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Old Exonomy, very, very old: RWE-Standort Bergkamen (Bild: RWE)

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RWE: die Sonderdividende verpufft

Die Ankündigung einer Sonderdividende von einem Euro pro Aktie aus der Rückerstattung der Brennelementesteuer hat die Anleger von RWE nur kurz auf Kaufkurs gebracht. Nachdem die Aktien in Reaktion auf die Nachricht gegen Mittag noch minimal ins Plus gesprungen waren, knüpften sie zuletzt wieder an ihren Abwärtstrend der letzten Tage an. Wenn nicht einmal eine solche Nachricht hilft, sollten dann die Anleger nicht besser die Verluste realisieren und abspringen?

Seit rund einem halben Jahr kannte die RWE-aktie quasi nur eine Richtung. Von gut elf Euro stieg sie bis auf ein Zweijahreshoch von knapp über 20 Euro, als die Rückerstattung von rund 1,7 Milliarden Euro aus der Brennelementesteuer bekannt wurde. Nun kam der Dank der Unternehmensleitung an die treuen und leidgeprüften Aktionäre: eine Sonderdiviadende von einem Euro pro Anteilsschein. Doch die Reaktion der Marktteilnehmer war ernüchternd.  Im Laufe des Freitags fielen die RWE-Anteilscheine, ganz am Ende des ohnehin schwächelnden DAX liegend, um rund drei Prozent auf 19 Euro und schlossen nur wenig gebessert. Damit sind die Gewinne dahin, für die das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Brennelementesteuer bei den Aktien letzthin gesorgt hatte.

Ein Euro also, zusätzlich zu der für 2017 angestrebten regulären Dividende von 50 Cent. Ist die Rückzahlung der Brennelementesteuer damit eine verdeckte Stärkung der Ruhrgebietskommunen? Nun, so weit kann man nicht gehen, zumal ja auch EON und EnBW vom Geldregen aus Berlin, der in Karlsruhe ausgelöst wurde, profitieren. Auf die Anzahl der ausgegebenen Aktien schüttet RWE nun rund 615 Millionen Euro zusätzlich aus. Die Hälfte, also 357,5 Millionen Euro, muss als reguläre Dividende hinzugerechnet werden. Nachdem der Energieversorger 1,7 Milliarden Euro an Steuerrückzahlungen erwartet, bedeutet dies, dass rund 60 Prozent des zusätzlichen Ertrags gleich wieder an die Aktionäre gehen.

Angesichts einer eher als schmal zu bezeichnenden Eigenkapitalquote von zwölf Prozent bleibt fraglich, ob die Ausschüttung von knapp 60 Prozent des staatlichen Geldregens für den Konzern selbst die beste Lösung ist. Die Börsianer sehen das wohl nicht so, wie sich aus den Äußerungen von Analyst Werner Eisenmann, DZ Bank, entnehmen lässt. Es wäre nach Eisenmann sinnvoller gewesen, die gesamte Rückerstattung zur Bilanzsanierung zu nutzen. Analyst Ingo Becker von Kepler Cheuvreux hatte am Dienstag die schwachen Anleiherenditen angesprochen, die schlecht für die Bilanz des Versorgers seien. Zudem dürfte diese Rückerstattung am Finanzmarkt bereits erwartet worden war.

Privatanleger können indes mit 2017 eigentlich zufrieden sein. Seit Jahresbeginn gerechnet stehen die RWE-Aktien aber mit nahezu einer Verdoppelung immer noch komfortabel an der DAX-Spitze. Doch das ist ein schwacher Trost, denn die kleine Rallye dieses Jahres nimmt sich im Zehnjahreschart lediglich als eine Gegenbwegung zu einem rasanten Kurssturz aus, der sich im Zuge der Energiewende ereignete und die Papiere vom Rekordhoch von über 100 Euro Anfang 2008 bis auf rund neun Euro im September 2015 heruntergeprügelt hatte. Nur Anleger, die auf eine Erholung der Strompreise setzen, sollten in RWE investiert bleiben. Die Aktie bleibt spekulativ. Vorsichtige Anleger, die langfristig investiert sind, könnten nach der Minimierung der Schäden im Laufe dieses Jahres den Gewinn mitnehmen. Und für kurzfristig Engagierte gilt das sowieso. sig

24.06.2017 | 19:59

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