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(Bild: Shutterstock 143797060)

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Kriegen die deutschen Auto-Aktien 2018 die Kurve?

Die seit kurzem freundlich tendierende VW-Aktie dümpelte bis vor wenigen Wochen noch im tiefroten Verlustbereich vor sich hin. Die Papiere von Daimler und BMW gehören 2017 zu den schwächsten Werten im DAX. Und das, obwohl alle drei Hersteller in Sachen Absatz, Umsatz und Gewinn immer wieder aufs Neue starke Quartalszahlen vorlegen können. Sind die Titel der großen deutschen Automobilkonzerne also unterbewertet und nun ein günstiger Fang?

Im nun langsam auslaufenden Jahr 2017 kam die deutsche Vorzeigeindustrie nicht gut weg. Nicht bei den Kunden, nicht in der Politik und auch nicht an der Börse. Dieselkrise, Abgasskandal und die im Vergleich zur Konkurrenz aus Asien und Amerika nicht besonders überzeugend wirkenden Innovationsbemühungen brauten sich zu einem giftigen Gemisch zusammen, das sich langsam aber sicher in den Köpfen von Anlegern und Investoren festzusetzen schien. Bis der Dax Anfang September noch einmal zum Rekordlauf ausholte, zwischenzeitlich auf knapp 13.500 Punkte stieg und so – verstärkt durch abermals gute Zahlen – auch die Automobil-Aktien mit in die Höhe schnellen lies, kam der Anteilsschein von Daimler auf ein Minus von 18 Prozent, das BMW-Papier auf eines von 14 Prozent und das von VW auf eines von elf Prozent. Deutschlands Leitindex hatte im selben Zeitraum bereits um 3,6 Prozent zulegen können.

Inzwischen stehen die Kurse der deutschen Großkonzerne, wie bereits angedeutet, wieder höher. Daimler kommt so „nur“ noch auf ein Minus von drei Prozent seit Jahresbeginn, BMW verliert sechs Prozent und Volkswagen konnte durch einen Schlussspurt sogar noch zu einem der besseren DAX-Titel 2017 aufsteigen. Auf Jahressicht steht inzwischen ein Kursplus in Höhe von 21 Prozent zu Buche. Allerdings war die Volkswagen-Aktie aufgrund des Abgasskandals im Herbst 2015 auch sehr weit in die Tiefe gestürzt. Mit einem derzeitigen Kurs von 169,70 Euro liegt das Papier des weltgrößten Autobauers immer noch mehr als 33 Prozent unter dem vor dem Dieselskandal aufgestellten Rekordhoch von 253,20 Euro. Am Finanzmarkt haben die deutschen Autobauer also schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Und das obwohl Umsätze, Gewinne und Absatzzahlen stimmen. In der Realwirtschaft könnte es derzeit kaum besser laufen.

Analystenliebling Volkswagen

Volkswagen beispielsweise konnte seinen Betriebsgewinn in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 17 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro steigern. Beim Umsatz legten die Wolfsburger um 6,8 Prozent auf 170,9 Milliarden Euro zu. Ebenso stiegen die Absatzzahlen um 3,2 Prozent auf 8,7 Millionen Fahrzeuge an. Und auch die Kernmarke Volkswagen kommt immer besser in Fahrt. Nach elf Monaten hat man 5,64 Millionen PKW verkauft. Vier Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016. Zuletzt ging es auch in Deutschland wieder aufwärts. Die Absätze machten im November einen Sprung um acht Prozent nach oben.

Spiegeln sich diese Zahlen im Aktienkurs der Wolfsburger angemessen wieder? Die Mehrheit der Analysten glaubt das nicht und sieht teils noch hohes Gewinnpotenzial. Bei der US-Investmentbank Goldman-Sachs stehen die VW-Titel mit einem Kursziel von 250 Euro sogar auf der „Conviction Buy List“. Anleger unterschätzten immer noch die Ergebniskraft des Automobilkonzerns, schrieb dazu Analyst Stefan Burgstaller in einer Studie. Auch bei den Experten der britischen Barclays-Bank steht die Volkswagen-Aktie auf der Top-Pick Liste. Nord-LB-Analyst Frank Schwope sieht dazu eine Manifestierung des Aufwärtstrends in Sachen Absatz.

Hinzu kommt, dass auch die Rückstellungen bezüglich des Abgasskandals 2018 mit zirka vier bis fünf Milliarden Euro deutlich geringer erwartet werden als noch 2017 mit bislang knapp 17 Milliarden Euro. Das zweitniedrigste KGV im DAX (7,2) und die angekündigten Milliardeninvestitionen in E-Mobilität und Digitalisierung könnten ein weiterer Kaufanreiz sein. Allerdings hat VW auch weiterhin mit allerlei strukturellen Problemen zu kämpfen und VW-Finanzvorstand Frank Witter ist in Sachen Dieselkrise „null entspannt“. Dieses Thema sei noch lange nicht durch, sagte er. Dennoch: Entwickeln sich die fundamentalen Zahlen von Volkswagen weiterhin so positiv wie derzeit, scheint eine Fortsetzung der jüngsten Rally im kommenden Jahr nicht unwahrscheinlich.

Daimler fundamental unterbewertet?

