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(Foto: abcfinance)

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Unternehmensbefragung: Konjunkturschwäche kommt beim Zahlungsverhalten an

Über 40 Prozent der deutschen Unternehmen haben im vergangenen halben Jahr Veränderungen im Zahlungsverhalten ihrer Kunden und Partner festgestellt. Obwohl das statistische Bundesamt jüngst eine technische Rezession ausgeschlossen hat, zeigt der konjunkturelle Abschwung anscheinend bereits Auswirkungen.

Doch nur wenige Unternehmen ergreifen aktive Maßnahmen, um ihre Liquidität zu sichern. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die YouGov im Auftrag von abcfinance jetzt durchgeführt hat. Darin gab jeder fünfte Befragte an, dass Kunden ihre Zahlungen häufiger bis zum letzten Tag herausgezögert haben. Bei 17 Prozent traten vermehrt Fälle von Zahlungsverzug auf und fast 10 Prozent verbuchten sogar mehr Forderungsausfälle als bisher. Auch die Nachfrage nach Skonti habe spürbar zugenommen (10 Prozent). Insgesamt konnten 43 Prozent der befragten Unternehmen feststellen, dass sich das Zahlungsverhalten jüngst merkbar verändert hat. „Neben sinkenden Auftragseingängen ist eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens ein Indikator für eine Rezession“, fasst Stephan Ninow, Geschäftsführer des Finanzdienstleister abcfinance, zusammen. „Auch, wenn eine Rezession nicht eingetreten ist, wirft die konjunkturelle Abkühlung deutliche Wellen.“ Es sei jedoch nicht eindeutig, ob die Veränderungen an echten Zahlungsschwierigkeiten aufgrund mangelnder liquider Mittel lägen oder strategische Zahlungsverzögerungen sind.

Forderungsmanagement bleibt reaktiv

Was tun die befragten Unternehmen derzeit, um zunehmenden Forderungsverzug oder -ausfall zu verhindern? Erstaunlich wenig. So gibt jeder Fünfte an, gar nichts Spezielles zu tun, um Forderungsausfälle zu verhindern. Der überwiegende Teil (37 Prozent) greift zu Telefon oder Brief, um an ausstehende Forderungen zu erinnern. 18 Prozent beziehungsweise 17 erhöhen den Mahnaufwand oder nutzen bereits ein strukturiertes Mahnverfahren. Jeder Zehnte übergibt überfällige Forderungen an ein Inkasso-Unternehmen. Stephan Ninow: „Diese Maßnahmen sind allesamt reaktiv, heißt, sie greifen erst, wenn die Forderung schon verspätet ist. Brechen dann noch Aufträge ein, kann ein mittelständisches Unternehmen in ernsthafte Liquiditätsengpässe geraten.“

Einige Unternehmen kommen ihren Kunden und Partnern mit flexiblen Zahlungsoptionen entgegen, um Verzug oder Ausfälle zu vermeiden. Sie bieten zusätzlich Ratenzahlungen (15 Prozent), längere Zahlungsziele (14 Prozent) oder Skonti (12 Prozent) an.

Nur sehr wenige setzen auf aktive Instrumente wie eine Warenkreditversicherung oder Factoring (je sechs Prozent). Dabei hilft Factoring als umsatzkongruentes Instrument in vielfacher Hinsicht, liquide zu bleiben: Die veräußerten Forderungen sind meist binnen 24 Stunden auf dem Konto, der Factoring-Anbieter übernimmt das komplette Ausfallrisiko und oft auch das Debitorenmanagement.

Klare Strategie macht Unternehmen widerstandsfähiger

Ein zögerlicher Einsatz aktiver Steuerungsinstrumente zeigt sich auch bei der Frage, mit welchen strategischen Maßnahmen sich die Unternehmen für den Abschwung gewappnet haben. Ein Drittel tut nach eigener Aussage nichts, um einer Rezession entgegen zu wirken. Möglicherweise verlassen sie sich auf ihre bereits aufgebauten finanziellen Polster. Jeder Fünfte gibt an, derzeit ein solches Polster aufzubauen. Fast genauso viele verhandeln mit ihren Lieferanten bessere Konditionen und geben ihren Kostendruck dadurch weiter. 14 Prozent geben an, geplante Investitionen zurückzustellen, fast ebenso viele setzen gebundene Liquidität frei, zum Beispiel über den Lagerbestand. An die Personalkosten gehen nach eigenen Angaben nur zehn (Personalabbau) beziehungsweise acht Prozent (Kurzzeit/Überstunden) und sechs Prozent der Befragten schöpfen ihre Kreditlinie aus. Sparen ist für den Großteil deutscher Unternehmen anscheinend die Strategie der Wahl in schwierigen Zeiten. 

Gut 20 Prozent der befragten Unternehmen hingegen fokussieren aktiv neue Märkte – angesichts drohender Strafzölle und Brexit ist das für viele Branchen unabdingbar. Die alte Weisheit, in Krisenzeiten zu investieren, befolgen nur rund 15 Prozent der Befragten. „Die Erfahrungen aus der letzten ‚Krise‘ ab 2009 haben gezeigt, dass Unternehmen, die sich gezielt auf einen Abschwung vorbereiten, deutlich widerstandsfähiger sind,“ so Stephan Ninow. „Wer liquiditätsschonend investiert, erhält Handlungsspielräume.“ Ein breit aufgestelltes, vorausschauendes Liquiditätsmanagement kann für Sicherheit sorgen und bezieht auch fremdfinanzierte Instrumente wie Factoring, Leasing und Asset-basierte Lösungen wie Warenfinanzierung und Lagerfinanzierung ein.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 513 Personen zwischen dem 15. und 20.11.2019 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Beschäftigtenanteile nach Unternehmensgröße zusammengesetzt.

17.12.2019 | 12:13

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