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Daniel Craig schlüpft bereits zum vierten Mal in die Rolle des smarten Agenten 007. (Foto: Picture Alliance / Sony Pictures)

Daniel Craig schlüpft bereits zum vierten Mal in die Rolle des smarten Agenten 007. (Foto: Picture Alliance / Sony Pictures)

Insgesamt betrug das Budget des bisher teuersten Bond-Films 270 Mio. Euro. (Foto: Sony Pictures)

Insgesamt betrug das Budget des bisher teuersten Bond-Films 270 Mio. Euro. (Foto: Sony Pictures)

Zu dieser großen Summe trug zweifellos auch die erste Filmsequenz bei, für die 1500 Statisten engagiert wurden. (Foto: Sony Pictures)

Zu dieser großen Summe trug zweifellos auch die erste Filmsequenz bei, für die 1500 Statisten engagiert wurden. (Foto: Sony Pictures)

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Der teuerste Bond aller Zeiten

Unter dem Titel „Spectre“ kommt der neue James Bond jetzt in die Kinos. Der Streifen dürfte eine Milliarde Euro einspielen. Aston Martin braucht dringend Rückenwind.

Ab dem 5. November 2015 wird der neueste Teil der James-Bond-Reihe in den deutschen Kinos anlaufen. Und schon vor seinem Start bricht der Film einen Rekord: Er ist der teuerste 007-Film aller Zeiten. 270 Mio. Euro – so viel hat der aktuelle Blockbuster mit Daniel Craig in der Hauptrolle verschlungen, und das macht ihn zum kostspieligsten in der 53-jährigen James-Bond-Karriere. Bei „Spectre“ zerstören die ­Filmemacher Autos im Wert von 32,5 Mio. Euro. Die serielle Autovernichtung betrifft Edelkarossen wie Jaguar und Aston Martin – im Auftrag Ihrer Majestät fährt man eben nicht im Opel Adam. Doch das ist nur ein Bruchteil des Gesamtbudgets.

Allein die erste Filmszene dauert elf Minuten, in denen das Fest der Toten in Mexiko-Stadt originalgetreu nachgestellt wurde, 1 500 Statisten waren dafür im Einsatz – so viele wie noch nie zuvor in einem Bond-Streifen. Für Produzentin Barbara Broccoli hat sich diese Investition aber gelohnt: „Nun, in diesem Film kommt viel Geld auf die Leinwand! Bond-Filme haben eine ganz besondere Tradition für Ehrfurcht erzeugende Eröffnungsszenen, da ist es schwer, sie zu übertreffen.“

Hauptdarsteller Daniel Craig kehrt nach „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“ und „Skyfall“ mit „Spectre“ ein viertes Mal als Agent im Geheimdienst Ihrer Majestät zurück. In seinem vierten Einsatz als 007 wird Craig dabei erstmals mit seinem ultima­tiven Gegenspieler konfrontiert: Blofeld, Nummer 1 der kriminellen Organisation Spectre. Das Publikum erwartet einmal mehr spektakuläre Action, aber auch eine Fortsetzung der ernsten und düsteren Story, zu deren Gelingen diesmal Christoph Waltz, Monica Bellucci und Léa Seydoux beitragen.

Wie die „Daily Mail“ berichtet, sind allein für die Flüge zu den Drehorten Millionenbeträge ausgegeben worden. Der Agent wird nämlich nach Italien, Mexiko und Österreich reisen. Immer mit dabei waren 1 000 Crew-Mitglieder, die die Produktionsfirma bis zu 1,4 Mio. Euro kosteten – pro Stunde! Für die Filmproduzenten lohnt sich der verschwenderische Aufwand aber. Denn die hohen Produktionskosten werden aller Voraussicht nach schon nach wenigen Wochen wieder eingespielt sein. Analysten erwarten, dass „Spectre“ mehr als 1 Mrd. Euro einbringen wird.