Bei der Konkurrenz aus Stuttgart zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Mit etwa 196.000 ausgelieferten Fahrzeugen im November erzielte Mercedes-Benz bereits den 57. Rekordmonat in Folge. Seit Jahresbeginn wurden knapp 2,1 Millionen Einheiten verkauft. Ein neuer Bestwert und ein Absatzwachstum von 10,7 Prozent. Auch die letzten Quartalszahlen ließen kaum Wünsche übrig. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf das Rekordniveau von 40,8 Milliarden Euro. Das Konzern-Ebit verschlechterte sich leicht von vier Milliarden im Vorjahr auf nun 3,5 Milliarden, was allerdings an Rückrufaktionen lag. Für das Gesamtjahr rechnet Konzernchef Dieter Zetsche mit einem deutlichen Umsatz und Ergebnisplus. Eindrucksvoll hat sich Daimler die Marktführerschaft im Premiumsegment von BMW zurückerobert und könnte sie weiter ausbauen. Mercedes dürfte 2018 und 2019 von allen Premiumherstellern am schnellsten wachsen, schreibt dazu Bernstein-Analyst Max Warburton und traut der Aktie des Automobilproduzenten mit dem Stern auf der Haube 2018 den Sprung auf 85 Euro zu. Das Papier der Stuttgarter sei fundamental unterbewertet.

Ähnlich wie das Volkswagen-Papier weist die Aktie mit einem Wert von 7,7 ein sehr niedriges KGV auf. Noch dazu zahlt Daimler zuverlässig eine stattliche Dividende. 2017 wird sie bei 3,25 Euro pro Anteilsschein liegen. Und da man die DAX-Kursrally in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger komplett verschlafen hat, muss nach Aufwärtspotenzial nicht lange gesucht werden. Gewissheit aber gibt es freilich nicht. Auch Daimler kämpft mit der Dieselkrise und wird in Zukunft wohl viele Milliarden in die Hand nehmen müssen, um in Sachen Modellelektrifizierung mit der erstarkenden Konkurrenz Schritt halten zu können.

Achtung BMW! Den Anschluss nicht verpassen

Nicht so stark wie schon einmal der Fall gewesen präsentiert sich derzeit BMW. Zumindest wohl aus Sicht von Mercedes. Denn im Rennen um die automobile Premium-Vorherrschaft verlieren die Münchner die Stuttgarter zunehmend aus den Augen.

Das allerdings spricht wohl mehr für Daimler als gegen BMW. Denn auch bei den Bayern sind die fundamentalen Zahlen überzeugend. Der Autobauer werde in diesem Jahr Rekordwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn erzielen, schreibt Analyst Frank Schwope. In den ersten elf Monaten 2017 wuchs der Absatz der Marke BMW um 3,7 Prozent auf knapp 1,9 Millionen Fahrzeuge. Auch die Marken Mini und BMW Motorrad konnten deutliche Zuwächse verzeichnen.

Einnahmen und Ergebnisentwicklung hinkten im vergangenen dritten Quartal allerdings den Erwartungen hinterher. Den Umsatz konnten die Münchner nur leicht auf 23,4 Milliarden Euro steigern, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging um 3,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück. Die zentrale Autosparte des bayerischen Großkonzerns büßte in Sachen Ebit 1,8 Prozent ein, womit 1,79 Milliarden Euro übrig blieben. Damit einhergehend ging auch die so wichtige Ebit-Marge um 0,2 auf 8,3 Prozent zurück, womit man sowohl hinter Mercedes (9,2 Prozent) als auch hinter Audi (8,9 Prozent) lag. Morgan Stanley-Analyst Harald Hendrikse glaubt damit einhergehend an eine eher holprige Zukunft. Trotz neuer Modelle gehe er davon aus, dass der Gewinn je Aktie bis 2020 sinken werde, sagte er.

Die Barclays-Experten zeigen sich da wesentlich optimistischer und setzen ihr Kursziel bei 110 Euro glatt. Man sei beeindruckt von der weit fortgeschrittenen Modulstrategie des Herstellers, die der Markt bislang als zu langweilig eingestuft habe, so die Meinung der Analysten. BMW haben zudem nicht nur die Ressourcen, um den E-Auto-Markt zu erobern, die Modelle seien auch „best-in-class“.

Fazit

Trotz zuletzt kleiner Schwächen bei BMW können alle drei großen deutschen Automobilkonzerne auf eine starke Performance im Jahr 2017 zurückblicken. Nur an der Börse ließen sich die tollen Zahlen nicht in Kurssteigerungen ummünzen. Das hat viel mit dem Blick in die Zukunft zu tun. Und genau die wird an der Börse bekanntlich gehandelt. Da allerdings Teslas großer Durchbruch, wenn es ihn denn überhaupt gibt, angesichts von Produktionsengpässen und Rekordverlusten noch etwas länger auf sich warten lassen dürfte und auch die E-Konkurrenz aus Asien noch zu keinem spürbaren Absatzdruck geführt hat, könnten Investoren 2018 die Autowerte wieder für sich entdecken. Goldman Sachs-Analyst Burgstaller sieht nicht zuletzt aufgrund des erfreulichen Wirtschaftsausblicks für das kommende Jahr beträchtlichen Wert in einigen Aktien der europäischen Auto-Hersteller.

Schwächt sich dagegen die Dieseldebatte nicht ab und wächst sich vielleicht sogar in weitreichenden Fahrverboten aus, könnte den Automobilkonzernen ein weiteres eher mäßiges Börsenjahr bevorstehen. Ohnehin gibt es auch vorsichtigere Stimmen, wie beispielsweise die von HSBC-Analyst Horst Schneider, der die Automobilproduzenten 2018 eher einem Übergangsjahr ausgesetzt sieht. Sowohl die Abschwächung des Volumenwachstums als auch der Modellzyklus könnten stärker thematisiert werden.

Grundsätzlich scheinen die Chancen für einen endgültigen Turnaround an der Börse also nicht schlecht zu stehen, zudem sind die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen im Vergleich noch günstig bewertet. Doch die Angst davor, die digitale und elektrische Automobilwelt der Zukunft zu verschlafen, wird aus den Köpfen der Anleger wohl auch nicht so schnell verschwinden.

15.12.2017 | 13:35

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