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Stephan Witt analysiert den Aktien- und Kapitalmarlkt für 2016.

Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der FiNUM.Private Finance AG, Berlin. (Bild: Finum)

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EZB-Strafzinsen: börsennotierte Familienunternehmen als Ausweg?

Seit Kurzem ist bekannt, dass sich an den Zinsen nichts ändern wird. Im Gegenteil: die EZB will, dass noch mehr Kapital in den Markt fließt und hat diesbezüglich die Strafzinsen für Einlagen von Banken bei der EZB erhöht sowie das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm verlängert. Somit gibt es für die Anleger nach wie vor keinen Weg an Aktien vorbei. Entscheidend ist dabei aber immer noch die Frage, in welches Unternehmen man am besten investieren soll.

In letzter Zeit besonders beliebt sind bei den Investoren die Aktien von börsennotierten Familienunternehmen. Diese gelten auf lange Sicht als die besseren Aktien, doch ist dies auch empirisch belegbar? Schließlich übersteigen viele Unternehmensziele die Leistungskapazität einer Familie.

Einen Beweis für den Erfolg solcher Familienunternehmen liefern unter anderem Fonds, die sich ausschließlich auf börsennotierte und familiengeführte Unternehmen spezialisiert haben. Dabei zeigt sich, dass gerade diese Fonds eine eher geringe Volatilität aufweisen, als vergleichbare Fonds. Außerdem entwickelten sie sich nach Kurseinbrüchen wieder deutlich besser. Entscheidend ist weniger die Leistungsfähigkeit der Strukturen, als vielmehr die Konsequenz und die Wirksamkeit von Entscheidungen.

Der Grund dafür ist sogar recht leicht zu finden. Die Geschäftsführer oder die Eigentümer eines Unternehmens profitieren direkt von den getroffenen Entscheidungen bzw. ziehen ihren eigenen Nutzen aus eben diesen. Gute Entscheidungen wirken sich dementsprechend gut auf das Vermögen der Entscheider aus und anders herum.

Bei Unternehmen, die familiengeführt sind, spielt die Amtszeit oder Bilanzzahlen eine eher untergeordnete Reihe, so lange die Firma läuft, ihre Zwecke erfüllt und das Familieninteresse sowie das Familienvermögen sinnvoll bewahrt. Hier liegt das Augenmerk auf einen viel längeren Zeitraum, in dem das Unternehmen gut funktionieren muss. In Regel planen Familienunternehmen Generationsübergreifend. Die Nachhaltigkeit liegt also viel stärker im Fokus, als dies bei klassisch gemanagten Firmen der Fall ist. Entscheidungen werden mit einem anderen Erfahrungsschatz und Weitblick getroffen.

Inhabergeführte Unternehmen weisen meist einen sehr geringen Streubesitzt, dies wiederum wirkt sich auf die Entscheidungsfähigkeit der Inhaber aus. Die Unternehmen investieren sehr nachhaltig und haben eine sehr klare und konservative Ausrichtung. Ein weiterer Faktor der für die Investition in Inhabergeführte Unternehmen spricht ist die in der Regel attraktive und nachhaltig fließende Dividende, die Investoren belohnt, die an die Strategie des Unternehmens glauben. Vorteilhaft für Familienunternehmen sind die stark konservative Führung, sowie eine sehr hohe Eigenkapitalquote.

Probleme treten meist dann auf, wenn es zwischen den Generationen zu verschiedene strukturelle Vorstellungen gibt und Innovation auf Historie trifft. Ebenso wenn es zu einem Erbfall kommt und die Erbenden unterschiedliche Ziele verfolgen. Interessierte Anleger sollten dennoch einen genaueren Blick auf diese spezielle Klasse der Aktientitel werfen, da sich hier einzigartige Vorteile finden lassen.

28.12.2015 | 20:14

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