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(Foto: Shutterstock)

Covid-19 ist für Anleger kaum wertsteigernd

Mit dem Wettlauf um Medikamente und Impfstoffe gegen das Coronavirus entdecken Investoren wieder den Biotechsektor. Doch ist das tatsächlich Erfolg versprechend?

Viele Anleger sehen derzeit grosse Chancen bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19. Doch ist dies wirklich dauerhaft vielversprechend? Gileads Wirkstoff Remdesivir wird noch im Mai klinische Wirksamkeitsdaten liefern. Fallen diese positiv aus, wird das Mittel noch im Sommer als erstes Medikament zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Einen langfristigen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus verspricht jedoch nur die aktive Immunisierung mit Impfstoffen. Einen anderen und zeitlich kürzeren Ansatz als klassische Pharmaunternehmen verfolgen hier mRNA-basierte Impfstoffe.

Am weitesten fortgeschritten mit dieser Technologie ist die US-Biotechfirma Moderna. Erste klinische Tests an Probanden im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit starteten im März. Bei einem positiven Verlauf folgt im Sommer eine breiter angelegte Wirksamkeitsstudie. Deren Ergebnisse könnten noch im vierten Quartal dieses Jahres vorliegen und dann die Basis für eine schnelle Zulassung bilden. Risikogruppen könnten somit im Falle einer zweiten Infektionswelle im kommenden Winter zeitnah geimpft werden.

Moderna ist aufgrund seiner mRNA-Technologieplattform ein interessanter Investment Case und weniger wegen des in der Entwicklung befindlichen Impfstoffs. Anleger sollten sich nicht zu stark auf die möglichen Therapien gegen Covid-19 konzentrieren. Deren kommerzielles Potenzial ist überschaubar, denn wegen des politischen und gesellschaftlichen Drucks werden die meisten zugelassenen Produkte aller Voraussicht nach mehr oder weniger zu Herstellungskosten verkauft werden.

Günstige Bewertungen nutzen

Die im historischen Vergleich bereits günstige Bewertung der Biotech-Firmen ist gerade im aktuell volatilen Marktumfeld ein weiteres Kaufargument. Während die Aktienkurse von Branchenschwergewichten wie Gilead Sciences oder Regeneron Pharmaceuticals in den vergangenen Wochen bereits deutlich angezogen haben, notieren kleinere und mittelgrosse Biotechs grösstenteils noch deutlich unter ihren Jahreshochs. Zugleich eröffnet die Coronakrise für die biopharmazeutische Industrie als Ganzes jetzt die Chance, in der Öffentlichkeit wieder verstärkt als Akteur wahrgenommen zu werden, der akute medizinische Herausforderungen löst und nicht nur auf Profitmaximierung aus ist.

Dr. Daniel Koller

13.05.2020 | 10:06

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