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Bei der Abgabenlast Weltspitze

Deutsche und Belgier müssen die höchsten Steuern und Abgaben der westlichen Welt zahlen. Sogar in skandinavischen Sozialstaaten gibt es mehr Netto. Immerhin lässt der Abgabendruck etwas nach.

Von jedem verdienten Euro muss ein lediger Angestellter in Deutschland 49,3 Cent abgeben. In kaum einem anderen Industriestaat sind Steuern und Abgaben so gewaltig hoch. Das ist das Ergebnis einer Studie („Taxing Wages“) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Unter den 34 OECD-Staaten sind nur noch in Belgien die Abgaben höher: Dort reduzieren Steuern und Abgaben das Einkommen des Durchschnittsverdieners um 55,8 %. Hoch ist die Belastung auch in Österreich, Ungarn und Frankreich. Erstaunlicherweise bleibt den Arbeitnehmern in den skandinavischen Staaten weit mehr Netto vom Brutto als den Angestellten hierzulande – und das, obwohl die Sozialsysteme dieser Länder als vorbildlich gelten: In Dänemark etwa gehen nur gut 38 % des Einkommens an Fiskus und Sozialversicherung.

Für die hohe Belastung hierzulande ist nicht die Einkommensteuer verantwortlich, auch das zeigt die OECD-Studie deutlich. Deutschland ist im internationalen Vergleich kein Hochsteuerland. Allerdings sind die Sozialabgaben hier weit höher als in anderen wohlhabenden Volkswirtschaften.

Nur drei Länder mit Progressionsbauch

Die Forscher haben auch untersucht, wie progressiv das Steuersystem in Deutschland ist, ob also mit steigendem Einkommen die prozentuale Steuer- und Abgabenlast steigt und Arbeitnehmer mit geringen Verdiensten weniger stark belastet werden. Dieses Muster finden die Öko­nomen in allen Ländern der OECD – nur nicht in Deutschland, Österreich und Spanien.

Hierzulande ist die Progressivität gedeckelt: Die Abgabenlast ist bei den Arbeitnehmern am höchsten, die das Anderthalbfache des Durchschnittseinkommens verdienen. Steigen die Einkommen darüber, geht die relative Belastung allerdings wieder zurück. Verantwortlich dafür sind die Bemessungsgrenzen, ab denen Sozialversicherungsbeiträge nicht weiter steigen. Dieses Muster hat sich laut den Befunden der Forscher in den vergangenen Jahren sogar noch verstärkt.

Immerhin ist die Abgabenlast der Deutschen im vergangenen Jahr etwas gesunken. Am stärksten war der Rückgang bei Ehepaaren ohne Kinder, bei denen ein Teil durchschnittlich verdient und die Partnerin oder der Partner Geringverdiener ist. Bei dieser Konstellation sank die wegen des Ehegattensplittings ohnehin geringere Belastung noch einmal von 45,5 % auf 45,1 %.

Die Abgabenlast hierzulande entwickelt sich damit im internationalen Vergleich gegen den Trend: In der gesamten OECD, zu der 34 Länder gehören, stieg die Abgabenlast im vergangenen Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf eine Durchschnittsbelastung von 35,9 %. Nur in elf anderen Ländern sank die Belastung der Einkommen.

Der „Vorsprung“ wird kleiner

Trotz des hohen Abgabenniveaus in der Bundesrepublik hat sich der Abstand zu den anderen Industrienationen verringert. Denn in 21 der 34 OECD-Staaten ist die Belastung gestiegen, am stärksten in Portugal, in der Slowakei und in den USA. Im Schnitt mussten in den Indus­trienationen unverheiratete Angestellte ohne Kind 35,9 % des Arbeitseinkommens an Steuern zahlen – das sind 0,2 % mehr als im Jahr 2012. „Damit setzt sich ein 2011 begonnener Trend fort“, resümiert die OECD. Bis 2010 hingegen war die Belastung in der Regel noch gesunken.

24.05.2014 | 15:28

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