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Oben ist wieder Luft: Deutsche Bank, Zentrale in Frankfurt/Main (Bild: Deutsche Bank)

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Deutsche Bank: mit neuem Schwung für 2017

Die Aktionäre der Deutschen Bank können aufatmen: In dem wohl heikelsten und auch teuersten Rechtsstreit für das Bankhaus hat das Flaggschiff des Frankfurter Finanzplatzes nun eine Gesamtstrafe in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar, umgerechnet also etwa 6,9 Milliarden Euro, akzeptiert. Eine Kapitalerhöhung wird damit vorerst unnötig.

Die Deutsche Bank hat eine grundsätzliche Einigung mit US-Justizministerium zu hypothekengedeckten Wertpapieren (RMBS) erzielt. Im Zusammenhang mit dem Abschluss dieses Verfahrens erwartet die Deutsche Bank durch die Zivilbuße im Ergebnis des vierten Quartals Belastungen von etwa 1,17 Milliarden US-Dollar vor Steuern. Ob die Erleichterungen für Verbraucher finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleichs ab.

Auf den ersten Blick, so schreibt Yasmin Osman im Handelsblatt, mag es zunächst überraschen, dass solch eine Strafe die Investoren derart in Feierlaune versetzen kann. Der Aktienkurs legte kräftig zu und erreichte zeitweise seinen höchsten Stand seit März diesen Jahres. Doch dafür gebe es gute Gründe: Das Kapitel mit den US-Hypothekenkrediten könne nun bald ad acta gelegt werden, nur die Unterschrift und die letzten Details stünden noch aus. Und eine Kapitalerhöhung aus der Not heraus ist vorerst auch vom Tisch.

Die Strafe fällt deutlich milder aus als sie zunächst wirkt. Denn die Buße setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen die 3,1 Milliarden Dollar, die die Bank tatsächlich an die US-Behörden überweisen muss. Die bisherigen Rückstellungen reichten für diese Summe nicht aus, sodass das Geldhaus im vierten Quartal noch einmal 1,2 Milliarden Dollar zusätzlich dafür beiseitelegen musste. Bei den verbleibenden 4,1 Milliarden Dollar handelt es sich hingegen nicht um eine Geldstrafe, sondern um sogenannte „Erleichterungen für Verbraucher“. Darunter sind zum Beispiel günstigere Kreditbedingungen und andere Hilfen für die teils hochverschuldeten Wohnungseigentümer zu verstehen.

Meistens kostet dieser Teil einer Vereinbarung die bestraften Banken weniger als es scheint. Bei Goldman Sachs etwa sollen diese „Erleichterungen für Konsumenten“ nur ungefähr ein Fünftel der dafür ausgewiesenen Summe betragen haben, so Osman. Umgemünzt auf die Deutsche Bank hieße das, so mutmaßt die Handelsblatt-Redakteurin, dass aus 4,1 Milliarden Euro eine Belastung im höheren dreistelligen Millionenbereich werden könnte, die dazu noch über fünf Jahre gestreckt wird. Genau beziffern lässt sich das nicht, zumal die Details der Vereinbarung noch nicht feststehen. Und sobetont auch die Bank denn auch, dass sie aus diesem Teil der Vereinbarung „keinen wesentlichen Einfluss“ für das Jahresergebnis 2016 erwartet. Fast noch wichtiger als das genaue Strafmaß ist jedoch: Die Unsicherheit über die finanziellen Lasten aus den fragwürdigen Hypothekengeschäften ist nun vom Tisch.

Cryan hat geliefert, zumindest etwas

Vorstandschef John Cryan hat damit einen Teil seines Versprechens, die wichtigsten Rechtsfälle noch in diesem Geschäftsjahr zu lösen, bereits eingelöst. Das ist wichtig. Solange nicht klar war, wie viel Geld nach allen Strafen übrig bleiben würde, wusste er auch nicht, welche Strategie er sich leisten kann.

Klar ist damit aber auch: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Nun muss Deutschlands größte Bank Antworten darauf finden, wie sie in Zeiten niedriger Zinsen und strengerer Regeln Geld verdienen will, ohne den Grundstein für die nächste Klagewelle zu legen. Als Sanierer hat Cryan geliefert. Nun muss er es auch als Vorstandschef tun.

Hendrik Leber, der Acatis-Chef, ist derweil besorgt um die Deutsche Bank. Wenn das Geldhaus einfach nur das gemacht hätte, wozu eine Bank eigentlich da sei, nämlich Kreidte auszugeben, dann wäre es überhaupt nicht zu den vielen Verfahren und den finanziellen Belastungen gekommen. Leber spricht von Zockerei im Investment-Banking, die die Moral des Bankhauses untergraben hätten. Doch falls John Cryan konsequent bleibt und die Brände, die bei der Deutschen Bank schwelen, der Reihe nach austritt, dann könnte die Vorweihnachtsbescherung für die Aktionäre der Deutschen Bank in eine positive Richtung für 2017 weisen.

Der Aktienkurs des Bankhauses hat die gute Nachricht jedenfalls schon teilweise vorweggenommen, mit 17,85 Euro steht das Papier direkt vor Weihnachten quasi dort, wo es auch zum Weihnachtsfest 2015 rangierte. Falls Cryan konsequent bleibt, kommt das Tal der Tränen, das im Laufe des jetzt fast beendeten Jahres bei rund zehn Euro lag, nicht wieder erreicht. sig

29.12.2016 | 01:55

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