„Skyfall“ war der erfolgreichste Bond

„Skyfall“ spielte im Jahr 2012 bereits über 1 Mrd. Euro ein. Ohnedies sind die James-Bond-Filme die erfolgreichste Filmserie der Kinogeschichte. Die Einspiel­ergebnisse aller Filme summieren sich mittlerweile auf 6 Mrd. US-Dollar. Betrachtet man nur das inflationsbereinigte Einspielergebnis (ohne Berücksichtigung der Produktionskosten), dann ist „Skyfall“ der erfolgreichste aller Bond-Filme – dicht gefolgt von „Feuerball“ und nicht, wie vielfach vermutet wird, von „Goldfinger“.

Nimmt man die Produktionskosten mit ins Kalkül, dann hat „Dr. No“ aus dem Jahr 1962 das 60-Fache seiner Produktionskosten eingespielt, „Goldfinger“ noch das 42-Fache, „Liebesgrüße aus Moskau“ das 40-Fache und „Leben und sterben lassen“ nur noch“ das 18-Fache. Brosnans „Die Welt ist nicht genug“, Craigs „Ein Quantum Trost“ und Brosnans „Stirb an einem anderen Tag“ waren vergleichsweise wenig profitabel – haben aber immerhin noch mindestens das Dreifache ihrer Kosten eingespielt, ein Wert, den viele aktuelle Blockbuster der Filmbranche nicht erreichen. Timothy Daltons „Lizenz zum Töten“ ist klar der kassenschwächste offizielle Bond-Film, hatte aber auch relativ geringe Produktionskosten.

In den jüngeren Bond-Produktionen spielen Product Placements und bedeutende Werbe­partnerschaften eine immer größere Rolle. Sony Pictures nutzt die hauseigene Filmreihe, um die Produkte der Konzernschwester Sony Electronics zu bewerben. So auch bei „Spectre“, der offenbar als große Werbetafel für das Sony Xperia Z5 und die RX100 IV-Kamera dienen soll. Im 60-sekündigen Werbespot muss Miss Moneypenny (Naomie Harris) das neue Smartphone von 007 abholen: das Xperia Z5. So weit, so gewöhnlich – gehört ja schließlich zur Aufgabe von Sekretärinnen, auch mal Botengänge zu erledigen. Auf dem Weg dorthin muss die Sekretärin von Bond-Boss M – in „Spectre“ nun verkörpert von Ralph Fiennes – aber eine Reihe von „mysteriösen Bösewichtern abwehren“, wie Sony Pictures es schreibt. Das schafft sie natürlich auch – und dank der Sony RX100 IV Cyber-Kamera konnte Miss Moneypenny die Schurken sogar in Super-Slow-Motion aufnehmen.

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Und auch das hauseigene Musikgeschäft wird systematisch angekurbelt. Vor der Veröffentlichung hatte er noch geunkt, dass „Writing’s On The Wall“ wohl nicht Nummer-eins-Material sei. Doch damit lag Sam Smith daneben: Sein Bond-Titelsong ist laut BBC in den britischen Charts auf Platz eins eingestiegen. Damit gelingt dem 23-Jährigen der erste Nummer-eins-Hit eines Bond-Songs in England. Er sei unglaublich stolz, sagte Smith gegenüber dem BBC Radio 1. „Von allen Songs, die ich bisher herausgebracht habe, hätte ich von diesem am wenigsten gedacht, dass er überhaupt die Top Ten erreicht, geschweige denn den ersten Platz. Es ist unglaublich.“

Wichtig ist der neue Bond-Streifen auch für den Autohersteller Aston Martin. Gleich zehn speziell für den Film entworfene DB10 haben die britischen Autobauer gebaut. Stunt-Koordinator Gary Powell erklärt: „Mit ,Spectre‘ haben wir einen Rekord im Zerstören von Autos gesetzt. In Rom schrotteten wir ein paar Millionen Pfund. Die Autos fuhren mit Geschwindigkeiten von 110 Meilen pro Stunde (ca. 177 Stundenkilometer) durch den Vatikan. Wir drehten eine ganze Nacht für vier Sekunden Film.“ Daniel Craigs Gegenspieler Christoph Waltz wird einen Jaguar CX-75 fahren, seine Schergen sind in Land Rover Defender und Range Rover Sport SVR unterwegs.

