Finanzexperte saß er beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2017 am Tegernsee im Panel „Die globalen Wirtschaftstrends und die Finanzmärkte“ auf dem Podium. Im Interview spricht Mihalovits über die Herausforderungen lokaler Geldinstitute am Markt, die Erwartungshaltung der Kunden und wagt einen Ausblick auf das angebrochene Jahr 2017 und auf das kommende Finanzjahr.

Herr Dr. Mihalovits, die Finanzmärkte blieben auch 2016 turbulent. Wie erlebte die Kreisparkasse Miesbach-Tegernsee das Jahr?

Mit dem Jahr 2016 und der Entwicklung sind wir durchaus zufrieden. Wir haben unser Unternehmen stabil durch das turbulente Umfeld gebracht und uns nach vorne entwickelt. Unsere Bilanzsumme steigerten wir auf gut 1,7 Milliarden Euro und gehen auf die 1,8 Milliarden Euro zu. Angesichts dieser Zeiten – Niedrigzins-Umfeld und turbulente Märkte – wäre es schon eine Leistung, wenn man die Erträge nur stabil halten könnte.

Können Sie Maßnahmen nennen, wie der Kreissparkasse das geglückt ist?

Es gibt zwei Hauptfaktoren im Zusammenspiel. Zum einen die konsequente Konzentration auf das Kundengeschäft, insbesondere die Kreditvergabe an die heimische Wirtschaft. Hier kommt uns natürlich unsere Region entgegen. Auf der anderen Seite steht Kostendisziplin. Wir haben sehr hart an unseren Kostenstrukturen gearbeitet, insbesondere an den Sachkosten. So haben wir einige unser 17 Filialen organisatorisch zusammengelegt, die kleinen aber nicht geschlossen. Sie sind jetzt nur nicht mehr jeden Tag geöffnet. Wir sehen das als einen wichtigen Service für die Kunden an, die nicht so mobil sind und in die nächste Ortschaft fahren können. Unsere Marktmitarbeiter können jetzt viel gezielter zur Kundenberatung eingesetzt werden. Zudem nutzen wir die natürliche Fluktuation der derzeit 363 Mitarbeiter aus, so dass im Jahr 2016 im Gegensatz zu 2015 weniger Mitarbeiter mehr arbeiten mussten.

Wie positioniert sich Ihr Haus mit diesen Zahlen im Vergleich zu den anderen bayerischen Sparkassen?

Als der derzeitige Vorstand der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im Jahr 2012 seine Arbeit begann, befanden wir uns auf einem der hinteren Plätze in Bayern. Inzwischen konnten wir uns auf einen guten Mittelfeldplatz verbessern. Bei den Kundeneinlagen liegen wir bei etwa 1,4 Milliarden Euro, bei den Kundenausleihungen bei rund 1,2 Milliarden Euro.

Doch die Situation auf den Finanzmärkten hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft. Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins weiter bei null Prozent, trotz steigender Inflation von 1,7 Prozent im Dezember und 1,9 Prozent im Januar in Deutschland. Der negative Einlagenzins bringt viele Sparkassen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Denn viele Banken scheuen sich davor, die Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben. Doch wann ist das Ende der Belastbarkeit erreicht?

Jedes Haus geht mit dieser Situation aufgrund der spezifischen Strukturen seines Geschäftsgebietes anders um. Die Auswirkungen des Negativzinses von -0,4 Prozent, den die EZB für geparkte Gelder von den Geldinstituten verlangt, sind bei einem Haus wie unserem, das sehr gut im Kreditgeschäft ist, nicht so extrem. Wir konzentrieren uns sehr darauf, das Geld, das wir von unseren Kunden bekommen, wieder als Kredite auszugeben. Deshalb geben wir den Negativzins, den wir zahlen müssen, nicht an unsere Privatkunden weiter. Wir möchten unsere Kunden so lange wie möglich vor den negativen Auswirkungen der EZB-Politik schützen.

Trotzdem liegt bezüglich der Privatkunden auch bei Ihnen ein Problem vor. Die anhaltende Niedrigzinsphase sorgt dafür, dass viele Menschen das Vertrauen in die Banken verloren haben und sie sich nicht mehr um ihr Kapital kümmern. Der frustrierte Bürger traut sich nicht sein Geld anzulegen. Was kann die KSK dem entgegensetzen?

Gerade in diesen Zeiten, in denen die Zinsen nicht sprudeln, kommt es auf eine überlegte Geldanlage an. Doch man kann den Hund nicht zum Jagen tragen, ich kann ihm nur das Jagen schmackhaft machen. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe an, umfangreich zu informieren. So hatten wir zum Beispiel 2016 eine Informationsveranstaltung zur Geldanlage, um dem Bürger zu erklären, um was es geht. Hierfür nutze ich auch das Panel auf dem LEG, es ist ja auch viel einheimisches Publikum hier. Unsere Aufgabe ist es erstens Aufklärungsarbeit zu leisten und zweitens – und das findet nicht immer statt, da muss man selbstkritisch auf die eigene Branche schauen – eine produktunabhängige, kundenbezogene Beratung. Was ist für den Kunden konkret notwendig? Wo bestehen Lücken? Wie viel kann bzw. muss der Kunde zurücklegen? Welche Erwartungen bestehen im Alter? Regelbasiert geht da gar nichts, die Mitarbeiter müssen da mit den Kunden sprechen.

Was erwarten Sie für das laufende Jahr 2017? Werden sich die Finanzmärkte mittel- bis langfristig wieder stabilisieren oder bleibt der Markt erst einmal so hart?

Es bleibt hart. Aber man muss unterscheiden: Die wirtschaftlichen Grunddaten in Deutschland sind sehr positiv. Wenn nichts dazwischenkommt, tragen sie einen Aufschwung, der sich natürlich auf die Entwicklung der Finanzmärkte auswirkt. Auf jeden Fall werden wir aufgrund der Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, Trumps konkreten Entscheidungen und des Brexits eine gewisse Volatilität im Markt haben. Ich gehe davon aus, dass es bis Mitte des Jahres einigermaßen ruhig laufen wird. Dann aber werden wir schon den einen oder anderen Ausschlag nach oben oder unten, einige Überhitzungen und Untertreibungen, erleben. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass, wenn nichts Gravierendes dazwischenkommt, die Trendlinie des DAX nach oben geht.

Eine positive Botschaft. Doch gibt es die auch im Hinblick auf die Zinsen?

Bei den Zinsen bin ich definitiv der Meinung, dass wir vor Mitte oder eher Ende 2018 wenn überhaupt nur marginale Steigerungen spüren werden. Für mich ist die höhere Inflationsrate ein kurzfristiges Strohfeuer aufgrund der angezogenen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Wir werden vielleicht die nächsten zwei bis drei Monate noch etwas drauflegen bei der Inflation, weil das System träge ist, aber eine nachhaltige Inflation wird sich so schnell nicht einstellen. Insgesamt bin ich also, was die Zukunft zumindest in unserem Bereich südlich von München betrifft, positiv gestimmt.

Das Gespräch führte Vera Markert.

04.03.2017 | 23:44

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