Für Aston Martin ist ein neuer Werbeimpuls durch den Film überlebenswichtig. Denn die Geschäfte der britischen Sportwagenschmiede laufen eher bescheiden. Die Modellpalette ist veraltet. Angefangen beim Vantage. Das Modell ist im Grundkonzept (VH-Architektur) bereits zehn Jahre alt. Der größere DB9 wurde 2012 überarbeitet. Den viertürigen Rapide gibt es seit 2009. Mit zwei Jahren ist das jüngste Modell momentan der Vanquish. Lediglich zwei Motoren werden angeboten, ein 4,7-Liter-V8 und ein Sechs-Liter-V12.

Kurzum: Bei Aston Martin herrscht Renovierungsbedarf, denn Kunden in diesem Segment verlangen nicht nur Spitzentechnologie unter der Haube, sondern auch modernste Elektronik (Infotainment, Vernetzung, Navigation, Fahrerassistenz) im Cockpit. Der 102 Jahre alten Traditionsmarke aber fehlte bislang das Geld für Neuentwicklungen. Gewinne werden seit Jahren nicht erwirtschaftet. Die Produktion ist zu teuer, die Angebotspalette zu klein. Man hält sich mit Derivaten und Sondermodellen mehr schlecht als recht über Wasser.

Jetzt sieht es so aus, als ob im Hauptquartier in Gaydon die Wende eingeleitet worden sei. Aston Martin spricht von Neuausrichtung. „Wir schauen in eine aufregende Zukunft, die weit bis in die nächste Dekade reicht“, sagt Vorstandschef Andy Palmer.

Finanzspritze in Millionenhöhe

Der Grund für den Optimismus: Die Briten erhielten kürzlich eine Finanzspritze von über 300 Mio. Euro. Der Betrag stammt von den Hauptanteilseignern Investindustrial (einem italienischen Privat Equity Fund) und Tejara Capital. Damit soll nun das Projekt „Second Century“ in Angriff genommen werden. „Bis 2020 werden wir jedes bestehende Modell ersetzt haben und zusätzlich drei neue auf den Markt bringen“, prognostiziert Palmer.

Eines davon zeigte Aston Martin bereits als Studie im März in Genf, den DBX, ein Cross-over aus SUV und Sportwagen. „Die Reaktionen haben uns überwältigt“, sagt Palmer, der den DBX als „key change“ sieht. Unterm Blech steckt eine Kombination aus Allrad und Elektroantrieb. Palmer glaubt, dass der DBX, wenn er 2018 auf die Straße kommt, auch Frauen anspricht. Bislang war man stark auf männliche Kunden fixiert.

Um die Exklusivität zu sichern, soll dennoch der Jahresabsatz „nicht über 7 000 Einheiten steigen“, wie Palmer sagt. Schon nächstes Jahr rechnen Branchenkenner mit einem ersten neuen Modell, dem Nachfolger des DB9. Für das Sport-Coupé nutzen die Briten allerdings noch nicht die technische Unterstützung von Mercedes-AMG. Diese dürfte erst beim nächsten Vantage greifen.

Daimler hält etwa 5 % an Aston Martin und hat, wie es aus Stuttgart heißt, „Beobachterstatus im Bord of Directors von Aston Martin“. Die Beteiligung beinhaltet unter anderem die Lieferung von V8-Turbo-Aggregaten und Komponenten für die Entwicklung einer elektronischen Architektur.

Weltweit schickt Aston Martin nächstes Jahr den Lagonda Taraf an den Start, eine Luxuslimousine mit langem Radstand und limitiert auf 200 Einheiten. Gebaut wird der Taraf von der firmeneigenen Sparte „Q by Aston Martin“, benannt nach Q, dem Leiter der Spezialabteilung, von der James Bond gewöhnlich seinen mit allerhand technischen Spielereien versehenen Dienstwagen erhält. „Q by Aston Martin“ soll als Individualisierungsprogramm massiv ausgebaut werden.

Was dort möglich ist, zeigen die Briten mit dem Filmauto DB10. Liebhaber, die sich bereits auf eine Kleinserie freuen, werden enttäuscht. Der Bond-Bolide bleibt 007 vorbehalten. Und von den zehn Einzelanfertigungen sollen sieben während der Dreharbeiten schon geschrottet worden sein.

10.11.2015 | 11:36

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